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Lifestyle | 01.04.2015

Kompositionen in Grün

Kulinarischer Geheimtipp in der Buckligen Welt: Gerda Stocker zaubert Suppen, Nudeln und Süßes aus und mit Wildkräutern – und all das im geschichtsträchtigen Gasthaus, das einst ihr Urgroßvater gebaut hatte.

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Genuss pur: In Gerda Stockers bezaubernd urigem Lokal mit wunderbaren Zutaten aus der Buckligen Welt (© Emmerich Mädl)

Die Dielen knarren unter den Schritten, das Feuer im Ofen tanzt knisternd dazu. Auf dem Tisch stehen zwei mit Früchten und Kräutern verzierte Tassen, ein aromatisch-würziger Duft kitzelt die Nase. Daneben ein bauchiger Krug mit Limonade, auf deren Oberfläche schwimmende Gänseblümchen den Frühling begrüßen. Schon die Idylle der Buckligen Welt auf der Fahrt lässt jeglichen Stress abschütteln. Und in Gerda Stockers Gasthaus legt sich endgültig der Schalter um – und jeder Augenblick wird zum Genuss.

Die Hausherrin selbst fügt sich in das bezaubernde Gesamtbild: Sie ist zurückhaltend, aber herzlich, ihre Antworten sind kurz, ihre Bewegungen in der Küche dafür umso detailverliebt. Und das ohne Schnörkel. „Ich nehme regionale und saisonale Produkte – und will sie auch so präsentieren wie sie sind.“

Anno 1930 ist das Gasthaus in Lembach 11, knapp fünf Kilometer von Kirchschlag entfernt, errichtet worden. Gerda Stocker selbst betreibt es in vierter Generation.

Gemeinsam mit ihren beiden Brüdern wuchs Gerda Stocker praktisch im Gasthaus auf. „Wir haben unsere Hausaufgaben hier gemacht. Wenn Kirtag war, habe ich mit meinen Freundinnen die Tische mitabgeräumt und manchmal durften wir sogar Schnitzel panieren“, erinnert sich Gerda Stocker, heute 44. Ihr Papa, leider schon gestorben, sei ein großartiger Fleischer gewesen. „Sein Speck und seine Selchwaren waren ausgezeichnet und weit und breit bekannt. Noch heute fragen immer wieder Gäste danach“, schwärmt sie. Kochen konnten alle drei Geschwister, zwei von ihnen schlugen auch beruflich diesen Weg ein. „Mein Bruder Manfred war ein Spitzenkoch; er hatte sogar ein Lokal in Hamburg“, sagt Gerda Stocker stolz. „War?“, frage ich vorsichtig. „Er ist leider schon mit 39 gestorben. An Lungenkrebs. Ohne je geraucht zu haben“, sagt sie.

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Gerda Stocker vor ihrem geschichtsträchtigen Gasthaus in Lenbach (© Emmerich Mädl)

Von Fern- und Heimweh

Gleich nach dem Abschluss ihrer Lehre zog es Gerda Stocker in renommierte Haubenküchen. So kochte sie etwa im Steirereck in Wien, im Freisinger- und im Nymphenburgerhof in München und im Restaurant Österreich in Hamburg. 24 Jahre jung packte sie die Sehnsucht nach der Heimat – und sie übernahm prompt die elterliche Gastwirtschaft. „Ich war erleichtert. Oh Gott, ist das schön ruhig, dachte ich mir. Nach drei Monaten stellte ich erschrocken fest: Oh Gott, es ist hier wirklich sehr ruhig!“, lacht sie heute. Doch das Fernweh in die Stadt sei schnell mit der einen oder anderen Fahrt gestillt gewesen. Und nacheinander entdeckte sie die Schätze der Region: ob nun Frischfleisch oder Fisch, Obst, Gemüse, Nudeln oder das flüssige Gold der Buckligen Welt, das Leindotteröl. Sie ließ sich von all den wunderbaren Produkten zu kulinarischen Köstlichkeiten inspirieren, beließ aber Schweinsbraten und Schnitzel an ihrem Fixplatz in der Speisekarte. Richtig spektakulär wurden ihre stets der Saison angepassten Kompositionen nach einer Begegnung mit einer wildkräuterverliebten Dame. Gerda Stocker kommt sofort auf den Geschmack, beginnt nach entsprechenden Kursen zu recherchieren; ein Jahr später ist sie ausgebildete Kräuterpädagogin. „Das war genau das, wonach ich gesucht hatte“, sagt sie. Das gesunde Grün, das sie um ihr Haus oder um die rund 300-Seelen-Heimatgemeinde pflückte, taucht seither in Suppen, in Limonaden, ja sogar in Nudeln – in Kooperation mit der Manufaktur Sinabel – und Süßspeisen auf. „Das war für manche Stammgäste anfangs ein Schock“, schmunzelt sie. „Aber die meisten haben ihre Skepsis überwunden.“

Und auch ihr lang gehegter, eigentlich geheimer Traum vom Unterrichten durfte in Erfüllung gehen: Sie bietet seither Kräuterworkshops, Wanderungen und Kochkurse an – für Kinder aller Altersgruppen und für Erwachsene.

Besonders stolz ist sie auf die Kooperation mit dem BORG in Wiener Neustadt, wo sie gemeinsam mit zwei Angestellten das Schulbuffet von Montag bis Freitag mit gesunden Snacks und warmem Mittagessen bestückt. Rund 700 SchülerInnen und 80 PädagogInnen dürfen dort etwa getrocknete Apfelringe, selbst gemachte Limonaden, herzhafte Wraps und Burger oder Nudelpfannen genießen.

Wildkräuterträume
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Ein köstlicher Krug voller Frühlingsgefühle (© Emmerich Mädl)
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Frühlings-Wildkräutercremesuppe (© Emmerich Mädl)
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"Stockers Gsunde Buckl" (Wildkräuterbrötchen) (© Emmerich Mädl)
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Konzentriert: Gerda Stocker mit frischem Fisch (© Emmerich Mädl)
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Topfen-Rhabarberschnitte mit Gundelrebeeis (© Emmerich Mädl)

Erfinderisch und kreativ

Wann sie das macht ist fast rätselhaft, doch Gerda Stocker, die übrigens selbst für eine Veranstaltung mit Zig geladenen Gästen alleine den Kochlöffel schwingt, tüftelt stets über neue Projekte: So lädt sie etwa zum Stockerlfisch-Grillen in der alten Schmiede ein, den ihr Lebensgefährte für sie liebevoll restauriert hat, und bäckt seit Kurzem outdoor in ihrem – ebenfalls von ihrem Partner gebauten – Lehmbackofen frisches (Kräuter)Brot und Gebäck. Zudem initiierte sie mit Gleichgesinnten einen Themenweg zwischen Lembach und Kirchschlag; gespickt mit Wissenswertem zu Kräutern und Tieren, mit Rezepten und Wegweisern zu Gasthäusern, Konditoreien und Co. Der spielerisch für die ganze Familie aufbereitete Weg könnte schon kommendes Jahr realisiert werden.

Gerda Stockers Kreativität und ihr Engagement schlugen nunmehr bis nach Frankreich Wellen: Nicht nur die Österreichische Botschaft möchte einen Kochkurs in Paris mit ihr initiieren. Auch das Chateau d’Orion, das sich der Entwicklung europäischer Regionen und Partnerschaften verschrieb, lud die Kräuterwirtin mitsamt ihrer musizierenden Familie zu sich ein. Sohnemann Christoph, 14 Jahre alt, ist nämlich seit dem Volksschulalter erfolgreicher Wiener Sängerknabe. „Die Einladung nach Frankreich ist eine wunderbare Chance, meine und viele andere Produkte aus der Buckligen Welt auf einem Markt präsentieren zu können. Wenn wir nur jemanden finden, der uns für Reisekosten und Unterkunft Fördergelder zur Verfügung stellen könnte“, erklärt sie.

Und ob der singende junge Mann sich auch in der Küche wohlfühlt? Gerda Stocker schenkt uns ein Augenzwinkern: „Er sagt, wenn es mit der Karriere in Hollywood nichts wird, übernimmt er eines Tages das Gasthaus.“


Lust auf mehr? In der April-Ausgabe der Niederösterreicherin findest du Rezepte zum Nachkochen.

Zudem verlost die Niederösterreicherin einen Gutschein für zwei Kochkurse mit Kräuterwirtin Gerda Stocker. Gekocht wird mit Wildkräutern und Wildfrüchten. Hier klicken und gewinnen!


Info:

Gasthaus Gerda Stocker, Lembach 11, 2860 Kirchschlag, Tel.: 02646/2288 (Reservierung erbeten),

www.gasthaus-stocker.at

Der nächste Kochkurs: "Frühlingswildkräuter", 17. April 2015, 18 Uhr.

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