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Events | 24.07.2017

Judas Superstar

Selfies mit Jesus, Verräter im Glitzershirt: Werner Auer denkt die ohnehin schon kritische Auseinandersetzung mit dem Neuen Testament weiter und spickt Andrew Lloyd Webbers und Tim Rices Kultmusical "Jesus Christ Superstar" mit blinkenden Showeinlagen. Der Produktion gelingt eine großartige Premiere zum 30-jährigen Bestehen der Felsenbühne Staatz. Fantastisch sticht Tim Al-Windawe in der Rolle des Judas hervor.

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(© Harald Schillhammer)

Blunzengröstl & Jesus-Kult

Sensible KulturliebhaberInnen grämen sich nicht selten, wenn beim Sommertheater der Applaus für lukullische Häppchen und Feuerwerk jenen für die Vorstellung übertrumpft. Oder die ausgeführte Robe wichtiger wird, als das Spektakel auf der Bühne. In Staatz ist die Welt noch in Ordnung: Vor der Premiere holt sich der hungrige Gast per Essensbon sein Blunzengröstl, neben Krawattenträgern fühlt sich das Publikum selbst kurzärmelig wohl. Intendant Werner Auer und sein engagiertes Produktionsteam legen den Fokus unbeirrt auf das Werk, das zum Besten gegeben wird. Heuer, zum 30-jährigen Bestehen der Felsenbühne, steht "Jesus Christ Superstar" auf dem Programm. Und selbst bei der Premiere ging es – ganz ohne Festansprachen – sofort zur Sache.

Und zwar so richtig: Philipp Dietrich fährt als Jesus in der Limousine vor, bejubelt von Selfies knipsenden Fans. Andrew Lloyd Webbers und Tim Rices Meisterwerk setzt sich ohnehin schon kritisch mit dem Kult um Jesus auseinander. Dass der künstlerische Leiter Werner Auer auch alles andere als zimperlich mit dem Thema umgeht, entlockt bei aller Trauer und Leid um Jesus selbst so manche Lacher. Das relativ reduzierte Bühnenbild vor der spektakulären Felskulisse punktet mit leuchtenden Stufen, die revue- und showartige Einlagen amüsant untermalen.

 

 

Jesus Christ Superstar in der Felsenbühne Staatz
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Philipp Dietrich (© Rolf Bock)
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Der Judaskuss (© Rudolf Bock)
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Leidenschaftlich: Regina Mallinger als Maria Magdalena (© Harald Schillhammer)
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Tim Al-Windawe als Judas (© Rolf Bock)
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Intendant Werner Auer gibt Pilatus (© Rolf Bock)
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Bitter pointiert: Lawrence Karla als Showmaster/Herodes (© Rolf Bock)
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(© Harald Schillhammer)

Dass das Kultmusical auf Deutsch gesungen wird (Texte von Anja Hauptmann), ist ein Wagnis, tut der Sache aber gut. Pointiert, ganz ohne Blasphemie: Textzeilen wie "Lauf mal über den Pool", um die Jesus entgegengebrachte Skepsis zu persiflieren. Ensemble und Musiker – unter der Leitung von Gregor Sommer – geben eine mitreißende Premiere, zum Superstar avanciert in der Aufführung Tim Al-Windawe als Judas. So ertappt man sich im dramatischen Finale plötzlich freudig lauschend als der bereits tote "Verräter" vom Himmel aus doch noch mal gesanglich kräftig mitmischt.

Bis Mitte August wird "Jesus Christ Superstar" in Staatz noch aufgeführt; Tickets gibt es allerdings nur noch für die Zusatzvorstellung am 10. August 2017. 2018 steht "Les Misérables" auf dem Programm.

Weitere Fotos von der Premiere findet Ihr in unserer Fotogalerie.

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