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Events | 27.03.2018

Die Pianistin in der Fabrik

Shooting in der Bösendorfer Manufaktur: als Einstimmung auf ein besonderes Konzert.

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(© Moritz Schell)

Nach Dienstschluss. Zutritt trotzdem erlaubt. Das Studium längst abgeschlossen, das ist keine Exkursion. Clara Frühstück wacht in ihrem Traum auf. Acht Stunden verbringt sie dort: in der Klaviermanufaktur Bösendorfer in Wiener Neustadt. Spielend, tanzend, für den Fotografen Moritz Schell posierend, „mit all den schönen Klavieren kuschelnd“, wie sie sagt. Seit sie drei Jahre alt ist, spielt die Burgenländerin Klavier. Sie studiert in Wien und Graz, gewinnt zahlreiche Wettbewerbe, gründet das „Trio Frühstück“, konzertiert international. Eine Musikerin in schlichtem Schwarz an den Tasten? War das Clara Frühstück, die sich seit jungen Jahren die Kleider selbst näht, überhaupt jemals?

Mit nackten Füßen. Lange bereitet sie sich auf die Arbeit mit dem Fotografen vor. „Moritz hat mich animiert nachzudenken, was ich will, wohin ich will“, schildert sie. Die Erinnerung an das Shooting in der Klavierfabrik pulsiert beim Interview noch in ihr, die Dankbarkeit für die Ausnahmegenehmigung von Bösendorfer ist groß.
Verlassen hat Clara Frühstück den musikalischen Weg niemals. Aber er ist zum mehrspurigen Highway mit unzählbaren Knotenpunkten geworden. „Ich wollte immer für alle Kunstrichtungen offen sein“, sagt sie, die schon lange mit nackten Füßen die Klavierpedale bedient. Als scharrte sie in den Startlöchern. Die Sehnsucht nach mehr, die Neugierde auf neue Abzweigungen war immer schon da; „seit drei Jahren ungefähr kann ich das auch benennen: Performance-Kunst“, sagt die Pianistin. Ihre bislang radikalste Wagnis: die Bühnenarbeit „Oh Magic“ mit dem Oberösterreicher Simon Mayer, bei der sie schließlich komplett nackt das Klavier zum Klingen bringt.

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BEFLÜGELT. Vor der Klaviermanufaktur

„Wenn du das machst,
was du spürst, dann ist
das richtig.“

 

Diesmal angezogen? Am 4. April macht Clara Frühstück nun „ihr Ding“ im Wiener MuTh, im Konzertsaal der Wiener Sängerknaben. „MELO, my LOVE“ ist der Titel ihrer Konzert-Performance. Musik aus verschiedenen Jahrhunderten flechtet sie zu einem Programm, das gewissermaßen eine Ode an den „Zauber der Melancholie“ werden soll. Den Bogen spannt sie von Bach bis zur Moderne und zu eigenen Bearbeitungen von „Ohrwürmern“ aus der Klassik, wie Auszüge aus Schuberts Winterreise oder Georg Friedrich Händels Arie „Lascia ch‘io pianga“.
„Es spielt keine Rolle, ob es nun Bach oder Cage ist – ich will Stimmungsbilder erzeugen. Wie kann ich mein Gefühl auf das Publikum übertragen? Emotionen auslösen, das sehe ich als meine Aufgabe.“
Das (Rampen-)Licht, das ihr Jan Maria Lukas „komponiert“, teilt sie mit Live-Elektroniker Tobias Leibetseder und Fritz Ostermayer, der mit ausgewählten Texten die Melancholie zelebriert; Christine Sbaschnigg zaubert Visuals hinzu.
Sitzen bleiben wird die Künstlerin auch diesmal nicht die ganze Zeit. „Ich bespiele das Klavier als ganzes Teil, bringe es mit verschiedenen Gegenständen und Körperteilen zum Klingen. Da gibt es so viele Möglichkeiten, es zu liebkosen“, sagt sie und wählt dieses Wort nicht etwa zufällig. Denn – und da stehe ihr Mann glücklicherweise hinter ihr – es sei eine Liebesbeziehung, die sie mit dem Klavier lebt. „Er ist mein schwarzer Hengst, das Tier, mit dem ich spiele.“ Abseits der poetischen Momente gebe es wie in anderen Beziehungen auch zwischendurch stille Stunden, wenn etwa das Erarbeiten eines Stückes sie enorm fordert …
Überwindung hatte ihr das Nacktsein bei „Oh Magic“ schon zunächst gekostet, verrät sie später. Doch es war genau diese innige Beziehung zum Klavier, die ihr den Schritt erleichterte. „Liebe macht man schließlich am besten nackt“, hatte ihr der Performance-Künstler Mayer gesagt. Den darauffolgenden „More than naked“-Workshop bei Doris Uhlich genoss Clara Frühstück in vollen Zügen; profitiert habe sie davon in vielerlei Hinsicht. „Ich fühle mich heute in meinem Körper wohler als je zuvor.“

MELO, my LOVE

Clara Frühstück: Konzert-Performance
Mit Clara Frühstück (Klavier), Tobias Leibetseder (Live-Elektronik), Christine Sbaschnigg (Visuals), Fritz Ostermayer liest, Jan Maria Lukas (Licht)

4. April 2018, 19:30 Uhr, MuTh (Konzertsaal der Wiener Sängerknaben), Am Augartenspitz 1, 1020 Wien
Karten: ab € 20, Kinder ab € 9
www.muth.at