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Fashion | 09.06.2015

Echte Hingucker aus Naturmaterialien

Ein süßlicher Duft umweht die zauberhafte Werkstatt von Christoph Stiegler in Öhling bei Amstetten. Der Pfeifenmacher kreiert Unikatschmuck aus Naturmaterialien. Wir durften ihm über die Schulter blicken.

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Stieglers Schmuckstücke sind Unikate – inklusive detailverliebter Verpackungen (© Emmerich Mädl)

Eigentlich begegnet man Pfeifenrauchern schon nicht alle Tage. Noch seltener ist freilich das Vergnügen, einen Pfeifenmacher zu treffen. Wie könnte also die Chance stehen, einen Handwerker zu entdecken, der eine Tabakpfeife in Raubfischform zu kreieren vermag? In Niederösterreich sehr gut. In Öhling bei Amstetten findet sich in einem zauberhaften Lerchenholzhaus, das im Sommer von einer rosa Clematis nahezu künstlerisch umarmt wird, eine ganz ungewöhnliche Werkstatt. Ebendort konnte sich ein passionierter Haitaucher aus Frankreich seinen sehnlichsten Wunsch nach einer Pfeife in Raubfischform erfüllen. Doch Christoph Stiegler lässt noch ganz andere Visionen wahr werden: Er zaubert Unikatschmuck aus edlen Naturmaterialien. Da finden sich Ringe aus Bruyère (Wurzelmaserholz, Holz der Baumheide), da begegnen einander eine rote Schaumkoralle und eine 5000 Jahre alte, subfossile Mooreiche aus der Donau, um zu einem Collier zu verschmelzen und ebenso Steinen aus der Ybbs verhilft er zu ungeahntem Ruhm...

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Zwei Passionen: In seinem Lerchenholzhaus in Öhling kreiert Stiegler Schmuck und ungewöhnliche Pfeifen (© Emmerich Mädl)

Der heute 39-Jährige lernte an der Kunsthandwerkfachschule Steyr Metall- und Schmuckdesign sowie Gold- und Silberschmied; im zweiten Ausbildungsweg kamen Graveur, Gürtler und Stallschneider hinzu. Vor elf Jahren wurde Stiegler Zwillingspapa – von Xaver und Magdalena; ein paar Jahre später verwirklichte er in Öhling seinen Traum vom Haus – inklusive der Werkstatt. Ebendort widmet er sich seither seiner Passion für das Pfeifen- bzw. Schmuckfertigen und gibt sein Können auch in Workshops weiter. „Oft kommen auch Pärchen: Während ich ihm zeige, wie das Pfeifenmachen geht, lernt sie, Schmuck herzustellen“, beschreibt er. Auf Wunsch freilich auch umgekehrt, doch bislang war dies kaum der Fall.

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Echte Perle trifft Baumheide (© Emmerich Mädl)

Die Schätze der Natur

Widmet sich Christoph Stiegler gerade dem Designen von Schmuck, lässt er sich vor allem von der Natur leiten. „Ich verwende Bernstein, Horn, Mammutelfenbein, Bruyère und eigentlich alles, was ich in die Finger kriege, das beispielsweise eine interessante Maserung oder ein schönes Muster hergibt“, beschreibt er. So warten etwa ein Stück von einem rund 130 Jahre alten Buxbaum aus dem Mostviertel auf schöpferische Geistesblitze oder auch Nüsse und Samen, die er im Wald entdeckt. Zu seinen Favoriten für Schmuck zählt Horn, woraus auch richtig große und dennoch leichte Eyecatcher entstehen können. „Ich kann damit auch ganz dünne Stücke machen, es lässt sich gut schleifen und polieren und ist zudem sehr biegsam“, schildert er. Mit nicht minder großer Akribie bettet er seinen Unikatschmuck in die Verpackungen, die schließlich eine Karte aus handgeschöpftem Papier inklusive Wachssiegel enthalten.

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Collier aus Horn (© Emmerich Mädl)

Die traurige Kiste

So prachtvoll die Schätze der Natur, so lebendig und unberechenbar können die Eigenschaften ihrer Materialien sein. Da kann ein schon seit Stunden bearbeiteter Ring aus Horn plötzlich einen Riss zum Vorschein bringen. Noch ärger aber, wenn sich im Holz für eine Pfeife eine „Überraschung“ versteckt hält. „Dieses wertvolle Plateauholz (Randbereich der Wurzelknolle der Baumheide, Anm.) beziehe ich meist aus Italien. Für eine Pfeife muss es zunächstviele Jahre trocknen und dann kann es passieren, dass ich es schon 20 Stunden bearbeite und plötzlich auf Verwachsungen, Risse oder einen Stein treffe“, erklärt der Fachmann. Und dann? „Dafür gibt es nur noch meine traurige Kiste“, zeigt er auf einen gut bestückten Korb.

20 bis 100 Stunden verbringt er in der meditativen Stille oder bei inspirierender Musik mit einer einzigen Pfeife, ehe sie fertig wird. Frei nach dem Motto „der Kunde ist König“, versucht Christoph Stiegler alles möglich zu machen; schon seine Skizzen sind detailverliebt gefertigte, kleine Kunstwerke. Eine Schwedin etwa überraschte ihren Mann nach 30 Ehejahren dank Stiegler mit einer herzförmigen Pfeife. Der Wiener Schriftsteller Peter Wallner wollte, dass seine Pfeife beim Lauschen einer Death Metal-CD entsteht und ein Straußenzüchter wünschte sich eine Pfeife aus dem Oberschenkelhalsknochen seines verstorbenen Lieblingsvogels.

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Liebe geht durch die Pfeife: Eine Schwedin ließ für ihren Mann eine Pfeife in Herzform machen (© Emmerich Mädl)

Ein Exot bei der Lebenshilfe

Ob er davon leben kann? Vielleicht könnte er es, gibt es doch kaum mehr als eine Handvoll Pfeifenmacher in Österreich – und in Kombination mit Schmuckdesign ist er ohnehin ein Exot. Seine Antwort? Muss er nicht, will er nicht.

Die ersten Jahre als Familie, das neue Lebenskapitel als Papa hatten Christoph Stiegler verändert. Er kündigte seinen Job in einem renommierten Unternehmen in Wien und beschritt einen neuen Weg. Heute ist erhauptberuflich Betreuer im künstlerischen Bereichbei der Lebenshilfe NÖ in Aschbach und arbeitet mit geistig und mehrfach behinderten Erwachsenen. Stolz ist er auf regelmäßige Präsentationen „seiner“ Künstler in Österreich und Deutschland. „Da geht es keineswegs um Ankäufe oder Ausstellungen aus Mitleid“, betont Christoph Stiegler. „In diesen Menschen steckt unglaubliche Kreativität – und meine Mission besteht darin, die Künstler in ihrem Schaffen zu begleiten bzw. zu unterstützen und eben dieses Potenzial behutsam aus ihnen herauszukitzeln...“


Infos:

Christoph Stiegler

AtelierWerkstatt, Graben 29,

3362 Öhling

Tel.: 0664/307 3360

www.c-stiegler.at (Habt Geduld, laut des nicht gerade marketingverliebten Kreativen soll die Website demnächst fertig gestellt werden.)

Christoph Stieglers Pfeifen findet man auch im Tabakspezialitätengeschäft Mohilla (Kohlmarkt 6, 1010 Wien), den Schmuck gibt es im Atelier (Termine auf Anfrage) und im Safran-i in St. Pölten www.safran-i.at

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