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People | 11.06.2015

Helmi, der Superpapa

Eigentlich ist er Schauspieler. Er leiht Helmi, ORF-Weltjournal- und Servus TV-Reportagen seine Stimme. Doch als Victor Couzyn Papa wurde, entschleunigte er seine Bühnenkarriere. Zum Vatertag verrieten uns seine drei Ladies, welches Zeugnis sie dem Papa und Ehemann ausstellen.

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Auf Augenhöhe: Papa Victor Couzyn versuchte seinen Töchtern Carmen und Melanie stets auf gleicher Ebene zu begegnen (© Caro Strasnik)

Es ist schon ein paar Jahre her, doch den Moment seiner Sprachlosigkeit sieht Victor Couzyn vorm geistigen Auge als wäre er gestern passiert. Und immerhin ist die Rede von einem Schauspieler, der seine sonore Stimme unter anderem packenden ORF-Weltjournal- und Universum-Dokus leiht. Sprachlos hatte ihn am besagten Tag seine Tochter Carmen gemacht. Sie sollte ihr Zimmer in Ordnung bringen, erst danach durfte sie zu einer Freundin. Die junge Lady weigerte sich. Böse Zungen behaupten, die Pubertät hätte damals bei der 13-Jährigen zugeschlagen. „Wir haben immer versucht, an die Vernunft zu appellieren – diesmal ohne Chance. Carmen zog sich an und wollte gehen. Ich stellte mich vor sie und da sah sie mir entschlossen in die Augen und sagte: ,Das ist Freiheitsberaubung.’“, schildert der Papa – und zum Glück können heute alle darüber lachen. Alle, das sind Victor Couzyn, seine Frau Andrea und ihre beiden Töchter Melanie, 19, und Carmen,17. Die Vier sind ein eingeschworenes Team, der Weg dahin war manchmal holprig, aber immer herzlich. Ein besonderes Familieninterview zum Vatertag – in einer grünen Oase in Wien.

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Papaglück (© Privat)

Als Sie Papa wurden, steckte das Thema Väterkarenz quasi in den Windeln. Sie aber entschieden, sich verstärkt Ihrer Familie zu widmen. Wieso?
Victor Couzyn: Mit der Geburt von Melanie hat sich das Leben radikal verändert. Ich hatte das Max Reinhardt-Seminar absolviert, war seit 1975 als freischaffender Schauspieler viel unterwegs. Aber ich wollte schon bei der Geburt dabei sein. Als ich schließlich dieses Butzerl im Arm hielt, war mir sofort klar: Da bleibe ich, da brauch’ ich jetzt Zeit. Ich wurde bei den Rollen wählerischer, wollte abends nicht mehr auf Theaterbühnen stehen, begann vermehrt Sprecherjobs anzunehmen, die ich mir zeitlich flexibel einteilen konnte. Wochenenden wurden mir heilig. Vor allem in der ersten Zeit drehte sich alles um die Kinder...
Melanie: Es war immer wer daheim...
Carmen: ... bis heute werde ich manchmal von der Schule abgeholt (lacht).
Melanie: Sie waren beide präsent. So konnten wir viel gemeinsam unternehmen, unsere Eltern waren immer bei Schulveranstaltungen dabei, sie halfen uns beim Lernen...
Victor: Ich bin als Kind eines Opernsängers und einer Malerin aufgewachsen. Ich hatte das große Bedürfnis, den Mädchen eine Kindheit zu schenken, die ich nicht hatte. Ich wollte ihnen Geborgenheit und Sicherheit geben.

Ist das finanziell möglich, als Freiberufler sehr wählerisch zu sein?
Andrea Couzyn: Wir wollten so viel Zeit wie möglich mit unseren Kindern verbringen. Dafür haben wir auch bewusst auf Dinge verzichtet.
Victor: Existenzielle Sorgen waren natürlich immer irgendwo da. Für den Fall, dass es „schiefgeht“, hatte ich einen Plan B im Hinterkopf: alles zu verkaufen, auszuwandern, etwa nach Costa Rica, und dort ein Restaurant als Familienunternehmen aufzumachen.
Melanie: Bis heute schmieden wir auf der Terrasse Pläne, wer dann welche Funktion übernehmen würde, wer den Tellerwäscher machen müsste (lacht).

Hat das auch `mal genervt, dass die Eltern so viel da waren?
Carmen: Silvester 2012 wollten wir sie tatsächlich mit Thermengutscheinen rauslocken.
Melanie: Das haben wir aber echt noch nie geschafft (lacht). Andererseits durften wir sowieso auch Partys machen, wenn sie da waren. Meine Freunde haben Papa, den berühmten Chilimeister, immer gemocht, schon in der Volksschule habe ich damit angegeben, dass er der Helmi ist (schmunzelt).
Victor: Wir saßen bei den Partys aber nicht daneben. Wir ließen ihnen die Freiheit und haben uns ins Kellerstudio zurückgezogen.

Das klingt nach so viel Harmonie. Gab es denn nie Streit?
(großes Gelächter)
Andrea: Im Ernst: Victor und ich streiten tatsächlich wenig und wenn, dann mit Respekt voreinander. Wir haben aber immer versucht, authentisch zu bleiben, haben da den Kindern nichts vorgegaukelt. Zwischen Carmen und Melanie gab es früher viele Konflikte; wohl aus einer Konkurrenzsituation heraus.
Victor: ... zur Verteidigung der eigenen Identität. Kinder sollten ihre Konflikte untereinander austragen können. Ich habe aber doch versucht, zu vermitteln.
Melanie: Ja, Papa kam mit seinen pädagogischen Ausführungen, wenn einfach jeder für sich sein wollte (schmunzelt).
Victor: Ich gebe zu, ich habe großes Bedürfnis nach Harmonie. Und den Punkt, an dem man sagt: „Habts mich alle gern!“ – den habe ich nie erreicht!

Bild Vic, Mel & Car.JPG
Trio im Urlaub – Mama musste knipsen (© Privat)

Welche Prinzipien sind für Sie in der Erziehung wichtig?
Victor: Absolutes Grundprinzip für uns: Wir haben immer versucht, unseren Kindern auf Augenhöhe zu begegnen, sie als gleichwertige Gesprächspartner zu sehen und mit ihnen offen und ehrlich zu reden.
Andrea: Wir haben nicht antiautoritär, aber liberal erzogen. Mit Sanktionen tat ich mir schwer.
Victor: Wir haben lieber an die Vernunft appelliert.
Melanie: Wir bekamen genug Freiräume und so wollten wir das Vertrauen auch nicht missbrauchen.
Andrea: Sie durften sich immer viel mit Freunden treffen, auch auswärts schlafen. Uns war wichtig, dass wir jeweils ein Gesicht zu den Namen ihrer Freunde und Freundinnen hatten.
Carmen: Wir wussten, wenn wir Scheiße bauen, tragen wir selbst die Verantwortung. Wir wurden zu ganz viel Eigenverantwortung erzogen.

Welche Wege habt ihr eingeschlagen?
Melanie: Ich tanze, seit ich denken kann: Jazz, Hip-hop, Bauchtanz... alles mögliche! Während meiner Zeit im Gymnasium bin ich schwer erkrankt und musste mit der Schule pausieren. Das kostete mich auch psychisch sehr viel Kraft; danach brauchte ich etwas, das die Begeisterung in mir weckt. Ich überlegte in Richtung Design, Innenausstattung, Sportausbildung, Eventmanagement... Schauspielerin wollte ich nie werden. Doch Papa hat mir immer wieder gesagt, ich hätte ein besonderes Talent...
Victor: Und das obwohl ich sonst immer davon abrate, Schauspieler zu werden...
Melanie: Ich ging schließlich zur Aufnahmeprüfung (Schauspielschule Krauss, Anm.) – da war ich erst 17. Viele waren schon zum fünften Mal dort und haben mir gesagt, ich hätte noch einen langen Weg vor mir. Und dann habe ich die Prüfung sofort bestanden. Das hat mich so aufgebaut, überhaupt der Unterricht dort seit 2013. Jetzt weiß ich, dass ich das will und auch kann!

Carmen, in welche Richtung gehst du?
Carmen: Ich mache nächstes Jahr die Matura an der HLW für Tourismus, danach möchte ich an der WU Internationale Betriebswirtschaft studieren. Vielleicht gehe ich dann in Richtung PR und in jedem Fall will ich auch ins Ausland. Ich möchte auch zwischendurch total gern ein „Gap Year“ („Lückenjahr“ zwischen zwei Lebensabschnitten, Anm.) einlegen, mich vielleicht auf Bali oder den Fidji an einem Projekt beteiligen...

Und Kinder und Familie?
Carmen und Melanie unisono: Ja, aber nicht vor 30.

 
Übrigens: Damit eine Familie funktioniert, sind die Bedürfnisse der Eltern nicht weniger wichtig, davon sind die Couzyns überzeugt. Andrea Couzyn, eigentlich Kamerafrau, Cutterin und Regisseurin bei Imagefilmproduktionen, absolviert gerade mit sehr viel Herzblut eine Ausbildung zur Freizeitpädagogin für Kinder und Jugendliche. Victor Couzyn, der nach wie vor in seinen Sprechrollen glücklich aufgeht, legte sich vor knapp zwei Jahren ein Schlagzeug zu...

 

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