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People | 09.11.2015

Das schöne Krabbeln auf dem Teller

Keramikdesign mit Witz, Raffinesse und sehr viel Liebe zum Detail: Wir besuchten die international erfolgreiche Künstlerin Lena Bauernberger in ihrer Werkstatt in Melk.

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WORTGEWANDTE KERAMIK. Lena Bauernberger liebt es, aus der Reserve zu locken – mit Doppeldeutigkeiten, überraschenden Motiven oder ungewöhnlichen Kombinationen wie etwa dem Servierteller mit Serviette zum Aufknöpfen. (© Viktória Kery-Erdélyi)

Den lauten Alltagsstress sperrt sie aus. Das Radio, am liebsten Ö1, darf vielleicht aufgedreht sein. Oder leise Musik. Am liebsten Bach, seine Klavierstücke, die Goldberg Variationen. Man könnte gar die Borsten zählen, so feine Pinseln sind es, die Lena Bauernberger bevorzugt, wenn sie sich in ihre Werkstatt zurückzieht. Dort entstehen dann akribisch gezauberte Muster oder detailverliebte Naturstudien. Nicht etwa auf Papier. Die Melker Künstlerin lässt beispielsweise Fischköpfe in den Teller gleiten, Käfer über Tischplatten oder Teller krabbeln. „Meine Käfer polarisieren. Manche finden sie lustig, sind begeistert, andere ekeln sich davor“, verrät sie schmunzelnd. „Aber das ist auch gut so. Ich möchte mit meinen Arbeiten gerne die Menschen aus der Reserve locken.“ Aber niemals plump, sondern sozusagen auf Zehenspitzen. Ihr ästhetischer Anspruch ist hoch. Oft bedarf es eines zweiten Blickes oder eines zweiten Denkmoments, ehe sich die Überraschungen offenbaren. Wenn etwa zwei fein geschnitzte Füße – für die Holzarbeiten beauftragt sie einen lieben Freund – aus einem Servierteller ragen.

Engelsgeduld

Lena Bauernberger, Mama dreier erwachsener Kinder und im ersten Bildungsweg medizinisch technische Assis­tentin, hat sich vor rund zwei Jahrzehnten dem Keramikdesign verschrieben. Mit Herz und Seele. Und mit einer Engelsgeduld. „Manchmal dauert ein Entstehungsprozess Monate“, sagt sie.

„eL Be“, so ihr Künstlername, bemalt, dekoriert, zersägt, bestückt, durchbohrt Teller, Vasen, Lampen, Dosen, Tische und noch vieles mehr. Sie durchstöbert Schmuckmessen nach zauberhaften Chev­ronperlen aus Italien, wandert durch Weingärten auf der Suche nach besonders kunstvollen Weinreben, die schließlich etwa zu Griffen avancieren. Manchmal baumeln fragile Glaskugeln von kleinen Keramikdosen; Teller bekommen sogar ein Knopfloch, damit sie sich Stoffservietten auf- und abknüpfen lassen können oder werden zu einem romantischen Duett miteinander verwoben. Vasen wiederum erhalten als Bildrahmen eine Doppelfunktion.

Ein großes Plus: All diese spannenden Arbeiten müssen kein Dasein als Staubfänger fristen; so ungewöhnlich sie sind, sie bergen praktische, alltagstaugliche Funktionen in sich.

 

 

WORTGEWANDTE KERAMIK.
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(© Marion Carniel)
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(© Marion Carniel)
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(© Marion Carniel)
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(© Marion Carniel)
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(© Marion Carniel)
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(© Marion Carniel)
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(© Marion Carniel)

Internationale Erfolge

Längst haben auch Fachpublikum und Designverliebte von nah und fern die herausragenden Arbeiten von „eL Be“ für sich entdeckt. Internationale Fachzeitschriften präsentieren regelmäßig ihre sich stets erneuernden Kollektionen. Schon mehrmals stellte sie auf Einladung der Wirtschaftskammer bei dem „Salone del Mobili“ in Mailand aus, einer der weltweit größten und bekanntesten Messen. Ebenso gern gesehener Gast ist Lena Bauernberger bei der „Blickfang“ in Wien; Mitte November ist sie bei „Design 2015“ im Wiener Museum für Angewandte Kunst vertreten.

 

Lena Bauernberger, Keramik Dekor

Dorfnerstraße 23, 3390 Melk

Tel.: 0676/4292580

www.el-be.at

 
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