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Editor's Mind Angelica Pral-Haidbauers Kolumne

Editor's Mind | 08.09.2016

Von Smombies und dem Ernst des Lebens

Weil wir einfach unzertrennlich sind, teilen wir uns diesmal unseren Sommer-Abschieds-Willkommen-Herbst-Blog – und sinnieren im Doppelpack übers offline erlebbare Paradies und darüber, wann Ohrstöpsel (etwa bei zu vielen Mamiverschwörungen) durchaus dienlich sein können ;)

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VERSTRICKT. Die NIEDERÖSTERREICHERIN – im Bild Chefredakteurin Angelica Pral-Haidbauer & Redakteurin Viktória Kery-Erdélyi – beteiligen sich an der Kooperation mit "Lana Grossa" und bringen mit dem Kauf der Charity-Box und dem Stricken des Kuschel-Schals eine wollige Extraportion Wärme zu den Kindern der SOS Kinderdörfer (© Celine Daliot)

In NÖ sind Smombies out!

Nun lese ich, dass dem Langenscheidt-Verlag die Wahl zum letzten „Jugendwort des Jahres“ ziemlich schwer gefallen sei. Zur Auswahl standen: „Alpha-Kevin“, ein Synonym für „den Dümmsten aller Zeiten“, knapp geschlagen von „Tinderella“, einer Frau, die exzessiv Online-Dating-Plattformen wie Tinder nützt, weil eben kein Kevin diskriminiert werden soll – sowie „Earthporn“, was so viel heißt wie „Erd-Porno“ und für besonders schöne Landschaften stehen sollte. Als Sieger durchgesetzt hat sich schließlich der Begriff „Smombie“, ein Kofferwort aus den Begriffen „Smartphone“ und „Zombie“. Damit sind jene gemeint, die durch den ständigen Blick auf ihr Smartphone so sehr abgelenkt sind, dass sie ihre Umgebung kaum noch wahrnehmen und sich wie Zombies durch den Alltag bewegen. Gut, ich gebe zu, dass ich einige dieser Smombies bereits knapp vor meiner Kühlerhaube hatte. Zum Glück gehöre ich noch jener Old-Fashion-Generation an, die dann – sehr „Italian-like“ – laut auf die Hupe drückt.

Welch ein Glück, dass sich mein Sommer mit den unzähligen Aufführungen im Rahmen des Theaterfestes NÖ, die ich besuchen durfte, so echt anfühlte! Dass mir die Musik Gänsehaut bescherte, mich die Dialoge der Theaterstücke tief in meinem Innersten aufrüttelten – und dass uns am Beginn der Vorstellungen immer eine Stimme aus dem Off mahnte, die Handys auszuschalten. Welch ein Glück, dass ich die wunderbare Landschaft Niederösterreichs aufsaugen konnte wie einen Heiltrunk und mich die Worte des „Mariandls“, der bezaubernden 90-jährigen Waltraud Haas, als wir über die Inszenierung ihres Sohnes „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ sprachen, mitten ins Herz trafen: „Wir haben es doch hier, das Paradies, in der Wachau.“

Liebe LeserInnen, genießt unsere September-Ausgabe mit Berichten über das wirkliche Leben in unserem schönen Land – und schaltet doch mal das Smartphone ab. ;-)

PS: #Beziehungsstatus zu NÖ: dauerhaft glücklich!

Herzlichst, Eure Angelica Pral-Haidbauer

Neuanfang

Versteht mich nicht falsch: Ich bin ein absolut ernsthafter und ernstzunehmender Mensch. Manchmal nehme ich die Dinge sogar zu ernst. Dann bin ich froh, wenn mich jemand, vorzugsweise nette Menschen, aus meiner Ernsthaftigkeit locken. Im Idealfall mit gutem, ehrlichem Schmäh. Dass unsere Große nun mit der Schule beginnt, nehmen wir sehr ernst. Seit Wochen thront sie stolz auf ihrem neuen Drehsessel – hinter ihrem neuen Schreibtisch, versteht sich. Dort malt sie beherzt Buchstaben ab, um Wortkreationen wie LSMF oder LMPL zu zaubern.

Bis auf ein paar beispielsweise zahnspangenbedingte Mobbingerfahrungen habe ich die Schule gemocht. Sehr sogar. (Pst, manchmal sogar Mathe) Und auch unsere Große war außer sich vor Vorfreude. Sie zählte die Tage, die Liste mit den Wünschen für die Schultüte wurde länger. Aber seit Kurzem verfinstert sich ihre Miene, wenn sie an die Schule denkt. So sehr wir sie davor abzuschirmen versuchten: Es waren wohl doch einen Hauch zu viele Warnungen vor dem Ernst des Lebens. Auch mir waren es zu viele Mamiverschwörungen darüber, in welche Klasse, zu welcher Lehrerin sie kommt. Als Tochter, Schwiegertochter und Schwägerin von lauter ehrgeizigen PädagogInnen bewundere ich LehrerInnen prinzipiell vorurteilsfrei, ehe sie mich vom Gegenteil überzeugen.

Die Antwort fand ich dann – wie könnte es anders sein – lesend.

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend

Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,

Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend

Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe

Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,

Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern

In andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

(aus: Stufen, Hermann Hesse)

Ganz im Ernst: Was gibt es Wunderbareres als lesen, schreiben (und: ja, auch rechnen) zu lernen? In diesem Sinne: Vor welchem Neuanfang Ihr auch steht, nimmt ihn (nicht zu) ernst – und genießt den Zauber!

Eure Viktória Kery-Erdélyi

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