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Lifestyle | 16.06.2015

Flirten als Karrierekick?

„Glass ceiling“ nennt man das soziologische Phänomen in den USA. Jene „Gläserne Decke“, die von uns Frauen - obwohl unsichtbar – im Laufe unserer Karriere immer noch als massiv wahrgenommen wird. Dass es aber durchaus unsere weiblichen Tugenden sind, die uns helfen können, diese Barriere zu überwinden hat Roman Braun in eine Formel gegossen: E=LxK2.

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(© iStock by Getty)

Welche Vorteile hat weibliche Kommunikation? 
Roman Braun: Frauen kommunizieren durch ihre soziale Kompetenz einfach besser. Sie schätzen Situationen schneller ein und versuchen ihren Gesprächspartner zu verstehen. Männer tun das nicht, weil es ihnen weniger wichtig ist. Sie verharren eher auf ihren Argumenten und lassen sich deswegen seltener auf den anderen ein. Frauen haben einfach ein gutes Gespür für unterschiedliche Situationen. Im Beruf spielen sie diese natürlich geübte soziale Kompetenz aus und setzen sie ein.

Sind Frauen sensibler?
Roman Braun: Mit Sicherheit, sie nehmen sich Konflikte zu Herzen. Doch sie haben dabei die Gabe, nie zu vergessen, was eigentlich im Vordergrund steht und bleiben auf die eigentliche Sache fokussiert, wie beispielsweise auf ein wichtiges Meeting. Bei Männern ist das anders. Konflikte hindern sie und diese enden dann in einem Machtkampf – also in einem „Schwanzvergleich“. Dieses Alphagehabe kann man ihnen aber nicht als schlechte Eigenschaft vorwerfen, denn es ist evolutionär bedingt. 

Welche Kommunikationsstrategien empfehlen Sie Frauen im Berufsleben?
Roman Braun: Mit einigen kleinen Übungen kann man schon bald die Körpersprache seines Gegenübers lesen. Ein Tipp für den Anfang ist das Paraphrasieren. Ich wiederhole in meinen Worten das, was mein Gesprächspartner gerade gesagt hat. Ich kopiere es nicht, sondern bringe es in die Sprache, die in unserer Mitte liegt. Damit zeige ich, dass ich ihm Zeit gebe, ihm zuhöre und ihn wertschätze. Er hat automatisch das Gefühl, verstanden zu werden. Menschen stehen einfach darauf, wenn ihnen Zeit und Verständnis entgegengebracht werden.

About: Roman Braun

Roman Braun M.Ed. ist Bestseller-Autor, Mastercoach der ICF (International Coach Federation), war der erste zertifizierte NLP-Mastertrainer in Österreich und ist anerkannter Lebens- und Sozialberater. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet er mit Spitzensportlern, Führungskräften und Spitzenpolitikern. Seit mehreren Jahren beschäftigt sich Roman Braun vor allem mit der Positiven Psychologie und der internationalen Glücksforschung. Sein Background: Studium der Psychologie, Philosophie und Pädagogik, sowie Lebens- und Berufserfahrung als Unternehmer. Seine Weiterbildungen absolvierte er u.a. bei: Paul Watzlawick, Bert Hellinger, Steve de Shazer, Viktor Frankl, Richard Bandler, John Grinder, Wyatt Woodsmall u.v.m. Aus dem Spitzensport hat Roman Braun u.a. mit Schi-Star Rainer Schönfelder, Box-Weltmeister Sven Ottke, dem österr. Rudernationalteam u.v.m. gearbeitet.

 

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Flirten als Erfolgsstrategie? "Warum nicht?", fragt Roman Braun. "Erfolgreich ist eine Frau, wenn sie ihre weiblichen Kernkompetenzen wie Empathie oder Einfühlungsvermögen kultiviert hat, sich diese im Business-Alltag aber nicht anmerken lässt." (© Trinergy International)

Uns Frauen wird ja eine gewisse „Redefreudigkeit“ unterstellt. Plaudern wir uns sogar die Karriereleiter hoch?
Ja, das tun Frauen tatsächlich. Beim „Hochreden“ muss man aber zwei verschiedene Arten unterscheiden: Zum einen gibt es Menschen, die sich verbiegen. Sie sagen schlichtweg das, was andere hören wollen. Sie verstellen und verleugnen sich und kommunizieren ständig mit einem gewissen Erwartungsdruck. Ganz nach dem Motto: „Wenn ich das zu dem sage, bekomme ich das.“ Natürlich ist diese Art des Hochredens suboptimal, weil man sich auf keinen Fall verstellen oder behaupten sollte, man könne etwas, was man gar nicht kann. Schon gar nicht sollte man vorgeben jemand zu sein, der man nicht ist. Lügen ist einfach das Dümmste, vor allem, wenn es um den Job geht. Diese negative Art von Hochreden ist so wie das Hochschlafen. Sobald man in einem Schuldverhältnis zu jemandem steht, macht man sich abhängig – die Führungskraft, die sich darauf einlässt, wird dadurch immer mächtiger und kann das auch ausspielen.  

Aber dieses „Hochreden“ kann auch positiv verstanden werden …
Ja, denn Hochreden kann auch das Hineinfühlen in den Gesprächspartner sein, das Hören, was zwischen den Zeilen gemeint ist. Essentiell ist es, beim effektiven Hochreden zu wissen, auf welcher Beziehungsebene man sich befindet. Ist es eher eine amikale oder eine sehr professionellen Ebene? Nur wenn das vorab geklärt ist, kann ein gutes Gespräch entstehen. Eine gute Kommunikatorin leis­tet eigentlich Übersetzungsarbeit, sie versteht die Signale des anderen, die er mit Mimik, Gestik und Ton sendet, erwidert sie und reagiert darauf.

Sind männliche Vorgesetzte unserem charmant-weiblichen Kommunikationstrieb gegenüber empfänglich?
(Lächelt) Ja, natürlich, das sind sie. Das hat auch einen ganz einfachen Grund: Wenn Frauen flirten, erhöht sich in den Augen eines Mannes automatisch ihre Kompetenz. Flirten Männer im beruflichen Kontext, passiert das Gegenteil. Also, meine Damen: Haltloses Flirten ist angesagt. Außerdem gibt es Studien, die zeigen, dass Teams effektiver sind, wenn Frauen dabei sind – das haben einige Vorgesetzte bereits erkannt.

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Frauen sind empathisch und gleichzeitig fokussiert: Damit liegen sie bei Männern im klaren Vorteil (© Shutterstock)

Also Flirten als Erfolgsstrategie?
Ja, warum nicht? Erfolgreich ist eine Frau dann, wenn sie all ihre weiblichen Kernkompetenzen wie Empathie oder Einfühlungsvermögen kultiviert hat, sich diese im Business-Alltag aber nicht anmerken lässt. Versuchen Sie also, Ihre weiblichen Ressourcen in männliche zu „übersetzen“. 

Haben schlechte Kommunikatorinnen unbedeutendere Karrieren?
Ja, und sie ärgern sich fürchterlich darüber. Sie sind deswegen frustriert und spiegeln ihren Frust im Gespräch mit einem anderen wider. 

Welche Tipps und Tricks können Sie uns nennen, um die „Gläserne Decke“ endlich zu durchbrechen?
Meine Formel ist: E=LxK² – Erfolg ist gleich Leistung mal Kommunikation zum Quadrat. Es wäre doch schade, wenn ich etwas Wichtiges, Tolles leiste und das dann nicht mitteile. Das ist wie bei einem Auto. Ich brauche PS und Reifen. Habe ich keine PS, taugen die besten, neuesten Reifen nichts, habe ich keine Reifen, kann ich auch 200 PS haben und würde trotzdem nicht von der Stelle kommen. Man muss einfach wissen, wie man seine Leistung präsentiert.
Natürlich spielt auch die Fachkompetenz eine große Rolle. Ihr überzuordnen ist aber eindeutig die soziale Kompetenz und die Kommunikationsfähigkeit. Wenn man beruflichen Erfolg haben will, darf man nicht stillstehen. Man muss ständig bereit sein, weiter zu lernen, mehr zu erfahren und größer zu werden.

 

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