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People | 05.02.2015

Von der "Nacktschneckenköchin" zum Shootingstar

Die einst schüchterne Hilde Dalik aus Gießhübl in NÖ brilliert im Rampenlicht: als Schauspielerin in der Josefstadt und mit ihrem Regiedebüt "Romeo & Julia – freestyle" – im Februar im Dschungel Wien.

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Hilde Dalik in JCHOERL Fashion (© Chris Ecker)

Eine eigene Realität erfinden, in der eigene Gesetze gelten – eine Karriere im Film schwebte Hilde Dalik schon als Kind vor. Nicht weiter verwunderlich also, dass sie in ihrer Sturm- und Drangzeit ab und an einen Bogen um die Schule machte, um die Dreharbeiten des Kinoklassikers „Die drei Musketiere“ auf Burg Perchtoldsdorf zu erleben. Ebendort entspann sich sogar eine Brieffreundschaft mit dem Regieassistenten von Steven Spielberg. Heute steht Hilde Dalik selbst vor der Kamera und ist seit 2006 fixes Ensemblemitglied der Josefstadt. Ab Ende Jänner spielt sie in Felix Mitterers „Der Boxer“ mit Gregor Bloéb (Uraufführung). Und sie zelebrierte kürzlich ihr Regiedebüt – mit „Romeo & Julia – freestyle“, einem Stück, das sie mit jungen Flüchtlingen erarbeitete. Wie aus der „wilden Hilde“ aus dem niederösterreichischen Gießhübl die empathische und taffe Künstlerin wurde, die sich weder privat noch beim Shooting „einkastln“ lassen mag.

 

Welche Interviewfrage nervt Dich am meisten – wollen wir sie gleich abhaken?

Keine Frage nervt mich. Es ist nur so, dass ich auf die Frage nach meinem Privatleben wenig antworte. Aber danach gefragt zu werden, nervt mich nicht.

 

Also: Wie ist deine private Lebenssituation?

Ich wohne in Wien, im siebten Bezirk und besitze eine 16 Jahre alte Katze namens Jeffrey. Ich gehe gerne tanzen und bin gerne in der Natur.

 

Es wird so viel gemunkelt: Im Kinofilm „Die Werkstürmer“ (2013) seid ihr ein Paar. Bist du mit deinem Schauspielkollegen Michael Ostrowski auch im realen Leben liiert?

Dazu darf ich ohne meinen Anwalt nichts sagen.

 

Deine Nacktszenen werden selbst in Qualitätsmedien fokussiert. Woran liegt das?

Nacktheit auf der Bühne ist nichts Neues. Vielleicht fällt es jetzt mehr auf, weil wir in einer biederen Zeit leben. Die Menschen wollen alle Möglichkeiten im Leben ausschöpfen, nichts versäumen und sind dennoch intolerant. Warum nicht nackt auf der Bühne? Das ist das Natürlichste auf der Welt. Jeder Mensch hat zumindest sich selbst schon einmal nackt gesehen. Wenn man sich nicht geniert, warum nicht? Bei „Mein Kampf“ von Tabori war ich lange nackt. Oder bei „Alma“ von Paulus Manker. Man muss die Geschichte dahinter sehen: Ich spielte Frauen, die sich einem Menschen hingeben wollten, so wie sie sind. Das ist doch ein schönes Bild, wenn ich sage: Ich verstecke mich nicht mehr, ich verkleide mich nicht mehr. Ich gebe mich dir so hin wie ich bin.

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(© Chris Ecker)

Du feierst dein Regiedebüt mit „Romeo & Julia – freestyle“ im Dschungel Wien. Dabei arbeitest du mit Jugendlichen aus aller Welt. Wie kam es dazu?

Ich wollte etwas tun, mich engagieren. Mit dem Diakonie Flüchtlingsdienst haben wir beschlossen, dass ich mich für Jugendliche engagiere. Für minderjährige Flüchtlinge, die allein nach Österreich gekommen sind, die psychologische Betreuung und Deutschkurse bekommen. Wir waren im Kino, im Theater. Sie wollten gerne auch selbst auf der Bühne stehen. Also begann ich, ein Stück zu suchen. Es wurde „Romeo und Julia“, weil auch einer der Burschen gesagt hat, das ist eigentlich ein afghanisches Stück: zwei die einander lieben, aber nicht lieben dürfen.

Wir haben ein Jahr an dem Projekt gearbeitet. Die Jugendlichen bekamen Akrobatik-, Tanz- und  Schauspielunterricht. Melika Ramic, Theaterpädagogin, Regisseurin und glücklicherweise meine Assistentin, und ich haben viele Übungen mit ihnen gemacht und uns Schritt für Schritt dem Shakespeare-Stoff genähert. Wir machten Improvisationen, filmten sie – zu den essenziellen Themen wie Liebe, Gewalt, warum ist ein Feind ein Feind.

 

Ihr habt also persönliche Geschichten hineingewoben?

Ja, aber immer unter dem Schutz, dass das die Figuren erzählen. Es sind wahre Geschichten. Die Betroffenheit, aber auch die Lebensfreude und der Humor übertragen sich sehr aufs Publikum. Diese Arbeit war für mich eine große Bereicherung. Weil die Jugendlichen so einen direkten Zugang haben, ohne die Rollen zu psychologisieren. Mein Anliegen war, ihnen nicht etwas aufzusetzen, sondern aus ihren Talenten zu schöpfen, ihre Interessen zu fördern. Es kommt afghanische Musik vor, Jazz- und Breakdance... Viele unterschiedliche Nationen kommen zusammen.

Und viele Profis sind dabei: die Schauspielerin Sophie Aujesky steht auf der Bühne, Alexander Pschill und Michael Ostrowski haben Videoeinspieler gedreht, Wolfi „i-wolf“ Schlögl und Kyrre Kvam arbeiteten musikalisch mit dem jungen Team, zwei Mitglieder der dance-industry geben laufend Tanzunterricht.

 

Verschiedene Kulturen, herausgerissen aus der Heimat – wie hast du die Stimmung erlebt?

Wir sind alle sehr neugierig aufeinander zugegangen. Diese Jugendlichen sind in einer gar nicht leichten Umbruchsphase zum Erwachsenwerden – aber mit dem Rucksack, dass sie Familienmitglieder verloren haben, dass sie eine große Reise hinter sich haben, dass sie so viel erlebt haben, was wir uns gar nicht vorstellen können. Gerade für sie ist der Zusammenhalt so wichtig. Sie haben mich sehr inspiriert. Ich finde es bewundernswert, dass jemand so viel Schlimmes erlebt hat und es trotzdem schafft, glücklich zu sein, dass man trotzdem sagt, das Leben geht weiter...

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"Romeo & Julia – freestyle" im Dschungel Wien, Regie: Hilde Dalik (© Jan Frankl)

Hilde Dalik im Theater

Theater in / Kammerspiele der Josefstadt (www.josefstadt.org):

„C’est la vie – Eine Revue“ von Peter Turrini, Regie: Stephanie Mohr.

„Der Boxer“ von Felix Mitterer; Premiere: 29. Jänner 2015, Regie: Stephanie Mohr.

„Schon wieder Sonntag“ von Bob Larbey; Premiere: 26. März 2015, Regie: Helmuth Lohner.

Dschungel Wien (www.dschungelwien.at)

„Romeo & Julia – freestyle“ (Regie: Hilde Dalik); 10.–13. Februar und 20.–23. April 2015


Das war dein Regiedebüt. Bist du auf den Geschmack gekommen?

Auf jeden Fall. Ich habe Regieprojekte im Kopf; mit meiner Gruppe (von „Romeo & Julia“, Anm.) wollen wir an einem Filmdrehbuch arbeiten. Aber ich musste auch lernen, dass ich meine Kräfte einteilen muss. Dass ich zumindest einen freien Tag in der Woche brauche.

Und ich bin sehr glücklich in der Josefstadt, wo ich wieder in einer Uraufführung spiele: in „Der Boxer“ von Felix Mitterer unter der Regie von der Stefanie Mohr. Es ist ein Privileg für mich, zum vierten Mal mit ihr arbeiten zu dürfen. Sie bringt mich jedes Mal auf neue Gedankenwege. Gleichzeitig lässt sie den Schauspielern Raum und ermuntert sie, sich zu entfalten. „Der Boxer“ gibt die wahre Geschichte von Johann Rukeli Trollmann wieder, dem Sinto-Boxer, dem der Staatsmeistertitel aberkannt wurde, weil er zu „zigeunerisch“ geboxt hat. Er starb im KZ.

 

 

Du bist in Gießhübl in NÖ aufgewachsen, mit drei Geschwistern. In einem Artikel war die Rede von der „wilden Hilde“. Warst du eine Wilde?

Ich war als Kind wild, zuhause im Garten und bei meinen Großeltern in Fuchsenbigl, in der Nähe von Orth an der Donau. Da haben wir, mit meinen Geschwistern und Freunden, Zirkusvorstellungen gemacht und Filme gedreht. Auf einem illegalen Müllhaufen, wo wir in alten Töpfen Nacktschnecken gekocht haben. Leider Gottes (seufzt)! Die armen Tiere tun mir so leid. Heute bin ich ja Vegetarierin. In der Schule war ich sicher nicht wild, die Lehrerautorität hat mich eingeschüchtert.

 

Und jetzt bist du Schauspielerin...

Ich habe irgendwie gewusst, dass ich das kann. Ich habe mich trotzdem zum Gedicht vortragen gemeldet, mein Gesicht mit meinen Haaren versteckt, weil ich wusste, dass ich rot werde und bin zitternd dagestanden.

 

Bist du heute wild?

Wild... (grübelt) Eher freier, weil mir Sachen wurschter sind. Ich habe gelernt, dass wenn ich etwas gut finde, dass das eine Instanz für sich ist und nicht unbedingt das, wie es ankommt. Dass man sich auch einmal nix scheißt.

 

Ich habe in einem Interview gelesen, dass du nichts vom Traumprinz hältst. Ein feministisches Statement?

Das ist für mich kein unbedingtes Thema: auf der Suche nach einem Mann zu sein, der gut zu mir passt. So etwas passiert. Und dieses: Man ist zusammen mit dem oder nicht ist ein automatisches Einkastln. Es gibt doch Hunderte Arten und Möglichkeiten von Beziehungen. Ich brauche dieses Definieren, dieses Einkastln nicht.

 

Ist für dich eine eigene Familie zu gründen Thema?

Sicher! Ich finde Kinder großartig. Schauen wir einmal, was passiert...

 

Was steht für dich 2015 an?

Neben der Josefstadt werde ich an mehreren Filmprojekten arbeiten. Unter anderem an einem Zombie-Film, der in den Bergen in Österreich spielt.

 

Hilde Dalik in weiteren sagenhaften Roben von JCHOERL findest Du in der Februar-Ausgabe der NIEDERÖSTERREICHERIN.


 

Text: Viktória Kery-Erdélyi

Produktion: Angelica Pral-Haidbauer, Viktória Kery-Erdélyi

Fotos: Chris Ecker

Mode: JCHOERL Fashion / Schmuck: Elisabeth Krainer / Schuhe: Natalie Rox

Styling: Dirk Nebel

Haare & Make Up: Dirk Nebel schminkte mit Produkten von Urban Decay

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