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Fashion | 16.02.2017

Erotik trifft Feminismus

Was ein Priester mit „Wäschewarenerzeugung“ am Hut hat und wie eine Hainburgerin in die Welt hinauszieht, um mit ihrer Lingerie für Furore zu sorgen. Wir besuchten Daniela Paradeis in ihrem winzigen Atelier, wo jedes einzelne Stück von Hand genäht wird.

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One-Woman-Show: Die Hainburgerin Daniela Paradeis in ihrem zauberhaften Atelier

Im Atelier der Designerin

Fotos: Rudolf Paradeis Photography, Sandra Maria Photo, Daniela Paradeis

Der Herr hatte sich in das matt schimmernde Höschen aus synthetischem Leder verliebt. Nicht nur für seine Freundin. Er ließ sogleich auch für sich ein Modell anfertigen.

Ein anderer orderte – während er zärtlich die Hand seiner seit vielen Jahren Angebeteten hielt – „einen Strapsgürtel wie damals“.

All diese intimen Geheimnisse sind bei Daniela Paradeis bestens aufgehoben; Diskretion ist für die 30-Jährige selbstverständlich. Die gebürtige Hainburgerin ist Designerin und – laut Gewerbeschein – „Wäschewarenerzeugerin“. Was sich auf dem Papier haarsträubend trocken anhört, versprüht in ihrem winzigen Wiener Atelier erotische Funken: Zu „Midnight Lace“ und „Bang Bang, Bombshell!“ gesellt sich etwa „I Feel Betta With Lametta“ aus edler Vorarlberger Spitze. Und dennoch: „Es geht nicht immer um Erotik“, will die sympathische Kreative betont wissen. „Ich habe da auch einen feministischen Zugang.“

Da lehne ich mich sogleich interessiert in ihrer Couch zurück – und vergesse mich bis knapp zur Geisterstunde in einem fesselnden Gespräch um Dessous, die aufregen, stützen und schützen dürfen ...

 

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In die Wiege gelegt

Mit dem Rattern der Nähmaschine ist Daniela Paradeis groß geworden. Ihre Uroma hat genäht, ihre Oma und auch ihre Mama. Es war ihrer aller große Berufung, allerdings ohne es zum Beruf zu machen. Sie selbst versuchte sich im Kindergartenalter erstmals an der Nähmaschine. Es war aber eher ein mechanisch-experimentelles Kennenlernen, das das gute Stück prompt in die Reparatur brachte. Doch schon bald zauberte sie ihr erstes Barbie-Minikleid – und ihre Laufbahn war quasi besiegelt: „Ich wollte von Kindheit an Designerin werden.“ Nur wenn es weder mit der freischaffenden Karriere noch mit einer als Angestellte geklappt hätte, wäre die leidenschaftliche Veganerin bereit für Plan C: eine Lamafarm – etwa für therapeutische Zwecke.

Die kuscheligen Vierbeiner könnten allerdings bis zu Daniela Paradeis’ Pension warten müssen. Vor einem Jahr erst selbstständig gemacht, geht es stetig bergauf. Ihre Maßschneiderei für Unterwäsche floriert genauso wie ihr Webshop mit den selbst entworfenen und gefertigten Kollektionen. Bestellungen kommen aus der ganzen Welt: Aus Australien ebenso wie aus den USA; erst kürzlich hat eine DJane aus New York bei ihr geordert. Zudem hängen ihre Lingerie-Modelle mit den pointiert klingenden Namen in einer feinen Boutique in Paris – ums Eck beim Moulin Rouge.

Guter Draht nach oben. Vom Himmel fiel der Erfolg freilich nicht. Wenngleich Daniela Paradeis in einem katholischen Priester aus dem Familienkreis einen engagierten Förderer fand: „Daniela, als Designerin brauchst du ein Lookbook“, sprach der Kirchenmann und sponserte ebensolches, um der jungen Verwandtschaft unter die Arme zu greifen. Dankbar nahm diese den Katalog-Support an, hatte sie zwischenzeitlich gar mehrere Jobs gleichzeitig, um ihren Traum verwirklichen zu können.

Von unvergesslich kreativen Jahren an der HTL in der Wiener Spengergasse schwärmt die Hainburgerin, wo sie mit dem Schwerpunkt Textildesign maturierte. Anschließend absolvierte sie das Mode-Kolleg Herbststraße und studierte zunächst auch Kunstgeschichte. Nach arbeitsreichen Jahren in beinahe sämtlichen Zweigen der Modebranche hatte sich die zielstrebige Dame ein Jahr Bildungskarenz genommen: für den „Master in Fashion Design Advanced“ in Florenz. „Das ist die beste Schule dieser Art in Italien und die viertbeste weltweit; nur elf Bewerber wurden in meinem Jahrgang genommen – und ich war dabei“, ist sie stolz. Danach folgte noch eine Art Praktikum zwecks Finetuning der Laufbahn beim namhaften Dessous-Label „Bordelle“ in London. Parallel dazu entstanden bereits erste Kollektionen für ihren Start ...

Bild Bang Bang Bombshell3_(c)Sand.jpg

Keine Brust ist komisch

Und was es nun mit dem eingangs erwähnten feministischen Zugang auf sich hat? „Viele Frauen sind verzweifelt, wenn sie zu mir kommen, weil sie in den klassischen Geschäften nichts Passendes finden. Die einen haben einen engen Unterbrustumfang und einen großen Busen, andere einen breiten Rücken und einen kleinen Busen. Viele finden sich bei den großen Ketten keinen BH und sagen dann, sie hätten eine ,komische Brust‘; die gibt es aber nicht. Keine Brust ist komisch“, betont die Expertin, die es versteht, Frauen – und seit Kurzem gibt es auch eine Männerkollektion – sich in ihrer Haut wohlfühlen zu lassen. Erst kürzlich zauberte sie einer erfolgreichen Geschäftsfrau einen speziell mit Schaumstoff gepolsterten BH. „Dabei ging es gar nicht um die Brustgröße, der BH wurde für die extrem schlanke Frau eine Art Schutz, ein Support. Es war unglaublich: Es veränderte sich mit dem BH sofort ihre ganze Haltung“, staunt sie selbst.

Die feinen Stücke fordern natürlich auch Geduld und detailverliebtes Geschick; einen halben Tag arbeitet die Kreative im Schnitt an einem einzigen BH aus ihrer Kollektion, an ihrem „Sig­nature“-Body näht sie gute zwölf Stunden. Aber: „Ich habe Kundinnen, die einen BH von mir besitzen und den jeden Tag tragen, weil sie sich darin so wohlfühlen.“ Das Feine daran: Die meisten ihrer Modelle kommen – natürlich mit dem Handwaschprogramm – auch in der Waschmaschine klar.

 

Info: www.danielaparadeis.com (Webshop), www.lingeriemanufaktur.at (Maßschneiderei)

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