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Fashion | 24.03.2017

Mantelmania!

Ihre Mäntel können viel mehr, als vor Wind und Wetter schützen: Zehn Kreative und ihre Arbeit inspirierten die junge Melkerin Pia Bauernberger zu ihrer Kollektion „A Character‘s Coat“.

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Lieber mehr Fantasie in Form und Funktion, als in Farben: Designerin Pia Bauernberger

Verblüffende Fähigkeiten

Mit Farben hält sich Pia Bauernberger zurück. Das Schrille ist nicht das Ihre. Ihre Modelle vermögen mit verblüffenden „Fähigkeiten“ aufzutrumpfen. Da sind etwa Mäntel mit eingenähten „Rucksäcken“,  mit besonders stark reflektierenden Applikationen oder solche, die ein abschnallbares Teil aus Leder haben. „A Character‘s Coat“ nennt die 27-jährige Designerin jene Kollektion, die ihren Anfang als Kunstprojekt nahm. Viel Applaus gab es in den vergangenen Monaten dafür: etwa bei der „Salone del Mobile“ in Mailand, beim „Take Festival“ in Wien oder bei der „Design Week“ in der Bundeshauptstadt. Bei Letzterer trafen im Rahmen einer Ausstellung ihre Mäntel auf die Werke und Installationen jener Kreativen, die sie zu ihren Modellen inspiriert hatten. Federführend beim Konzept war sie selbst.

 

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SIEGRUN APPELT. Lichtkünstlerin (© Marlena König)

Von Melk nach London

Pia Bauernberger wuchs mit zwei Brüdern und ihren Eltern in Melk auf. Ein Praktikum bei Marios Schwab hatte sie nach ihrer Ausbildung an der Modeschule Hetzendorf nach London geführt. Ebendort reifte die Idee zu „A Character‘s Coat“ in ihr heran. Wieder daheim, suchte sie sich zehn kreative Menschen; sie bzw. ihr Alltag waren Ausgangspunkt für die Kollektion. Ein Beispiel: „Siegrun Appelt ist Lichtkünstlerin. Sie ist bei jedem Wetter draußen, arbeitet mit Scheinwerfern, die sehr heiß werden“, schildert die Designerin. Bislang war die Kreative stets im Zwiebellook unterwegs, es sollte nun ein Allrounder entstehen, den sie ebenso in ihrer Freizeit einsetzen kann. Lange hat Pia Bauernberger für dieses Stück recherchiert, machte sich schlau bei Materialien, die Feuerwehr und Militär verwenden. Schließlich entstand ein Mantel aus wasserabweisendem, flammhemmendem Stoff inklusive stark reflektierender Aufnäher.

Die Künstlerin Anna Peyrer wiederum trägt fortan einen Leinenmantel inklusive einer eingenähten, fein gepolsterten Rückentasche, „weil sie viel mit dem Rad unterwegs ist“, schildert die Designerin. Enorm robuste Modelle schuf sie für Mischer‘Traxler; das auf Produktdesign spezialisierte Studio in Wien arbeitet oft mit Holz und Metall, ihre Mäntel sind aus Denim und verfügen über Details, die mit Gummi beschichtet wurden. „Das war ein richtiges Experiment“, schmunzelt sie.

 

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LAUREN COOKE HEIRS. Goldschmiedin (© Marlena König)

Für MopedfahrerInnen

All diese Mäntel waren quasi Prototypen; mittlerweile werden sie auch für Privatkunden angefertigt und individualisiert. Ein wetterfestes Stück wünschte sich etwa eine Immobilienmaklerin, „weil sie bei jedem Wetter mit dem Moped unterwegs ist“.

„A Character‘s Coat“ war wie ein Startschuss für die junge Melkerin, die sich 2015 selbstständig gemacht hat. Zu den Mänteln gesellten sich seither unter anderem Blusen und Hosen in fließenden Schnitten. Der Schnelllebigkeit der Mode kann Pia Bauernberger nicht viel abgewinnen. „Es findet schon ein kleiner Umbruch statt, Mode nachhaltiger zu produzieren. Eine Kollektion nach der anderen zu schaffen, das wollte ich nie. Ich will auch künftig kleine Kollektionen machen – mit tragbaren, eher zeitlosen Modellen.“ 

Zudem arbeitet sie nun wieder an einem Großauftrag: Bei einem Wettbewerb der Wirtschaftskammer ging sie als Siegerin hervor und ist nun für die Hostessbekleidung für die EXPO 2017 verantwortlich.

Selbstständig wollte sich Pia Bauernberger übrigens nie machen, gibt sie heute mit einem Augenzwinkern zu. „Anfangs war ich wohl auch zu gutmütig, nahm viele Aufträge an, die sich nachher nicht als das Wahre herausstellten. Heute kann ich auch Nein sagen“, verrät die junge Frau, die mit ihrem Freund in einer Wiener Wohnung lebt, die gleichsam auch Atelier ist. Und die Auftragslage? „Ich kann mich nicht beklagen.“

http://piabauernberger.com

 

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FABIENNE FELTUS. Grafikdesignerin (© Marlena König)
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