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Lifestyle | 21.07.2015

Ein Thriller wie ein "Fruchtsirup"

Bernhard Aichner wird als der momentan international erfolgreichste österreichische Autor gehandelt. Nach seinem Bestseller „Totenfrau“ erscheint am 17. August sein Thriller „Totenhaus“. Ein Gespräch über die Ähnlichkeit zum Plot des Films „Shining“ und sein Vorbild Sylvester Stallone.

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Bernhard Aichner (© fotowerk aichner)

Mit seinem untrüglichen Gespür für relevante Stoffe und Plots führt Bernhard Aichner die Bestatterin Brünhilde Blum in die zweite Runde seiner als Trilogie angelegten Thriller-Reihe. Während die bereits über 100.000 Mal im deutschsprachigen Raum verkaufte „Totenfrau“ im Verlauf des Jahres 2015 mit großer Medienaufmerksamkeit von Norwegen bis Italien, von den USA bis Australien veröffentlicht und von englischen Produzenten verfilmt wird, muss sich Blum in „Totenhaus“ einer harten Realität stellen…

Was passiert?
Nachdem auf einem Innsbrucker Friedhof bei einer Exhumierung zwei Köpfe und vier Beine gefunden werden, muss Brünhilde Blum vor der Polizei fliehen und ihre beiden Kinder zurücklassen. Nur sie kommt als Täterin in Frage, die Bestatterin, die den Sarg damals geschlossen hat. Ihre DNA wird auf den Leichenteilen gefunden, es gibt kein Zurück mehr für Blum, ein ganzes Land sucht nach ihr, ihre Situation scheint ausweglos. Durch Zufall findet sie aber Zuflucht in einem seit zwanzig Jahren leerstehenden Luxushotel. Das Totenhaus, ein vermeintliches Paradies, wird für sie zum goldenen Käfig, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt.

Herr Aichner, wer „Totenfrau“ gelesen hat, fragt sich wahrscheinlich, wie es dem Autor gelingen kann, da noch was draufzusetzen. Die Geschichte war bis zum Ende erzählt, was gibt es noch zu sagen?
Eine ganze Menge. Ich habe die Geschichte einer aufregenden Frau erzählt, diese Geschichte geht aber noch weiter. Blum hat Leichen im Keller, und diese Leichen werden in „Totenhaus“ ausgegraben. Zum Leidwesen meiner Heldin, aber zur Freude meiner LeserInnen.

Braucht man Vorwissen für die Lektüre von „Totenhaus“?
Nein. Es ist mir wichtig, dass jeder Teil der Trilogie als eigenständiges Buch gelesen werden kann. Ich habe einen Thriller geschrieben, eine neue Geschichte mit einer vertrauten Heldin und einer hübschen Ansammlung von schrägen, abgründigen Nebenfiguren. Angesiedelt ist die Handlung in einem verlassenen Luxushotel, „Shining“ von Stephen King hat mich ins­piriert. Ein ganz schön verrücktes Buch ist das geworden.

 

About

Bernhard Aichner, geboren 1972, lebt als Schriftsteller und Fotograf in Innsbruck. Er schreibt Romane, Hörspiele und Theaterstücke. Für seine Arbeit wurde er mit mehreren Literaturpreisen und Stipendien ausgezeichnet, zuletzt mit dem Burgdorfer Krimipreis 2014.
Nach den Spannungsromanen „Nur Blau“ und „Schnee kommt“ erschienen die drei Max Broll-Krimis „Die Schöne und der Tod“ (2010), „Für immer tot“ (2011) und „Leichenspiele“ (2012). Sein Thriller „Totenfrau“ stand in Österreich und Deutschland monatelang auf den Bestsellerlisten. Der Roman wurde bisher in 15 Länder verkauft, u.a. auch in die USA und England. Eine Verfilmung ist in Vorbereitung. 

 

Bild Cover TOTENHAUS_Bernhard Aichner_300dpi.jpg
Totenhaus Hardcover, 448 Seiten, btb & Hörverlag, ISBN: 978-3-442-75442-7; € 20,60 http://www.randomhouse.de/Buch/Totenhaus-Thriller/Bernhard-Aichner/e449798.rhd

Auffällig ist Ihr reduzierter, knapper Stil – wie kam es dazu?
Ich erinnere mich, dass ich vor ein paar Jahren in einem Skizzenbuch notierte: „Buch wie Film!“ Ich wollte ein Buch schreiben, das wie ein Film funktioniert, in dem ein einziger präziser Satz eine ganze Szene entstehen lässt. Das bedeutet natürlich: reduzieren, reduzieren, reduzieren, bis nur noch das Nötigste übrig ist. Mein Stil hat sich in den letzten Jahren so entwickelt. Das ist mein Ton. Meine Sprache, die mir liegt. Wenn man es laut liest, ist es auch rhythmisch und hat einen gewissen Drive. Ich möchte meine Geschichten mit meiner Sprache erzählen. 

Wie möchten Sie, dass Ihre Bücher gelesen werden?
Was ich schreibe, ist ein hochkonzentriertes Destillat. Oder wie Fruchtsirup: Die LeserInnen geben so viel Wasser dazu, wie sie selber möchten und brauchen. Das beste Beispiel dafür ist, dass niemand weiß, wie Blum ausschaut. Es heißt nur einmal, sie sei „schön“. Aber es steht nirgends, ob sie groß oder klein, schwarz oder blond, dick oder dünn ist – alles ist möglich. Und jeder macht sich sein eigenes Bild. Neulich hat mir jemand erzählt, wie er sich Blum vorstellt, und fragte dann: „Und wie schaut sie wirklich aus?“ Ich musste ehrlich zugeben, dass ich es nicht weiß. 

Haben Sie literarische Vorbilder?
Auf die Gefahr hin, dass ich ausgelacht werde, ich sage es trotzdem: Sylvester Stallone war mein Vorbild. Warum? Er hatte 1976 das Drehbuch für „Rocky“ geschrieben und große Produktionsfirmen wollten es ihm abkaufen. Aber Stallone hat darauf bestanden, die Hauptrolle zu spielen. Sie boten ihm Unsummen, aber er hat Nein gesagt. Nicht ohne mich. Ich bin zwar nur Bodybuilder und war Darsteller in einem Softporno, aber ich will die Hauptrolle in meinem Film spielen. Dieser Mann hatte also einen Traum. Und egal, was er später für Mist gemacht hat, er glaubte an seinen Traum. Und er wurde belohnt dafür. Zehn Oskar-Nominierungen für „Rocky“ 1977. Unter anderem auch für die beste Hauptrolle und das Drehbuch. Das gefiel mir sehr. Drei Oskars gab es letztendlich für den Film. Regie, Schnitt und bester Film. Stallone hat eine Weltkarriere gestartet. Im Film wie in der Wirklichkeit war es ein Underdog, der ganz nach oben kam. Dafür habe ich ihn bewundert, das hat mich immer angespornt. Das wollte ich auch.

Termine der Buchpräsentationen & Lesungen 2015: 

http://www.bernhard-aichner.at/index.php/de/termine 

 

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