Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 31.10.2016

Der Finger am Abzug

Eine Leiche im Regierungsviertel, der Befehl „Alles in Deckung!“ – und wir sind mittendrin, in den Dreharbeiten zur „SOKO Donau“, Tatort St. Pölten.

Bild IMG_2687.jpg
AUF KOMMANDO. Die echte Cobra „stürmt“ das Haus. (© Viktória Kery-Erdélyi)

Der Schuss des Heckenschützen

Text: Angelica Pral-Haidbauer, Viktória Kery-Erdélyi

Ein Tag, an dem Realität und Fiktion zu verschwimmen scheinen. Als wir pünktlich zum Get-together beim Landeshauptmann ins Landhaus einbiegen, werden wir gleich von einem aufgeregten Herrn mit gelber Jacke auf einen Platz verwiesen, über dem groß „Halteverbot“ steht. An der gegenüberliegenden Straßenseite Polizeiautos mit Blaulicht und Sirenen. Als geübte Staatsbürgerin laufe ich schnell zum nächsten Polizisten, um mir sein Ok für diesen „Parkplatz“ einzuholen. Ungläubig schaut er mich an. „Wir müssen zu einem Termin beim Landeshauptmann“, bitte ich – Staunen und Schweigen. Plötzlich ein Ruf „Alles in Deckung!“ – und ich realisiere, dass ich mitten in die Dreharbeiten, die eigentlich viel später hätten stattfinden sollen, gelaufen bin. Der Polizist, ein Statist. Der Schuss des Heckenschützen, eine Platzpatrone. Verzeihung, Entschuldigung – vielmals ...

Exklusiv vom Set
Bild IMG_2618.jpg
GEt-TOGETHER in der DREHPAUSE. Landeshauptmann Erwin Pröll mit Gregor Seberg, Stefan Jürgens sowie Chefredakteurin Angelica Pral-Haidbauer und Redakteurin Viktória Kery-Erdélyi von der Niederösterreicherin.
Bild IMG_2666.jpg
PSYCHO-GRAFFITI. Nazi-Parolen im Spukhaus (© Viktória Kery-Erdélyi)
Bild IMG_2668.jpg
MEISTER DER AUSSTATTUNG. Thomas Vögel mit Lebensgefährtin und Assistentin Gesche Glöyer (© Viktória Kery-Erdélyi)
Bild IMG_2621.jpg
TEAM. SATEL-Chef Heinrich Ambrosch, ORF-Redakteurin Sabine Weber, Set-Aufnahmeleiter Andreas Wurscher (© Viktória Kery-Erdélyi)

Beliebter Stammgast in NÖ. „Es ist eine Zusammenarbeit mit Handschlagqualität“, freut sich Erwin Pröll, als wir uns dann wirklich alle bei ihm einfinden: Schauspieler, Journalisten und die Verantwortlichen von SATEL Film und ORF. Ermöglicht wird diese Serie vom Beginn der 2. Staffel an auch durch das nachhaltige Engagement des Landes NÖ und seine Förderung von 150.000 Euro. Eine Summe, die dem das Land eine Rückschlagquote von ca. 1,3 Millionen beschert. „Der Film ist ein wesentlicher Teil unserer Kulturarbeit, mit eurer ‚SOKO Donau‘ transportiert ihr die Bilder unserer wunderschönen Heimat hinaus in die Welt und macht den Zusehern Gusto, hierher auf Urlaub zu kommen“, sagt Pröll und freut sich jedes Mal, wenn er den Schauspielern beim Dreh über die Schultern schauen kann. Tatsächlich ist die TV-Serie mit einer Einschaltquote von 4,5 Millionen nach „Kommissar Rex“ die international meist verkaufte Krimi-Serie Österreichs. „Ein so aufwendiger Dreh wäre ohne Unterstützer nicht denkbar. Erst das außergewöhnliche Engagement des Landes NÖ ermöglicht jene Qualität, um im internationalen Filmgeschäft erfolgreich zu sein“, bedankt sich Heinrich Ambrosch, GF der produzierenden „SATEL Film“. Ob sie denn nächstes Jahr wiederkommen dürften, wollen dann die Schauspieler in vertraut launiger Manier vom Landeshauptmann wissen. „Das hängt davon ab, wie ihr euch benehmt“, kontert dieser mit vielsagendem Schmunzeln ...

Abbruchhaus Kuefsteinstraße 9. „Kommt‘s einfach mit“, sagt der Aufnahmeleiter und lädt uns als einziges Medium ein, weiter bei den Dreharbeiten dabei zu sein. Die Gegend rund um das Haus, in dem man den Heckenschützen vermutet, ist eine beschaulich ruhige. Von der Straße her kommt eine Truppe voll bewaffneter Männer in schwarzer, kugelsicherer Schutzhaube mit Sturmhaube und Schutzhelm, nahezu im Gleichschritt. „Ist euch nicht heiß? Muss ja ungewohnt sein, so eine Kleidung“, beginne ich in einer Drehpause das Gespräch, nun wissend, dass die Polizei ja mit Statisten besetzt ist. „Nein“, meint er, „wir vom EKO Cobra sind das gewohnt“, erklärt er freundlich und erzählt, dass sie allein in Ost-Österreich zwei Einsätze pro Tag hätten. Die „echten“ also – und mein Respekt vergrößert sich von Klappe zu Klappe, denn ihre Stürmung des Hauses wird über Stunden wiederholt. Da drinnen verschanzt sich ja der radikale Herbert Aichinger, der potenzielle Täter, ein Irrer.

Exklusiv vom Set
Bild Tatort1.jpg
AMOKLAUF. Ein Heckenschütze knallt scheinbar wahllos auf Menschen. (© Angelica Pral-Haidbauer)
Bild IMG_2726.jpg
(© Viktória Kery-Erdélyi)
Bild IMG_2696.jpg
(© Viktória Kery-Erdélyi)
Bild soko12_f04_160509_0330_korr1.jpg
(© Petro Domenigg)

Gänsehaut im Nacken. Haus und Hof sind übersät mit allem, das einen erschaudern lässt: Eine Axt liegt auf dem Gartentisch, in den Krallen eines ausgestopften Greifvogels hängt eine Plastikpuppe und die Wände sind voller Nazi-Parolen. „Die werden wir nachher natürlich wegmachen“, sagt Gesche Glöyer, Assistentin des renommierten Szenenbildners Thomas Vögel, während sie eine wissbegierige junge Dame durch das Reich des Psychopathen führt. Die staunende Schülerin ist die Tochter der Familie Böhm, die freundlicherweise das alte Haus zur Verfügung gestellt hat. „Hier durften wir uns so richtig austoben“, schwärmt Gesche Glöyer. „Der Besitzer kam uns sehr entgegen; hier wird nächstes Jahr alles neu gemacht“, ergänzt Thomas Vögel. All die „Schätze“, die er herangekarrt hat, stammen aus dem bekannten Wiener Requisitenlager „Props“, einem Fundus auf rund 3.500 Quadratmetern Fläche. Vögel selbst zeichnete auch für die Ausstattung von Streifen wie „Nordwand“ oder „Schlafes Bruder“ verantwortlich; bei „Hinterholz 8“ war er Szenenbildner.

Diskutiere mit uns und deinen Freundinnen diesen Beitrag:
powered by Disqus