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People | 03.06.2015

Alles Krimi!

Die Weinviertler Krimiautorin Eva Rossmann über Angstmännchen, Herdheroes und andere Rollenklischees

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„Niederösterreichs Donna Leon“ schreibt gerade an ihrem 17. Krimi – es bleibt spannend im Weinviertel … (© Freya Martin)

Eva Rossmann – oder, wie sie bisweilen bezeichnet wird,  „die Donna Leon Nieder­österreichs“ – ist eines der Aushängeschilder in der österreichischen Krimilandschaft. Seit mittlerweile 25 Jahren lebt und arbeitet sie im Weinviertel – der Heimat, die sie sich gefunden hat, wie sie sagt. Durch puren Zufall eigentlich: Denn sie war 1990 nicht wirklich auf der Suche. Durch eine Zeitungsannonce fand sie dann ihr Haus in Auersthal, wobei sich die geborene Grazerin „von Anfang an und absolut“ im Weinviertel zuhause gefühlt hat, auch wenn das für die etwas kitschig klingt. Auch das Weinviertel selbst findet sie schon fast kitschig schön. Die hügelige Landschaft mit den Weingärten, ab und zu eine Ölpumpe. 

Die Initialzündung für ihre Mira Valensky-Krimis war einerseits, dass sie immer schon gerne Krimis gelesen hat und sie andererseits die Zuspitzung auf das Äußerste, auf Leben und Tod, in der Literatur mag. Man kann dabei Themen nochmals anders erzählen. Insofern war es für sie nach etlichen Sachbüchern naheliegend ins Krimi-Genre zu wechseln. Außerdem hatte Eva Rossmann im Jahr 1998 den Bundespräsidentschafts-Wahlkampf der unabhängigen Kandidatin Gertraud Knoll koordiniert – perfekter Stoff für ihren ersten Krimi „Wahlkampf“. Und dabei blieb sie. Mittlerweile ist bereits ihr 16. Krimi erschienen, der 17. ist in Vorbereitung. Jährlich präsentiert sie pünktlich im September eine weitere Fortsetzung mit der Protagonistin ihrer Krimireihe, der Chefreporterin Mira Valensky und ihres weiblichen „Watson“, der ehemaligen Putzfrau und jetzigen Reinigungsunternehmerin Vesna Krajner. 

 

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Hudeliebhaberin Eva Rossmann (© Freya Martin)

Als Eva Rossmann mit Mira Valensky angefangen hat, waren beide Mitte 30 und nun sind sie Anfang 50. Für die Autorin ist es spannend, älter zu werden, und genau das möchte sie auch in ihren Büchern vermitteln. 

Prinzipiell hat sich Eva Rossmann nie irgendwelchen klassischen Frauenbildern angepasst. Ihrer Meinung nach gibt es nicht DIE Frauen, DIE Landfrauen oder DIE Stadtfrauen: „In unserer Gesellschaft gibt es viele Männer- und Frauenrollen gleichzeitig!“ Auch die „Schwarz-Weiss-Schubladisierungen“ und Ver­ur­teilungen sind generell nicht so ihr Ding. „Die Welt ist nicht schwarz-weiß, sondern bunt, und es ist schade, wenn man das nicht oder zu wenig oft herzeigt.“ 

"Ja, eh...! Bingo!"

Wenn sie jemand als Feministin bezeichnet, sagt sie: „Ja, eh…! Bingo!“ und es stört sie nicht im Geringsten. Au contraire: Man hat immer wieder versucht, den Begriff der Feministin kaputtzumachen. Es gibt ihrer Meinung nach genug „Angstmännchen“, die fürchten, dass für sie nicht genug übrigbleibt, wenn Frauen tatsächlich die andere Hälfte zugestanden wird. Unabhängig von ihrem biologischen Geschlecht sollen Frauen die gleichen Chancen und Möglichkeiten entsprechend ihrer Fähigkeiten und ihres Entwicklungspotentials haben wie Männer. That‘s it! „Das ist nur logisch und normal“ für die bekennende Feministin und Mitinitiatorin des österreichischen Frauenvolksbegehrens 1997. 

Ihr eigener Mann Ernest Hauer, ehemaliger Ö1 Radio-Redakteur, kann mit ihrem Erfolg als Autorin sehr gut leben. Er ist eindeutig ein selbstbewusster Mann, so Eva Rossmann. War selbst als Journalist und beim Radio, vor seiner Pensionierung, sehr erfolgreich. Jetzt begleitet er sie oft zu Lesungen quer durch Öster­reich und darüber hinaus nach Brüssel, Nicosia oder gar Hanoi. Für ihre Bücher ist er nicht bloß wichtig, weil er einer der gescheitesten Menschen ist, die sie kennt – er ist auch Erstleser und erster Kritiker. 

 

 

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Kongeniales Duo am Herd im Gasthaus "Zur alten Schule": Eva Rossmann und Manfred Buchinger (© Freya Martin)

Kochen – etwas typisch Weibliches? 

Fast alle internationalen Topköche und „Herdheroes“ sind Männer. Also kann, so Eva Rossmann, Kochen nicht etwas typisch Weibliches sein. Weiblich wird es ihrer Meinung nach meist dann, wenn es um das Alltagskochen geht. Und auch hier gilt: Es gibt Frauen wie Männer, die das Talent haben, gut kochen zu können, und andere haben das weniger. Sie selbst kocht seit ihrer Jugendzeit sehr gerne. Nicht nur für sich und die Familie, sondern auch professionell. Beim Buchinger in Riedenthal. Start für die kongeniale Verbindung waren 2002 Recherchearbeiten für ihren fünften Mira Valensky-Krimi „Ausgekocht“, der in der gehobenen Gastronomie und Haubenküche angesiedelt ist. Gesucht und gefunden. Nach 13 Jahren steht Eva Rossmann, die 2004 sogar einen Lehrabschluss zur Köchin absolviert hat, noch immer am Herd. Eine kochende Feministin? Auch so ein Rollenklischee. Die Teamarbeit in einer professionellen Küche ist an sich ein lehrreicher Prozess für die Einzelkämpferin Eva Rossmann, die bei Buchinger‘s Wirtshaus „Zur alten Schule“ – wie sie betont – emotional beteiligt ist. 

Der neue und nächste Krimi trägt den Titel „Fadenkreuz“ und wird as usual im September beim „Buchinger“ präsentiert.

Text & Fotos: Freya Martin

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