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Lifestyle | 29.06.2015

Die Mutter der Knöpfe

Wie aus einer Herzensangelegenheit eine florierende One-Woman-Show wurde: Verena Tschugguel aus Klosterneuburg vertreibt alias „KindsKnopf“ vegane Tragetücher. Für eine Auflage mit zehn Stück bewerben sich mehr als 800 Eltern.

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Retrochic: Schöne Farben, coole Muster, die Zwerge nahe am Herzen – und stets die Hände frei: mit Verenas KindsKnöpfen (© Caro Strasnik)

Größer und unbeschreiblich und unvergleichbar wird die Liebe sowieso. Dass die Funken sofort sprühen, dafür gibt es keine Garantie. Bei Verena Tschugguel und Emma war es Liebe auf den ersten Blick. Als dieses kleine Baby Mamas Körper verließ, „war ich durch den Oxytocinschub (u. a. Wehen- und Stillhormon, Anm.) wie weggeschossen. Ich wollte sie nicht mehr loslassen“, lacht die Klosterneuburgerin. „Bereits am zweiten Tag schlummerte Emma dicht an mir im Tragetuch, ab diesem Tag lebte sie fast darin“, schildert die heute 35-Jährige. Es war eine instinktive Sehnsucht, Emma auch nach der Geburt herznah zu tragen. Dass sie damit bereits den Grundstein zu einem innerhalb kürzester Zeit florierenden Unternehmen setzte, war damals freilich nicht klar.

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KNOPF IM KINDSKNOPF. Knöpfe nennt Verena Tschugguel von Geburt an ihre Minis Emma und Mavie. Das Tragen im Tuch ist für sie von Beginn an eine echte Herzensangelegenheit (© Caro Strasnik)

Tragen als Lebensphilosophie

Die frischgebackene Mama beginnt, sich mit dem Thema Tragen im Tuch eingehend zu beschäftigen. „Babys sind Traglinge, das ist Fakt. Sie können nicht wie Nestflüchter von Geburt an Laufen und sind davon abhängig, von ihrer Mutter überall hin mitgenommen zu werden. Wenn man sich Affenjungen und Babys ansieht, sieht man, dass beide die Anhock-Spreizhaltung einnehmen, sobald man sie hochnimmt. Instinktiv ziehen sie die Beinchen hoch und winkeln die Knie an – das ist die ideale Tragestellung. Babys können sich nicht wie etwa Affen festkrallen und hier kommt das Tuch zum Einsatz. Darin nimmt dich das Kind mit allen Sinnen wahr, es hört deine Stimme und deinen Herzschlag wie im Bauch, es fühlt sich rundum geborgen und sicher. Du kannst ein Tuch ergonomisch binden, es passt sich dem Körper an, beugt Kreuzschmerzen vor – und es fördert die Eltern-Kind-Beziehung“, sprudeln die positiven Effekte aus Verena Tschugguel nur so heraus. Das Thema wird ihr solch ein Herzensanliegen, dass sie kurzerhand beschließt, an der „Die Trageschule® Österreich und Schweiz“ eine Ausbildung zu machen. Schließlich besucht sie mit einem 3,5 Kilo-Dummy im Gepäck Mamis und Schwangere, um sie in die Geheimnisse des richtigen Tragens mit Tuch einzuweihen. „Es gab für mich nichts Schöneres, als zu sehen wie ein weinendes Baby plötzlich im Tuch bei Mama immer ruhiger wird und schließlich zufrieden einschläft“, schwärmt sie.

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(© Caro Strasnik)

Die Geburt von Mavie & KindsKnopf

Vor rund einem Jahr kommt Mavie auf die Welt – und Verenas Job beim Radio steht an der Kippe. „Ich musste erstmalig die Erfahrung machen, wie hart die Berufswelt zu Müttern ist. Dabei war ich nicht `mal meinem Chef böse, es ist wohl eine gesellschaftliche Frage“, beschreibt sie. Doch sofort beginnt es in ihr zu arbeiten. „Es ist doch immer so: Schließt sich eine Tür, öffnet sich eine andere. Man muss sich nur trauen durchzugehen! Im Grunde meines Herzens wusste ich schon lange, was ich tun will: Tragetücher designen und herstellen, das ist es, wofür mein Herz seit der Geburt meiner ersten Tochter schlägt“, sagt Verena Tschugguel.

Nach so manchen schlaflosen Nächten – schließlich musste auch Geld investiert werden – begann die zweifache Mama an Designs zu tüfteln, kreierte mit einer befreundeten Grafikerin Logo und Layout und klapperte regional mehr als ein Dutzend Webereien ab...

Vergangenen Winter startete sie mit „KindsKnopf“ durch: mit super weichen Tragetüchern aus 100 Prozent Biomaterial – zu jeweils unterschiedlichen Mischungen aus Baumwolle, Leinen, Tencel, Viskose und vielen anderen pflanzlichen Fasern. Für den Kuschelfaktor sollte kein Tier leiden müssen, das war schnell klar. Die Produktion aus hochwertigen Materialien in Österreich, die kleinen Auflagen von jeweils rund zehn Stück haben ihren Preis: rund 150 bis 350 Euro kostet ein „KindsKnopf“. Und dennoch: Die schicken Tücher in Retrodesigns wurden sofort zum Renner.  Mittlerweile ist die Nachfrage so groß, dass sie das Kaufrecht für ein Tuch via Facebook-Seite verlost. Mehr als 800 Bewerbungen „flattern“ für eine Auflage mit zehn Stück bei ihr ein. „Ich bin überwältigt! Und das Schönste bleiben für mich die Fotos von freudestrahlenden Müttern und ihren Babys im Tuch – das entschädigt für viele durchwachte, durchgearbeitete Nächte.“

Derzeit tüftelt die Neo-Unternehmerin bereits an einer nicht minder coolen Tasche sowie an einem Standardsortiment an Tüchern.

Info:

www.kindsknopf.at

Facebook/KindsKnopf

www.trageschule.at

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