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Events | 19.05.2015

Feuer und Flamme für das Festival in Melk

Internationale Barocktage: 22. bis 25. Mai – Star-Tenor und Intendant Michael Schade im Interview

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Star-Tenor Michael Schade (© photo-graphic-art)

Der deutsch-kanadische Sänger gilt seit den 1990er-Jahren als DER führende Mozart-Tenor.  „Prima la musica“ war eine oft zitierte Devise. Dass seine Musik ohne seine Familie mit acht Kindern nicht zu denken wäre, erzählt er uns – offen, witzig und charmant. Michael Schade eben.

Herr Kammersänger, wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich der Alten Musik zu widmen?
Die Alte Musik begleitet mich seit meinen Kinderschuhen. Schon als Chorknabe in der Schola Cantorum Saint Michael‘s Choir School von 1977 bis 1984 (als Sopran, Altus und blutjunger Tenor) war ich glücklich, jeden Sonntag für die Messen entweder am Samstagabend oder zur Hochmesse am Sonntag, bis gar zum Papstbesuch von Johannes Paul II mich mit Palestrina, William Byrd, Alligieri, Schütz, und Cavallieri wie den Gregorianischen Plain Chants zu beschäftigen und diese von Grund auf zu lernen, eine Fundgrube für Alte Musik. Begonnen habe ich dann als junger professioneller Tenor mit Tafelmusik in Toronto, in London und ganz Europa mit Revor Pinnock, John Elliot Gardiner und Roger Norrington – bis ich eines Tages Nikolaus Harnoncourt fand. Oder er mich? Schon mein Vater hörte Harnoncourt, Neville Marriner und Rilling Platten nebst Karajan. Also Alte Musik war immer „cool“ bei uns, weil sie was Neues war. Für mich ist die Wiege des Rock und Blues, des Jazz und Rock and Roll. Aus diesem Grund ist sie gar nicht „alt“, sondern eher hip und vor ihrer Zeit. All das hat mich geprägt. 

2014 haben Sie die künstlerische Leitung der Internationalen Barocktage Stift Melk übernommen. Was war für Sie hierfür ausschlaggebend?
Das Stift, die Wachau, die große Tradition des Festivals, die tolle Musik, die Fans die jedes Jahr kommen, die neuen Freunde, die wir gewonnen haben, die Symbiose, die wir mit großem Stolz zwischen dem Publikum, der Wachau, den Sponsoren und den Künstlern gefunden haben, sodass alle an einem Strick ziehen und uns diese Musik ermöglichen. Und natürlich das wunderbare Stift, das ein eigenes Drama darstellt, welches wir nur zu bespielen brauchen. Wer würde diesen Job nicht wollen?

Was inspiriert Sie zu der Programmierung dieses Festivals? 
Es ist die größte Freude der Welt, tolle Musiker nach Melk einzuladen, ob neu und aufstrebend oder etabliert, die uns dann mit ihren Talenten beglücken und inspirieren. Wenn man sich vorstellt, dass die Familie Harnoncourt, Maestri wie Daniel Harding, Matthew Halls, Pablo Heras Casado, Ruben Drubovski, Christoph Hammer, der Arnold Schoenberg Chor und der Concentus Musicus und Ensembles aus aller Welt zu uns kommen wollen, uns fragen, wann sie wiederkommen können und was sie dann und jetzt machen dürfen, ist das einfach ein Zeichen, welchen Stellenwert Melk für Österreich und die Wachau und in der ganzen Welt hat.

 

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Bei den Internationalen Barocktagen wird das ganze Areal des Stift Melk bespielt (© photo-graphic-art)

Dieses Jahr stehen die Barocktage unter dem Motto „Un Viaggio Musicale – Vom Reisen und Ankommen“. Wieso haben Sie sich gerade für dieses Thema entschieden?
Jeder Mensch darf reisen. Die Donau fließt vor dem Stift und die Bibliothek zeigt uns, wie wichtig dieser Ort  - als Ort des universellen Denkens - schon immer war. So viele kamen her, um sich oder etwas Bestimmtes zu finden. Jeder Musiker darf oder muss reisen. Jeder, der nach Melk kommt, bringt seine Geschichten mit, und jeder, der Melk verlässt, tut dies als besserer Mensch, als wie er angekommen ist. (Schade lächelnd: Try it yourself and you will know I am not kidding or making it up!). Reisen erzählen von Ankommen und Fernweh, von der Toleranz, Fuß zu fassen, einer neuen Welt, und vom Res­pekt, dem man dem neuen Ort der neuen Welt geben muss. Ich, als Kind des Globalismus und als Mann, der seine Familie in Kanada und in Österreich aufzieht, weiß, wie schwer und wunderbar das sein kann. Nun, so war es auch in der Barockzeit – nicht viel hat sich da geändert. Dieses Thema ist uns wichtig und wir werden damit eine Menge Freude haben und viel Neues entdecken.

Sie brennen wahrlich für das Festival in Melk. Was gibt Ihnen die Kraft für die vielen Aufgaben und Engagements, die Sie weltweit haben?
Familie, Musik, Musik und Familie. Auch die tollen Menschen der Wachau – wie gesagt, wer würde so etwas nicht machen wollen?

Was erhoffen Sie sich für das diesjährige Festival?
Dass wir unserem Publikum ein vielschichtiges international geprägtes Programm anbieten, welches durchdacht und clever ist, aber auch mit den größten Festivals der Welt mithalten kann. Dieses hat unser Publikum wie auch die Wa­chau verdient.

Welches ist heuer Ihr besonderes Highlight?
Das diesjährige Festival hat so viele Highlights, dass es für mich schwer ist, sie aufzuzählen – ich freue mich auf so vieles! Es ist jeder Tag eine Reise mit mindestens vier Highlights. Wir reisen von London über Helsinki nach Melk und Wien und nehmen noch ganz China und Marco Polo mit. Wir bieten alles, sogar eine Himmelsleiter und eine hausgemachte Oper, wie auch ein großes Oratorium welches uns in das gelobte Land führt. Wir haben den besten Wein als Barocktage-Wein, den man dort genießen oder mit nach Hause nehmen kann – und der Reinerlös kommt dem künstlerischen Programm der Barocktage zu Gute. 
Es gibt – mit Verlaub – eigentlich keinen Grund, nicht zu kommen. Also, reisen Sie her, hören sie gut zu, und lassen Sie sich einen Blick in den Himmel nicht nehmen. Wer weiß, sogar Marco Polo kam wieder … und Sie, hoffe ich, werden‘s auch tun! Viel Vergnügen und: Ach ja, bitte wieder gute Schuhe mitnehmen, wir bleiben dabei und bespielen das gesamte Stiftsareal.

Sie sind auf den Bühnen der ganz großen Opernhäuser dieser Welt aufgetreten. Welche Begegnung hat Sie nachhaltig geprägt?
Tamino vier Mal bei den Salzburger Festspielen, Tamino in der Metropolitan Opera, Tamino an der Scala, jeder Auftritt an der Wiener Staatsoper, Titus mit Nikolaus Harnoncourt, Das Labyrinth in Salzburg, Idomeneo im Theater an der Wien, oder Fidelio in Zürich und Wien, Rusalka in Toronto und Wien, Peter Grimes und Death in Venice in Hamburg, die Lustige Witwe in Paris und Don Giovanni in Tokyo und London.

 

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Ohne Familie kein Singen und keine Familie ohne Singen – das Motto von Michael Schade und seiner Patchwork-Family (© Brett Gundlock)

Sie sind mit Dee McKee verheiratet und Vater von acht Patchwork-Kindern. Wie ist eine so große Familie vereinbar mit Ihrem umtriebigen Sängerleben?
Ohne Familie kein Singen und keine Familie ohne Singen! Das wäre einfach unmöglich! Wir leben das Motto: „Go with the flow – stay organized call home“.

Können Sie Ihre Frau im Alltag entlasten?
Ich bin Meister im Geschirrspüler-Ausräumen, Aufräumen, Kofferpacken, Kochen und im normalen Leben. Also kein Problem! (Lacht)

Gemeinsam mit Ihrer damals fünfjährigen Tochter standen Sie 2012 in Salzburg auf der Bühne. Werden aus Ihrem Kindersegen musikalische Talente hervorgehen?
Wir haben einen Theaterstudierenden, zwei Geiger, einen Cellisten und eine, die das Klavier sehr liebt. Alle lieben die Künste, das ist wunderbar! Wer und ob eine/r singt, ist derzeit noch nicht klar. Es muss auch nicht sein, aber es wird bestimmt jemand singen in der Zukunft. 

Vom Reisen und Ankommen … Sind Sie angekommen?
Wer ankommt, muss aussteigen und schauen, ob er gerne da ist, wo er angekommen ist. Also „schaumamal“! Ich reise bestimmt noch ein langes Weilchen – weil‘s mir so gefällt.

 


Internationale Barocktage Stift Melk
22. bis 25. Mai 2015
Details: www.barocktagemelk.at

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