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Lifestyle | 27.07.2015

Lieber Ziegenkäse- oder Hollunderblütensorbet?

Eiskalter Siegeszug: Die Blochbergers begannen als Bio-Landwirte in der Buckligen Welt und erobern nun alias „Eis-Greissler“ Wien, Wiener Neustadt, Graz und Klagenfurt. Wir besuchten das kreative Ehepaar daheim und recherchierten das Geheimnis des coolen Erfolgs.

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Coole Sache. Die Fantasie der Blochbergers scheint schier unendlich. Sie zaubern Ribisel- und Ziegenkäsesorbet, Bärlauch-Zitronen und sogar Biereis (© Eis-Greissler)

Schon einmal ein Ziegenkäsesorbet oder ein Bärlauch-Zitroneneis genossen? Oder sind Sie eher der bodenständige Schoko-Vanille-Typ vielleicht mit gewagten Exkursen in Richtung Ribisel, Himbeere oder gar Hollunderblüte? Wie wär’s mal mit dem richtig großen Abenteuer? Einmal im Jahr, und das auch nur für kurze Zeit, bietet der „Eis-Greissler“ sogar Pferdeäpfel zum Schlecken an. Stirnfalten schonen: Hinter dem exotischen Namen verbergen sich köstliche Schoko-Nougatknödel verfeinert mit Kürbiskernsplittern und Kakao. Die Spanische Hofreitschule mit Direktorin Elisabeth Gürtler an der Spitze hatte um die extravagante Kreation gebeten – für die alljährliche Fête Impériale. Freilich war es kein Zufall, dass man sich an die Bio-Landwirte aus der Buckligen Welt wandte. Mit ungewöhnlichen Eissorten ließen Andrea und Georg Blochberger von Beginn an aufhorchen. „Wir wollten nicht mit den Italienern in Konkurrenz gehen; wir wollten etwas Eigenes schaffen“, sagen sie. Und zwar mit den besten Zutaten der Saison und aus der Region.

In der Wiener Rotenturmstraße eröffneten sie 2011 ihren ersten puristischen Salon: „Wir bieten ausschließlich Eis an – das ist Teil unseres Konzepts“, betont Andrea Blochberger. Heute betreibt das Ehepaar Filialen in Wien, Wiener Neustadt, Graz und Klagenfurt. Wir besuchten das sympathische Ehepaar ebendort, wo alles begann, wo bis dato sämtliche Eissorten entstehen und wo sich ihre 45 Milchkühe heimisch fühlen: in Königsegg, Krumbach.

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In dieser Idylle entstehen regelmäßig neue Eissorten (© Viktória Kery-Erdélyi)

Trendsetter mit Vegan-Eis

Wir ziehen abermals die Lehre: Nicht aufs Navi achten, besser die Augen aufmachen. Denn dann kann man den Biobauernhof der Blochbergers kaum verfehlen. Neben ihrem Wohnhaus und ihrem Stall, den sie Ende der 1990er Jahre gebaut hatten, fügt sich ein großes, komplett neues Gebäude mit viel Holz in die saftig grüne Hügellandschaft ein. Ein richtiger Hingucker mit blauweißem Karomuster. Ebendort findet die köstliche Produktion statt, schon bald soll auch ein Shop mit Eis und den dazu passenden Köstlichkeiten aus der Region zum Verkauf angeboten werden.

In fünfter oder gar sechster Generation ist Georg Blochberger Landwirt; auch seine Vorfahren hielten Milchkühe. Er selbst entschied sich sofort für Bio. „Schon in den 90er Jahren fand ich: Es kann nicht in die Masse gehen, es muss die Qualität zählen“, erklärt der 44-jährige Familienvater. Zum Stall ließ er bald mit seiner Frau eine Molkerei errichten. Das Paar spezialisierte sich auf Joghurt und belieferte zahlreiche Schulen und Kindergärten. „Doch da war Jahr für Jahr das Sommerloch, wenn die Ferien kamen“, beschreibt Andrea. 2004 beginnt das Paar mit Eis zu experimentieren. Neben Kids und Landwirtschaft belegen sie Kurse, machen Schulungen im In- und Ausland, klappern internationale Messen und Events von Nah und Fern ab. Den Ton geben bereits bei ihren ersten coolen Gehversuchen die Zutaten an. Diese Philosophie behielten sie bis heute bei: Äpfel, Birnen, Ribisel und Co. aus der Region, Schokolade von Zotter, erlesene Kräuter von Sonnentor, Mohn aus dem Waldviertel, Kürbiskerne... Die erste Geige spielt die Milch nicht zwingend. „Unsere Fruchtsorten haben wir von Anfang an mit hohem Fruchtanteil und ohne Milch gemacht, also vegan. Und auch Eier verwenden wir nur selten – derzeit nur für Vanille und Butterkekseis“, erklärt Andrea Blochberger.

An die 150 Eissorten wurden insgesamt bis dato in Königsegg kreiert, gute 50 schaffen es regelmäßig in die Vitrinen. Zwischen 18 und 24 je nach Saison wechselnden Variationen gustieren die Gäste in den "Eis-Greissler"-Filialen. So wurde etwa zum Muttertag mit Blüten verfeinert, zum Vatertag hingegen gar mit Pfeffer gewürzt.

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Andrea und Georg Blochberger (© Eis-Greissler)

Haubenküche & Tiergarten

Viel Arbeit steckte im eisigen Start. Nicht selten packten die Blochbergers die mobile Eisvitrine ein, um auf diversen Veranstaltungen auf sich aufmerksam zu machen. Oft mit Feuereifer dabei: Sohn Fabian – er ist heute 16 – und Tochter Leonie, 13. Den ersten großen Pluspunkt fuhren die Neo-Eismacher ein, als sie den Auftrag bekamen, den Tiergarten Schönbrunn mit ihren süßen, aber auch pikanten Köstlichkeiten regelmäßig zu beliefern. „Als wir dort unser Eis präsentieren wollten, war der Auftrag quasi schon vergeben“, erinnert sich Georg Blochberger zurück. „Doch mit jedem Löffel, den unser Geschäftspartner verkostete, wurde er freundlicher“, fügt seine Frau mit einem Augenzwinkern hinzu. Zwei Tage später hatten sie den Auftrag in der Tasche – die Partnerschaft hält auch weiterhin.

Daraufhin streckt das engagierte Duo weiter seine Fühler in die Bundeshauptstadt aus. „2010 fanden wir in der Rotenturmstraße ein ideales Geschäft. Doch es war bereits Mai. Wir standen vor der Entscheidung: Sofort eröffnen oder warten, für den leeren Shop Miete bezahlen und über den Winter ein gescheites Konzept erarbeiten“, verrät Andrea Blochberger. Das Paar entscheidet sich für Zweiteres, zieht eine Grafikdesignerin hinzu. So entsteht der sympathische, reduzierte Landhausstil mit blauweißen Karos, der sich durch Website, Folder und Shops zieht. Den Rest allerdings managen die Bio-Landwirte selbst – ohne PR- oder Werbe-Agentur. Als sie ihre Filiale schließlich im darauf folgenden April eröffnen, schlägt ihr Konzept mit großem Getöse ein: „Der Erfolg war überwältigend“, schwärmen sie. „Wir hatten nicht damit gerechnet, hatten überall zu wenig Leute und nicht genügend Rohstoffe vorrätig. Gute zwei Monate hindurch arbeiteten wir fast rund um die Uhr. Manchmal gingen wir um vier schlafen und standen um sechs Uhr auf.“

Parallel dazu wuchs auch stetig die „Familie“ der Gastronomen, die auf das Eis aus Krumbach schworen: Zu den namhaften zählen etwa das renommierte Wirtshaus Triad, das Ritz-Carlton oder das Hotel Imperial in Wien.

Die fantastischen Kreationen sprachen sich auch schnell unter den Veranstaltern herum. Neben den „Pferdeäpfeln“ entstanden bald Biereis und Sturmsorbet; beim Surf Worldcup in Podersdorf wurden Strong Apple und Cuba Libre zum Schlecken gereicht.

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Schicke Shops: Bereits in Wien, Wiener Neustadt, Graz und Klagenfurt (© Eis-Greissler)

Eis-Greissler goes Streichelzoo

Erst kurz vor Weihnachten verabschiedet sich der „Eis-Greissler“ in die Winterpause – um sich dann dem Christbaumgeschäft zu widmen. Und trotzdem bleibt dem Paar noch Zeit für ehrgeizige Zukunftsvisionen: Zunächst will man dem regelmäßigen Wunsch nach Firmenbesichtigungen mit einem Filmvorführraum und Schauproduktion nachkommen. In einer zweiten Etappe möchte die Familie ihre Eis-Welt mit einem Streichelzoo erweitern und für Familien öffnen. „Und im Idealfall bleiben die Menschen dann hier, genießen auch noch ein Mittagessen in der Region“, sagt Georg Blochberger.

Infos:

http://www.eis-greissler.at

Regelmäßige News über neue Sorten findet ihr auf der Facebook-Site der Eis-Greissler!

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(© Eis-Greissler)
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