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People | 16.06.2015

Die schöne Seite der Melancholie

Großartige Singer-Songwriterin, Monsterheart-Pianistin, „Vorstadtweiber“-Sekretärin, Katzenverhaltenstherapeutin – über die vielen Talente der Irmie Vesselsky. Ein unvergessliches Kennenlernen in Langenlois.

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Seelentaucherin: Zwei Alben brachte Irmie Vesselsky bisher heraus. Kraftvoll-melancholische Geschichten (© Michael Parak)

Wie alles begann

Wenn ich ihrer Musik lausche, sehe ich ein blasses Mädchen mit funkelnden Augen im Apfelbaum sitzen. Ebendort hat sie als Kind viel Zeit verbracht, viel für sich allein geschnitzt, erzählt sie im Interview. Sie war oft krank als kleines Mädchen, sagt sie. Deswegen stelle ich sie mir wohl blass vor. Irmie Vesselskys Musik hat diese besondere Magie, sofort Bilder vors geistige Auge zu zaubern. Ihre Lieder tragen Melancholie und gleichsam so viel Energie in sich... Zwei CDs hat die in Schiltern aufgewachsene Künstlerin bisher produziert. Selbst komponiert, gespielt, gesungen und arrangiert. Zudem steht sie seit der ersten Staffel der „Vorstadtweiber“ als Hadis Sekretärin vor der Kamera und absolviert parallel dazu eine Ausbildung zur Verhaltenstherapeutin für Katzen. Eine faszinierende Frau.

Schon als Mädchen habe sie Blockflöte gespielt und am Keyboard, das das Christkind ihr und ihrer Schwester brachte, komponiert. „Ich habe kleine Geschichten vertont, mit Musik, Geräuschen und Vogelgezwitscher und auf Kassette aufgenommen – nur für mich allein“, schmunzelt sie...

Das erste Klavier

Die Tochter eines Kfz-Elektrikers und einer Sekretärin kann sich als Kind nichts Schöneres als Klavierspielen vorstellen. Ihre Eltern ermöglichen ihr diesen Traum. „Ich werde nie den Tag vergessen, als der Flügel gebracht wurde. Ich habe gezittert, dass ihm beim Transport etwas passieren könnte“, erinnert sie sich. „,Und jetzt spielst uns was vor’, haben sie dann zu mir gesagt. Das war das Schlimmste für mich – ich war bühnenscheu. Am liebsten spielte ich, wenn ich wusste, dass niemand daheim war. Ich wollte ,die da draußen’ nicht wissen lassen, wie ich mich gerade fühlte“, beschreibt Irmie Vesselsky. „Erst kürzlich hat mich mein Mann zuhause beim Experimentieren mit Musik fotografiert, weil er so schön fand, wie vertieft ich war – und ich hab’ mich total ertappt gefühlt“, verrät sie mit einem zaghaften Lächeln. Dabei ist ihr Jürgen die große Liebe, ihr „Ritter am weißen Pferd“, wie sie sagt, der ihren Weg 2011 kreuzte und den sie bereits 2012 in einer schnörkellosen Feier in Dürnstein spontan heiratete.

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Die große Liebe. Hochzeit mit ihrem Jürgen (© Privat)

Lebenselixier Musik

„Mach zuerst `was Gescheites und dann Musik“, hieß es nach der Matura. Irmie wollte sich nicht abbringen lassen. Auf Anhieb besteht die Songwriterin, die schon damals mit der grandiosen Tori Amos verglichen wird, die Aufnahmeprüfung für die Musikuni und kommt dennoch auf die Warteliste. Ihre Alternative: Sie absolviert innerhalb von drei Jahren die Ausbildung zur Sozialpädagogin – mit Auszeichnung. 2008 fordern das Arbeiten am Tag und die schlaflosen Nächte, in der sie ihrem Lebenselixier, der Musik nachgeht, ihren Tribut: Burnout.

Sie beschließt ein neues Kapitel aufzuschlagen, den Schritt komplett ins Künstlerinnenleben in Wien zu wagen. Mit Erfolg. Ende 2009 kommt ihre erste CD „Parantheses of Antitheses“ heraus, sie tourt durch alle Bundesländer und es regnet positive Kritiken. Für die packende Musik, für die (englischsprachigen) tiefgründigen Texte. Nicht zurückhaltender die Lobeshymnen auf ihr zweites Album „The Key“, das 2013 erscheint. Irmie Vesselsky selbst schwankt dennoch zwischen Freude über jubelndes Publikum und schonungsloser Selbstkritik...

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"Wenn es unter 100 begeisterten Menschen eine negative Stimme gibt, nehme ich mir das zu Herzen. Aber Komplimente verwirren mich genauso", sagt Irmie Vesselsky (© Michael Parak)

Leben & Lieben

Turbulente Zeiten liegen hinter der tiefgründigen Künstlerin. „Doch die neue Irmie lebt und liebt. Die neue Irmie macht das Herz auf“, lacht sie. Die katzenverliebte Lady ist mit ihrem Jürgen und Anouk, ihrem treuen Begleiter auf vier Pfoten, in Langenlois zuhause. Und wie es zur Schauspielerei kam? „Da war die ,Gott-ich-werde-30-Krise’ schuld“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. „Ich fragte mich, was denn eigentlich einst das Kind in mir wollte.“ So begann sie 2013 mit der Schauspielausbildung und dreht unter anderem für die ORF-Serie „Die Vorstadtweiber“.

Musikalisch wirkt sie – neben ihrem Schaffen als Solokünstlerin – nun bei einer der vielversprechendsten Formationen Österreichs mit: bei Anna Attars „Monsterheart“. Geboten wird bei den Auftritten der gut zehnköpfigen Combo elektronischer Pop – mit einem Schuss Melancholie. Ganz nach Irmies Geschmack...

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Irmie Vesselsky mit Niederösterreicherin-Redakteurin Viktória Kery-Erdélyi (© Privat)

Info:

Irmie Vesselsky live

2. Juli 2015, Audimax Campus, Krems

9. Juli 2015, JungeUni, Workshop „Der Ton macht die Musik“, Krems

26. Juli 2015, Langenlois klingt

www.irmievesselsky.com

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