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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 13.04.2017

„Was gibt’s zum Essen?“, fragt das Kind.

„Wir holen dann was“, sagt der Mann. „Ich fahr in den Supermarkt“, sagt die Frau.

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Große Streitereien entzünden sich meistens an kleinen Dingen.
Z. B. an der Frage, was man am Wochenende essen wird …

Meiner Meinung nach sind Männer seltsame Menschen. Der Ausgewogenheit halber weise ich darauf hin, dass Männer das Gleiche von Frauen behaupten. Nehmen wir eine normale Situation an einem normalen Tag.

Es ist Samstag. Die (mir näher bekannte) Frau weist gegen 15 Uhr darauf hin, dass fürs Wochenende nicht genug Lebensmittel im Haus sind, um eine fünfköpfige Familie plus zwei Hunden, plus angekündigten weiteren Kindern und Verwandten, ausreichend zu ernähren. Der (mir näher bekannte) Mann sagt: „Kein Problem, wir finden schon was!“

Die Frau denkt kurz darüber nach, was mit „Wir finden schon was“ gemeint ist. Wir finden irgendwo im Haus Essen? Wir finden ein Lokal, in das wir gehen können? Wir finden eine liebe Familie, die uns aufnimmt und verköstigt? Ratlos schleudert sie dem „Wir-finden-schon-was“ also ein kühles „Was-heißt-das?“ entgegen (rein paartechnisch wäre es klüger ge-wesen, die Frage irgendwie wärmer zu formulieren).

Der Mann sagt: „Es ist eh noch alles Mögliche da. Wir basteln schon was zusammen.“ Die Frau denkt kurz darüber nach, was mit „alles Mögliche“ gemeint ist, und beschließt, in den Supermarkt zu fahren. „Ich fahr jetzt einkaufen“, sagt sie, „kommt wer mit?“ Die Hunde wären bereit und wedeln erfreut mit den Schwänzen. „Kannst du wenigstens mit den Hunden rausgehen?“, fragt die Frau. Ihr Tonfall ist um eine weitere Nuance abgekühlt. Interessant, wie sich die Stimme auf die Stimmung einstellt.

„Sei nicht immer so hektisch“, sagt der Mann. Ein Kind kommt in die Küche, reißt den Eiskasten auf, schaut. Macht den Eiskasten zu, schaut. „Was gibt’s zum Essen?“, fragt das Kind. „Wir holen dann was“, sagt der Mann. „Geh jetzt endlich mit den Hunden raus, statt die ganze Zeit vorm Handy zu sitzen.“ „Ich fahr jetzt einkaufen“, sagt die Frau. In ihrer Stimme schwingt jetzt emotionaler Nachdruck.

Es folgt eine kurze Diskussion darüber, wer wann in welchen Supermarkt fährt und vor allem WARUM. Wenig später finden sich Mann und Frau im Supermarkt ein. „Ich hol einmal Zitronen“, sagt der Mann und verschwindet. Nach geraumer Zeit kehrt er beschwingt mit einem Korb voller Bio-Zitronen, einer Karaffe Tartufo-Olivenöl, einer Packung Pu-Erh  original Teeblättern aus China, einer Packung getrockneter Goji-Beeren und drei Dosen Energy-Drinks, zuckerfrei, zurück. „Brauchen wir noch was?“, fragt der Mann. Die Frau hat inzwischen Milch, Brot, Käse, Wurst, Spülmittel, Klopapier, Hundefutter, Getränke und was zum Kochen gekauft und sagt: „Glaub nicht.“ „Warum bist du schon wieder so schlecht drauf?“, fragt der Mann. Die Frau erwähnt, dass sie erstens nicht schlecht drauf und zweitens nicht „schon wieder!“ ist. Es folgt eine Diskussion darüber, welches Leben anstrengender ist, wer generell mehr meckert und wer im Durchschnitt mehr schlechte Laune hat. Psychologen nennen das Opfer-Konkurrenz. In dieser Disziplin sind mein Mann und ich eiskalte Rivalen.

UND AUSSERDEM KAUF ICH IMMER DAS WICHTIGE EIN!

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