Loading…

Julia SchweigerYoga und Fitness Trainerin

Julia Schweiger | 09.03.2017

Die Sache mit den Zyklen.

Oder: Was ich diesen Winter gelernt habe.

Mittwoch Abend. Ein angenehm milder Tag war das heute. Nach dem laaaaangen, schönen - ja, ich fand ihn wirklich schön! - Winter spüre ich seit einiger Zeit so ein lustiges Gefühl...Der Frühling klopft an. Die Temperaturen hinken zwar meist noch etwas nach. Aber das Licht ist schon anders, die Natur zeigt bereits erste Anzeichen und die Vögel, ja die sind schon seit Wochen wieder zu hören.

Die Jahreszeiten. Ein vierteiliger Zyklus, den ich aus meiner Kindheit irgendwie 'geordneter' in Erinnerung habe, das heißt, die Jahreszeiten waren klarer unterscheidbar und jeweils zur 'richtigen' Zeit da. Oder? Erinnere ich mich da richtig? Heute wirkt dieser Zyklus erratischer. Statt Übergängen gibt es eher Übersprünge. Gerade vom Winter in den Sommer. Mal sehen, wie es heuer wird!

 

Aber bleiben wir noch kurz beim Winter. Ich habe ihn diesmal als außergewöhnlich kuschelig und gemütlich erlebt, habe die langen Abende genossen, sehr viel geschlafen und mir Ruhe gegönnt, wenn ich das Bedürfnis danach hatte. Meine Yogapraxis ist weniger körperlich und mehr meditativ geworden. Und ich habe kleine Rituale entwickelt wie z.B. ausgiebiges Zeitung lesen im Bett am Sonntag Vormittag, Lieblingsfilmeabende auch unter der Woche, spazieren gehen an der zugefrorenen Alten Donau (statt an ihr entlang zu laufen).... Und dann plötzlich hat das alles nicht mehr so recht gepasst. Es hat sich etwas verschoben, verändert. Wie wenn ein Haarschnitt, der vor zwei Tagen noch gepasst hat, plötzlich gaaaaar nicht mehr geht.

 

 

 

Bild lauren_yoga_headshot_(50_of_67).jpg
© Andrea Blakesberg photography

Es ist also wieder an der Zeit, Gewohntes zu verändern, abzulegen, etwas Neues auszuprobieren oder aus der alten Kiste auszupacken - wie meine Laufsachen. Ja, die haben zwischen Anfang Dezember und Anfang Februar Winterpause gemacht. Erst waren die Atemwege wochenlang etwas angeschlagen und ich wollte keine Erkältung riskieren. Dann war ich schon im tiefsten Hibernieren. Siehe oben. Und dann war da so viel Schnee, Eis und Matsch/Gatsch auf meiner Laufstrecke... Was nach Ausreden und Innerer-Schweinehund-Regentschaft klingen mag, hat sich stimmig angefühlt: Mein Energielevel war gut. Mein Körper hat zwar nach wie vor getanzt und Yoga gemacht, sich aber insgesamt deutlich weniger verausgabt. Zum Ausgleich hat er sich hin und wieder eine Massage gewünscht oder einen Nachmittag in Dampfbad und Sauna. Wunderbar.

 

 

Dann, vor zwei-drei Wochen wie gesagt dieses plötzliche innere Ziehen und Drängen. Und eines morgens habe ich schließlich freudig meine Laufsachen und -schuhe angezogen - und es war herrlich, nach der langen Pause wieder an der Alten Donau entlang zu laufen! Seither zieht es mich wieder öfter raus. Auch meine Yogapraxis ist wieder aktiver geworden.

 

 

Ich weiß, dass ich früher nicht so entspannt dem natürlichen Rhythmus meines Körpers, der eben auch von den Jahreszeiten beeinflusst wird, hätte folgen können. Zu sehr habe ich mich an Gewohntem fest gehalten: die gewohnte Intensität meiner Yoga-Asana-Praxis, die gewohnte Lauffrequenz. Manchmal ging es mir sehr gut damit, manchmal aber war es mühsam und ich war einfach nur erschöpft. Mein Energielevel war deutlich weniger ausgeglichen als heute. Ich musste erst lernen, mal loszulassen und kürzer zu treten, um dann wieder kraftvoll durchzustarten - und dabei vor allem den Signalen in meinem Köper zu vertrauen.

 

 

Als Frau steht mir hier ein ganz besonderer Zyklus unterstützend zur Seite. Nämlich mein Monatszyklus. Früher hat er mich ziemlich genervt, ist mir oft im Weg gestanden oder hat mir Dinge vermiest. Bis ich angefangen habe, auch hier besser hinzuhören und den Zyklus FÜR mich statt gegen mich arbeiten zu lassen. Er besteht aus verschiedenen Phasen, die, wenn ich sie bewusst nutze, eine deutliche Verbesserung meines Energiehaushalts mit sich bringen - denn ich verschwende weniger Energie auf Widerstand und Durchboxen und nutze die vorhandene Energie bewusster und daher auch effizienter, entsprechend ihrer Qualität.

 

 

Bild lauren_yoga_headshot_(35_of_67).jpg
© Andrea Blakesberg photography

Heute passe ich nicht nur mein Sport- und Bewegungsprogramm diesem Zyklus an, sondern setze auch beruflich entsprechende Schwerpunkte: Workshops, Vorträge oder Schnupperstunden für neue Kurse setze ich z.B. am liebsten in der Phase an, in der ich mich am kraftvollsten und energetischsten fühle, in der ich mich am besten auf andere einlassen kann und mir das Führen von Gruppen leicht und mit viel Freude von der Hand geht. Danach kommt erfahrungsgemäß meist eine ruhigere Phase der Integration, Review und Adaption, in der ich meine Außentermine etwas reduzieren oder auch mal 1-2 Tage frei nehme, gefolgt von der fokussierten Arbeit an neuen Ideen und Konzepten, wo Kooperationsgespräche und Teammeetings auch gut rein passen, bevor es dann wieder mehr an die aktive und zielgerichtete Umsetzung geht, und so weiter.

Beruflich ist das für mich als Selbständige sicher leichter umzusetzen als für so manch anderen in einem fixen Job mit rigideren Vorgaben. Aber schon ein paar kleine Adaptionen machen viel aus. Und auch das Anpassen der Freizeitaktivitäten an den Monatszyklus kann Entlastung bringen.

 

Abgesehen von Monatszyklen und Jahreszeiten gibt es natürlich noch eine Vielzahl weiterer Zyklen, die unser Leben beeinflussen und die man bewusst nutzen kann. Die Schwesternwisschenschaft von Yoga, der Ayurveda, beschäftigt sich besonders ausführlich damit. Ein ganzheitlicher Blick durch die Zyklen-Brille bringt da so manches Aha-Erlebnis und zahlt sich aus.

 

Eine befreundete Ärztin meinte vor kurzem mit einem Augenzwinkern, dass, wenn sie in die Politik ginge, eine ihrer ersten Forderungen wäre, Frauen während ihrer Tage frei zu geben! Davon sind wir zwar noch weit entfernt, aber ein bewussterer Umgang mit natürlichen Zyklen kann tatsächlich Kraftreserven schonen, Lebensqualität erhöhen und uns in einen Flow bringen, in dem die Dinge leichter von der Hand gehen.

 

 

Ein TIPP dazu: Shakti Rising - Yoga & Frausein. Ein Tagesworkshop, in dem unter anderem der bewusste Umgang mit dem weiblichen Zyklus thematisiert wird, inklusive wertvoller Tipps für den Alltag und Yoga-Übungsreihen für die verschiedenen Phasen.

 

 

Mehr zu Julia Schweiger und YOGAJU!

 

 

comments powered by Disqus