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Events | 29.01.2018

Wer hat schuld?

"Smack Cam": Theater Jugendstil seziert mit genialer Inszenierung die Jagd nach Klicks und Likes.

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Packend: Susanne Preissl in "Smack Cam" (© Sophie Berger)

Noch eine Durchsage, dass man bitteschön die Handys abdrehen soll und dann Stille. So beginnt ein Theaterstück gewöhnlich. Theater Jugendstil verzichtet auf den Hinweis. Ein bisschen Piepsen würde vermutlich kaum das Kraut fett machen. Ja, manchmal sogar komplett untergehen, in den lebhaften Diskussionen, die im Publikum stattfinden. Das ist als Außenstehende gewöhnungsbedürftig. Zu Beginn. Dann kapiert man aber: Grandiose Leistung passiert da oben auf der Bühne, die vermag die Jugendlichen – diesmal waren es GymnasiastInnen aus Bruck an der Leitha – so zu fesseln, dass man ihr Atmen hört und dann wieder so zu bewegen, dass vielen Gedanken sofort Luft gemacht werden muss.

"Smack Cam", so lautet ein (Jugend)Phänomen, das einmal irgendwie mit den Hoppala-Videos verwandt war. Dann begann die YouTube-Generation zu inszenieren: Von hinten anschleichen, ein bissl Rasierschaum ins Gesicht, mitfilmen – fertig ist das "Lachervideo". Aus den harmlos scheinenden Scherzen wurden irgendwann gar Ohrfeigen und als mitgefilmt wurde, wie ein Mädchen in Wien krankenhausreif geprügelt wurde, wurde die Sache bitterer Ernst. Der Kriminalfall war quasi der Ausgangspunkt für die Geschichte, die der Schriftsteller und Psychotherapeut Raoul Biltgen als Vorlage für sein Theaterstück nahm.

Impressionen aus "Smack Cam"
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Überzeugend: Bernhard Georg Rusch und Sabrina Rupp (© Sophie Berger)
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(© Sophie Berger)
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(© Sophie Berger)
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(© Sophie Berger)

In Christian Himmelbauers Inszenierung beschreiben drei handelnde Figuren ihre Position, ihren Blick auf die Geschichte. Wer schuld hat, entscheidet das (junge!) Publikum. Dass sie abstimmen dürfen, erfahren sie zu Beginn; so wird zusätzlich Spannung aufgebaut. Obgleich das, was Susanne Preissl – sie gründete gemeinsam mit Sophie Berger Theater Jugendstil – Sabrina Rupp und Bernhard Gerog Rusch im Rampenlicht liefern, schon fesselnd genug ist. Zur Seite stehen ihnen dabei nur eine Kamera und eine Leinwand für Live-Einspielungen. Dabei gelingt dem Trio – auch Dank Biltgens glaubwürdigem Jugendslang – eine distanzlose Begegnung mit ihrem jungen Publikum. Ganz ohne Zeigefinger, maximal mit solide eingeflochtenen Botschaften: "Steht zu euch selbst, verzichtet auf Gewalt", formuliert das Ensemble konkret nach der gelungenen Premiere im Gespräch mit der NIEDERÖSTERREICHERIN. 

Theater Jugendstil ist in den kommenden Wochen vorrangig mit "Smack Cam"-Schulaufführungen auf Tour; die Wien-Premiere findet am 2. März 2018 im Theater Akzent statt. Infos unter www.jugendstil-theater.com

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