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People | 04.08.2015

Vorsicht, Ansteckungsgefahr!

Volksmusik goes Next Generation: Marie-Theres Stickler gibt 200 Jahre alten Melodien, Jodlern, Wiener Lied und Co. den Coolness-Kick. Wie das geht, fragten wir die niederösterreichische Akkordeonistin in ihrem Wiener Stammlokal.

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Hippe Lady am Akkordeon: Marie-Theres Stickler (© Phil Kerber)

Sie schmunzelt. Am liebsten mit den Augen. Wenn sie spielt, wird sie eins mit ihrem Akkordeon. Immer wieder schließt sie ihre Augen, ob sie nun an der Seite von Martin Spengler oder mit ALMA spielt. Und das sind nur zwei der zahlreichen Formationen, die Marie-Theres Stickler mit ihrem Harmonikaspiel bereichert. Und mit denen sie die Menschen ansteckt, in ihren Bann zieht. Selbst solche, die mit Volksmusik zuvor gar keine Berührungspunkte hatten. Wir trafen die 27 Jahre junge Niederösterreicherin in ihrem Wiener Stammlokal, im Augustin, nahe ihrer Wohnung in Wien (wunderbare freie Tage verbringt sie mit ihrem Freund im Waldviertel). Die schöne Puchbergerin kommt in einem coolen, grünen Kleid und wehender Haarpracht – mit einem ihrer geliebten Akkordeons. Wie viele sie bereits hat, weiß sie gar nicht mehr. „Kennst du diese Bilder aus Horrorfilmen, in denen seltsame Leute ihre ganze Wohnung mit Puppen vollgestopft haben? So sieht’s bei mir zuhause aus. Nur stehen bei mir eben überall Akkordeons“, lacht sie. Beim sogenannten Woodstock des Wiener Liedes, beim „Schrammel.Klang.Festival“ in Litschau, begeisterte Marie allein am Eröffnungstag in drei verschiedenen Formationen.


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Beim Interview im "Augustin"

Wie bist du auf die Idee gekommen, Akkordeon zu lernen?
Ich habe schon als Kind Hubert von Goisern und sein „Hiatamadl“ geliebt und schließlich haben wir uns das gemeinsam ausgedacht: Mama und ich. Sie hat über den Bazar ein Akkordeon gekauft, da es weit und breit keine Akkordeon-Lehrer gab, haben wir ein Lernvideo bestellt und vorm Fernseher zu spielen begonnen. Dann reisten wir von einem Harmonikastammtisch zum anderen – und begegneten tollen Communities in Niederösterreich, Burgenland und der Steiermark. Und mit 13 spielte ich eigentlich schon in der ersten Formation, bei der „Kaiserwaldmusi“.

 

Bis zur ersten schöpferischen Pause...
Ich habe erst kürzlich mit Bandkollegen darüber gesprochen, dass wir als Jugendliche alle das gleiche Problem hatten: Wir liebten echte Volksmusik, hörten sie im Discman, im MP3-Player – aber wehe, wenn wer gefragt hat, dann habe ich immer gesagt: „Aaah, ich höre Metallica oder Ärzte.“ (lacht) Für junge Mädels galt Volksmusik als uncool; da habe ich dann für ein halbes Jahr mit dem Akkordeon ausgesetzt und vor allem Spice Girls gehört (schmunzelt).

 

Wie hast du wieder zurückgefunden?
Durch Andi Salchegger, einem grandiosen, blinden Harmonikaspieler. Ich habe ihn gehört und wusste: Ich muss wieder spielen. Er wurde zum Vorbild, ein Satz, den er mir mitgab, ist bis heute mein Credo: „Zur Vollkommenheit fehlt bei der Perfektion der Mangel.“ Musik muss rund und stimmig sein, sie darf nicht zu glatt sein, sie muss berühren. Ich begann wieder zu spielen, bis mich eines Tages Hans Schröpfer bei einem Konzert ansprach: „Du hast Potenzial, es schlummert in dir.“ Er bot mir an, mich zu unterrichten. Das war eine Ehre – ich nahm natürlich an!

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Wiener Wirthaussoul: Marie-Theres Stickler mit Martin Spengler und die foischn Wiener (© Peter Schneider)

Mit 16 hast du quasi schon dein eigenes Geld verdient?
Ja, beispielsweise mit „Chiller“. Wir haben Alpenrock mit Reggae, ein Rockpop-Crossover gemacht – auch als Vorband von Birgit Denk. Das war dann schon cool, da lud man dann auch Freunde ein (lacht).

Um Akkordeon studieren zu können, bist du nach Salzburg gegangen, hast am Mozarteum Bachelor und Master in Instrumentalpädagogik gemacht. Mit welchem Ziel?
Mich interessieren auch Geschichte und Theorie, aber das Unterrichten sehe ich gerade nicht als meine Aufgabe. Vielleicht in 20 Jahren. Ich wollte und will Akkordeon spielen. 

...und singen und jodeln?
Das kam später dazu. Das Jodeln, oder wie man bei der Wiener Musik und in meiner Heimat im Schneeberggebiet sagt, das Dudeln ist etwas ganz Inneres. Als junges Mädchen war ich dazu zu schüchtern; dafür muss man ganz aus sich herausgehen.

Du spielst in so vielen verschiedenen Formationen, alleine auf deiner Visitenkarte stehen sechs Gruppen. Unter dem Motto „Marie, Marie, Marie“ eröffnest du das Festival in Litschau gleich drei Mal!
Das war witzig – und eigentlich ein Zufall. Innerhalb weniger Stunden kontaktierten mich die Booker der verschiedenen Gruppen, ob ich Zeit habe. Ich freue mich sehr! Mit den „Tanzgeigern“ spielen wir Volksmusik mit wienerischem und osteuropäischem Schwerpunkt. Mit ALMA ist es dann Volksmusik mit alpinen Wurzeln, aber schon experimenteller. Mit „Martin Spengler und den foischn Wienern“ gibt’s dann sozusagen Wiener Wirtshaussoul.

 

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Alma: Volksmusik mit alpinen Wurzeln – auf experimentellen Pfaden (© Daliah Spiegel)

Du bist auch international viel unterwegs – vor allem mit ALMA. Welchen Weg habt ihr da eingeschlagen?
Der Kern ist die Volksmusik, teilweise 200 Jahre alte Stücke. Das sind starke, zeitlose Melodien, die die Leute immer schon gefesselt haben. Diese Musik braucht oft nichts dazu, weil sie allein schon so prächtig ist. Manchmal legen wir Grooves darunter. Wie beim „Admonter Echojodler“, wo wir zunächst das Jodeln steigern, dann kommen mit dem Bass Latin Grooves, dann Countryrhythmen auf der Geige dazu. Das klingt abstrakt, geht sich aber super aus, weil eben der Jodler so zeitlos ist. Und wir machen auch Eigenkompositionen. Mit ALMA haben wir bereits zwei CDs: „Nativa“ und  „Transalpin“. Neben vielen, vielen Konzerten in Österreich spielten wir schon in Bulgarien, in Peru, sehr viel in Deutschland und Südtirol. Für 2016 haben wir eine Einladung nach Pakistan und das ist umso bemerkenswert, weil dort eigentlich Frauen nicht auf der Bühne stehen dürfen – und bei uns fünf ist der Geiger Matteo der einzige Mann.

Nicht minder ein Herzensanliegen für dich: die Wiener Musik...
Ich hab’ vor rund sechs Jahren mit der Schrammelharmonika begonnen und bin sehr in die Wiener Musik-Szene eingetaucht – auch in die traditionelle beim Heurigen. Dabei hab’ ich die Ehre mit ganz Großen zu spielen: mit Rudi Koschelu oder Kurt Girk, dem Sänger alias „Frank Sinatra von Ottakring“. Und das neue Wiener Lied mach’ ich eben mit Martin Spengler und der Raphael Sas.

Welche Träume, Visionen hast du?
Die sind teilweise schon verwirklicht: Ich liebe es zu reisen, die Welt zu sehen – und weil ich all das mit meiner Musik tun kann, muss ich mir dafür nicht einmal Urlaub nehmen. Ich kann mir nur wünschen, dass es so weitergeht...

Kurz gefragt: Marie-Theres Stickler

Glücklich macht mich…mein Leben, so wie es gerade ist.

Traurig macht mich… respektloses Verhalten in jeder Form.

In 10 Jahren bin ich… 37 (schmunzelt)

Das schönste Lied ist... das ändert sich ständig, aber einer meiner All-time-favourites ist „Ljuba“ von Sandy Lopicic.

Der schönste Film ist…„About Time“ – ich brauch‘ auch meine Herz-Schmerz-Schnulzen.

Ein perfekter Abend ist… vielleicht langweilig?

Der schönste Tag meines Lebens war… der 31.12. 2014, warum verrate ich nicht.

Ich werde niemals…eine Vogelspinne besitzen!

Diese drei Wünsche hätte ich an die gute Fee... Gesundheit, Frieden auf der Welt ... und drei weitere freie Wünsche!

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Mit Rudi Koschelu (© Stephan Mussil)

Infos zu Konzerten:

Habt ihr Lust, Marie live zu erleben? Sie ist derzeit auch international viel unterwegs; in Österreich tritt sie mit ALMA unter anderem am 19. September 2015 in Graz (www.aufsteirern.at) oder am 23. September 2015 im Wiener Theater am Spittelberg auf. Mit den "Tanzgeigern" ist beispielsweise am 3. Oktober 2015 in ihrer Heimatgemeinde in Puchberg/Schneeberg fixiert. Oder ihr stöbert selbst:

www.almamusik.at
www.tanzgeiger.at
www.martinspengler.at
www.wuederamusi.at

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