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Lifestyle | 05.10.2016

Fitnesscenter Wachau

Der junge Biologe Clemens G. Arvay weiß um die heilenden Kräfte des Waldes. „Die Mitgliedschaft in der Natur resultiert aus unserer Evolution und nicht aus teuren Mitgliedsbeiträgen“, sagt er – und ersetzt das Fitness-Studio mit dem Waldboden seiner Heimat, der Wachau.

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EINBEINSTAND. Die beste Übung, um das Gleichgewicht zu trainieren (© Michael Baumgartner)

Kommt Ihnen das bekannt vor? Sie hetzen vom Büro ins Auto, stehen womöglich noch im Stau und kommen dann entnervt im Fitness-Studio an. Muskelkraft und Ausdauer trainieren ist angesagt, das eigene schlechte Gewissen zu beruhigen und sich einreden, doch etwas für die Gesundheit zu tun. Stopp, sagt der fünfunddreißigjährige Biologe und beweist in seinen Büchern, dass der Wald der natürlichste, effizienteste Trainingsraum, ein perfekter Physiotherapeut und verläss-licher Psychotherapeut ist. „An diese gesundheitsfördernde Wirkung der Natur kommt kein Fitness-Studio heran.“ Ein ganzes Gesundheits-Package also – zum Nulltarif.

 

Liebeserklärung an die Wachau.

„Diese landschaftlich reizvolle Region an der Donau stellt mein derzeitiges Zuhause dar. Hier gibt es ausgedehnte Waldgebiete, urtümliche Weingärten und die Wachauer Marille, die an unseren sonnendurchfluteten Berghängen besonders süß wird. Die steil zur Donau abfallenden Felsen gehören zu den wichtigsten Fixpunkten meines Sportlebens, weil sie mich zu Höchstleistungen beim Geländelauf motivieren,“ ist Arvy begeistert und erzählt, wie sehr ihn Laufbahn und Hometrainer langweilten. Sein Fitness-Studio sind der unebene Waldboden mit seinen knorrigen alten Eichen und Kiefern und die schroffen Felsen. Sein Fitness-Studio ist voll von Abenteuern – zwölf Monate im Jahr. „Aus der Perspektive eines Vogels blicke ich auf die imposante Donau, die sich wie eine gigantische Schlange durch die Landschaft windet und im Laufe der Erdgeschichte an beiden Ufern sogar Sandstrände entstehen ließ. Mein Outdoor-Fitness-Studio im Sommer“. Der Biologe schwärmt vom Schwimmen, Laufen, Balancieren, Klettern, von seinen Kraftübungen an umgestürzten Baumstämmen und vom „Waldlufttrinken“. „Liegende Baumstämme eignen sich hervorragend für Kraftübungen, für Ausdauertraining und für Geschicklichkeitsübungen, die Freude bereiten.“

 

Fitnesscenter Wachau
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HOPSERLAUF. Mariya und Clemens bringen Schwung in den Wald. (© Michael Baumgartner)
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SCHRÄGES RUDERN Eine leichte Variante zu klassischen Klimmzügen. (© Michael Baumgartner)
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HÄNGENDES KNIEHEBEN. Ein intensives Training für die Bauchmuskulatur. (© Michael Baumgartner)

Heilung für Körper, Geist und Seele.

Die würzige Waldluft ist nicht nur reich an Sauerstoff und schadstoffarm, sie enthält auch heilende bioaktive Substanzen. Es sind die „Heilungscodes der Natur“, wie Arvay in seinem letzten Buch schreibt. Bereits ein einziger Tag im Wald oder ein ausgedehnter Spaziergang durch den Wald erhöht die Anzahl der natürlichen Killerzellen im Blut um durchschnittlich 40 Prozent im Vergleich zum Stadtleben. Diese Wirkung hält sieben Tage an. Nach Kurzurlauben von zwei Tagen in einem Waldgebiet stellten Waldmediziner bei Stadtmenschen sogar einen Anstieg der Killerzellen von mehr als 50 Prozent fest, wobei die Wirkung des Waldes dann 30 Tage anhält. Der bekannteste Waldmediziner der Erde, Prof. Qing Li aus Japan, empfiehlt daher, zwei Tage pro Monat in bewaldeten Gebieten zu verbringen, um den positiven Biophilia-Effekt auf unser Immunsystem dauerhaft aufrechtzuerhalten. Internationale wissenschaftliche Untersuchungen belegen zunehmend, dass die heilende Wirkung des Waldes auf den Menschen bis jetzt unterschätzt wurde.

„Das Biophilia-Training ist der Weg zur Traumfigur und zur sportlichen Höchstleistung mithilfe des Waldes.“

- Clemens G. Arvay

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Clemens G. Arvay studierte Biologie und Angewandte Pflanzenwissenschaften in Wien und Graz. Er ist Mitglied im österreichischen Forum Wissenschaft & Umwelt sowie Autor mehrerer Bestseller und lebt in Krems an der Donau. (© Michael Baumgartner)

5 Fragen an Clemens G. Arvay

Clemens, Sie leben in Krems an der Donau – welche Vorzüge bietet die Wachau für unser persönliches Fitness-Training?

Mit ihren steilen Felshängen bietet die Wachau ein ideales Terrain für vielfältige Bewegungen. Mein Geländelauf führt mich durch Wälder und Weingärten bis hinauf auf die schroffen Felsen. Ich muss zahlreiche Hindernisse überwinden und fordere dabei alle Muskelpartien meines Körpers. Bäume, die an den Hängen wachsen, eignen sich ideal für Klimmzüge, zum Hochziehen und für Stemmübungen.

Was ist eigentlich der Biophilia–Effekt?

Der Biophilia-Effekt ist die heilende und gesundheitsfördernde Wirkung der Natur auf unseren Körper und unsere Psyche. Dabei geht es nicht um natürliche Arzneistoffe, sondern um den Kontakt zur Natur und den Aufenthalt in Wäldern. Allein durch den Anblick der Bäume wird der Parasympathikus, unser Ruhe-Nerv, aktiviert. Wir kommen in den Entspannungsmodus und setzen die Heilungsmechanismen unseres Körpers in Kraft. In Japan ist der Aufenthalt im Wald Teil der traditionellen Medizin. Shinrin Yoku, das Waldbaden, ist eine anerkannte Therapie des bekanntesten Waldmediziners der Welt, Qing Li, Professor an der Nippon Medical School in Tokio, die Wirkung ist wissenschaftlich belegt. Waldluft ist aber nicht nur ein natürlicher Heiltrank, sondern sie verjüngt auch – bis zu sieben Jahren.

Und das dazugehörende Training?

Das Biophilia-Training ist eine ganzkörperliche und zum Teil unbewusste Form der Interaktion mit unseren natürlichen Lebensräumen. Schon gewöhnliche Spaziergänge im Wald haben deutlich messbare psychologische Wirkungen auf uns. Depressive Verstimmungen oder Störungen, Wut, Erschöpfung sowie Verwirrungszustände gehen im Wald stark zurück. Die Faszination der Natur stärkt uns auch mental, denn in der Natur nehmen wir Abstand von sozialen Problemen. Und man kann diese Eindrücke noch toppen. Denn durch sportliche Aktivitäten im Wald lässt sich die Aufnahme der Terpene noch fördern, da wir beim Training besonders viel davon aufnehmen. 

Sie schreiben über „Sport mit Baum-Aroma“, über die Waldluft als einen „Cocktail aus sekundären Pflanzenstoffen“, über die Terpene. Was können diese bewirken? 

Bäume, Sträucher und andere Pflanzen tauschen untereinander Botschaften aus. Im Wald informieren Sie sich zum Beispiel gegenseitig über angreifende Schädlinge, damit sie kollektiv ihr Immunsystem hochfahren können. Die Sprache der Bäume erfolgt über chemische Substanzen, die Bedeutungen tragen. Sie sind gasförmig in der Waldluft vorhanden und gehören in die Stoffgruppe der Terpene. Studien haben gezeigt, dass, wenn wir die Baum-Terpene einatmen, auch unser eigenes Immunsystem mit einer deutlichen Steigerung der Abwehrkräfte reagiert. Zusätzlich zu den natürlichen Killerzellen fördern die Terpene der Bäume auch die Entstehung der drei wichtigsten Anti-Krebs-Proteine, mit denen unser Körper Tumorzellen und solche, die es noch werden könnten, vergiftet. Waldluft enthält also antikarzinogene Substanzen, die uns vor Krankheit schützen und die körpereigenen Mechanismen der Krebsbekämpfung stärken. 

Müssen wir Menschen wieder mehr „zurück zur Natur“, um unsere Gesundheit zu bewahren?

Wir Menschen sind ja Naturwesen. Wir sind in einem jahrmillionenlangen Evolutionsprozess aus der Natur entstanden. Die Trennung eines Naturwesens von der Natur macht zwangsläufig krank. Ich bin davon überzeugt, dass eine Rückbesinnung auf unsere natürlichen Lebensräume und mehr intakte Ökosysteme in unserer Lebenswelt zu einem Rückgang der Zivilisationserkrankungen führen würden.

 

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Clemens G. Arvay & Mariya Beer ISBN: 978-3990011607; € 22
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