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Lifestyle | 10.05.2016

"Hippie im Herzen, Widerborst im Geiste"

Schauspielerin Barbara Kaudelka outet sich als Ex-Heiratsmuffel ;)

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(© Petra Kamenar / marry&me)

"Unter der Haub'n"

Sonntagnachmittag. Es duftet nach Guglhupf. Ich sitze bei meiner Mama in der Küche, wir trinken Kaffee aus den großen Batman-Häferln und lachen herzhaft. Ich genieße die Zeit mit ihr.

 „Jetzt sind‘s bald zwei Jahre, gell? Dass wir dich unter die Haub‘n bringen, damit hamma nicht mehr gerechnet“, feixt Mamatschi liebevoll. Glauben Sie mir: ich auch nicht. Warum? Lassen Sie mich Ihnen eine kleine Geschichte erzählen:

Stellen Sie sich eine Endzwanzigerin vor, die bei Liebesfilmen schnarcht statt schmachtet. Die bei Mendelsson-Bartholdys Hochzeitsmarsch Herz-rythmusstörungen bekommt und weiße Spitze eher mit Omamas Tischdeckerl als mit Brautkleidern assoziiert. Den nackerten Ringfinger im Wappen, das Zepter der wilden Ehe schwingend: Barbara Kaudelka, Königin der Hochzeitsmuffel. 

Heiraten kam für mich nicht in Frage. Erstens aus Ermangelung des potenziellen Prinzgemahls,  zweitens aus Prinzip. Kaum etwas ließ mich so mit den Augen rollen wie die „bemascherlte Hochzeitsthematik“. Ich war allergisch auf diesen überkandidelten Aufwand: Alles muss perfekt sein, wie durch Photoshop gejagt – Deko, Täubchen, Outfit, Torte und nicht zu vergessen der „wedding body“. To-do-Listen gehören abgearbeitet, mindestens fünf Kilos runtergeschwitzt. Der Druck, der durch die Konzentration auf einen einzigen Tag entsteht, ist enorm, die Mutation zum „Bridezilla“ quasi vorprogrammiert. Kurz: Das Gesamtpaket Heiraten stand stellvertretend für einen nervenaufreibenden Vorbereitungsmarathon, an dessen Ziellinie ein stressiger, durchgetakteter Tag wartete, von dem das Brautpaar am allerwenigsten hatte. Nix da! Lieben würde ich meinen Lebensmenschen auch ohne Trauschein. Hippie im Herzen und Widerborst im Geiste, wehrte ich mich vehement gegen diesen ganzen Schnickschnack. 

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(© Petra Kamenar / marry&me)

Womit ich natürlich nicht gerechnet hatte, war dieser Mann, der mich mit seiner Gelassenheit eines Besseren belehren und das hochzeitsmuffelige Königreich auf den Kopf stellen sollte. Und der mich erkennen ließ, dass einzig und allein zwei Liebende entscheiden, wie ihr „großer Tag“ aussieht. Und wissen Sie, was ich Sturschädel beinahe verpasst hätte?

Vor knapp zwei Jahren, zwischen Drehtagen und Theaterpremiere, wurden mein „Mr. Right“ und ich in Weißenkirchen in der Wachau getraut. An dem Ort, an dem auch meine Mutter, mit Blumenkranz im Haar, meinem Vater das Jawort gegeben hat. Geheiratet wurde barfuß im Gras, unter einem Marillenbaum. Ohne großes Tamtam, ohne weiße Täubchen, ohne Stress. Und ohne Wespentaille. Im Kreise unserer engsten Freunde haben wir eine, wie ich immer gerne sage, „Sommerparty mit ein bisserl Heiraten“ geschmissen. Unser Dresscode lautete „worin auch immer ihr euch wohlfühlt“ und mein Make-up hab ich mir selbst gepinselt. Es war ein wunderschönes, grundentspanntes Fest der Liebe und ich bin dankbar, dass ich es erleben durfte.

Als könne sie meine Gedanken lesen, nimmt meine Mutter meine Hand und schenkt mir ihr wärmstes Lächeln. „Ich hab‘s schon gewusst, bevor du‘s selber gemerkt hast!“, zwinkert sie mir verschmitzt zu. Gemeint ist natürlich Mr. Right, der in der Zwischenzeit eine steile Karriere als Mr. heißgeliebter Schwiegersohn hingelegt hat. 

Und die Moral von der Geschicht: Schau über den Tellerand, hör auf deine Mama und sag niemals nie! ;-)

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