Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 15.02.2016

„Die perfekte ,working mom’ ist ein Mythos“

Daniela Wandl ist neue künstlerische Leiterin der „Bühne im Hof“ in St. Pölten. Wir sprachen mit einer sehr enthusiastischen, ehrlichen und experimentierfreudigen Intendantin und Mama.

Bild Daniela_Wandl-6 -c- Florian Schulte.jpg
VOLLER VORFREUDE. Daniela Wandl fühlt sich in der „Bühne im Hof“ angekommen. Das Rampenlicht widmet sie der Kleinkunst in allen Formen, die Bühne reserviert sie für namhafte KünstlerInnen und für talentierte Newcomer. (© Florian Schulte)

St. Pölten, Donnerstag, 10 Uhr: Die Feiertage sind vorbei, für Daniela Wandl startet nach ihrem Urlaub nicht nur ein neues Jahr. Die Mailbox geht über, es stapeln sich die Anfragen und dennoch lässt die frischgebackene künstlerische Leiterin der „Bühne im Hof“ keinen Funken Stress im Interview aufkommen. Sie schweift aber auch nie ab, bleibt stets präzise. Und es wird Antwort für Antwort klar, dass Daniela Wandl nicht für sich Werbung macht, sondern vielmehr ein Liebesgeständnis für ein Kulturinstitut formuliert, an dem sie mit Leib und Seele hängt: „Für mich ist mit dieser Position ein Traum in Erfüllung gegangen.“

Warum gerade die „Bühne im Hof“ (BIH)?

Ich bin in St. Pölten zur Schule gegangen und fand die „Bühne im Hof“ seit ihrer Gründung spannend. Sie hat mit rund 400 Sitzplätzen eine ideale Größe, um Kleinkunst in ihrem Facettenreichtum zu präsentieren. Hier das künstlerische Programm zu gestalten, ist echt cool! Ich fühle mich angekommen.

Mimi Wunderer leitete mehr als 25 Jahre die BIH. Wie war die Übergabe?

Dieses Haus hat mit und dank Mimi Wunderer sehr viele Sternstunden erlebt. Sie ist nun in Pension und ich arbeite seit einem halben Jahre am neuen Programm. Ich werde nicht alles umdrehen; aber es wird neue Dinge geben, es geht um eine Weiterentwicklung.

Neben Vitasek, Düringer und Co. werden auch Newcomer auftreten. Das birgt mehr Risiko, das Haus vollzukriegen. Warum die Wagnis gleich im ersten Jahr?

Eine etablierte Bühne hat auch die Aufgabe, jungen Künstlern eine Plattform zu bieten. Gerade in der Kleinkunst haben wir viele neue, talentierte Leute. Es ist ein Experiment und ich hoffe sehr, dass es vom Publikum angenommen wird. Es wäre doch fantastisch, wenn es später über prominente Leute hieße: „Ich habe sie in der Bühne im Hof schon gesehen, als sie noch unbekannt waren.“

Wie finden Sie diese Talente?

Ich lese viel, versuche möglichst viel anzuschauen und tausche mich viel aus. Und wenn ein Niavarani ein sehr gutes Feedback über einen Otto Jaus gibt, dann hat das schon etwas zu bedeuten. Der Vorverkauf für Otto Jaus lief prima, wir haben nur noch Restkarten. Unter dem Motto „Jung & Saugut“ werden auch andere Bereiche abgedeckt; beispielsweise Musik – etwa mit den genialen „Marina & the Kats“.

 
Bild 2016 04 22 Marina - The Kats -c- Antonia Renner.jpg
BIG BAND IM MINIFORMAT. "Marina & the Kats" swingen am 22. April in der BIH (© Antonia Renner)

Steckbrief: 

Daniela Wandl wurde 1968 in Bad Ischl, OÖ, geboren. Bis 2014 leitete sie das „St. Pöltener Höfefest“ und war seit 1985 federführendes Mitglied der Initiative „Theater Perpetuum“. Zuletzt arbeitete sie bei der Niederösterreich-Werbung sowie beim NÖ Donaufestival. Das Studium der Theaterwissenschaft schloss sie mit ausgezeichnetem Erfolg ab (Diplomarbeit: „Com Coragem de ser feliz. Das Teatro Legislativo des Augusto Boal“, Daniela Panfy). Sie ist verheiratet, Mama einer achtjährigen Tochter und lebt in Obergrafendorf.

Die BIH förderte stets den Dialog zwischen den Kulturen. Wird diese Schiene fortbestehen?

Das bleibt ein Schwerpunkt. Zwei Programme sind fixiert: Am 28. Jänner sind der Asylrechtsberater Daniel Zipfel mit seinem ersten Roman „Eine Handvoll Rosinen“ sowie ORF-Korrespondentin Mathilde Schwabeneder zu Gast. Mitte April führen wir mit „MoZuluArt“ einen musikalischen Dialog – mit afrikanischer und klassischer Musik.

Sie möchten den Fokus auch auf die Jüngsten richten. In welcher Form?

Ich gehe mit meiner Tochter Emma – sie ist acht Jahre alt – für mein Leben gern ins Theater. Es gibt in St. Pölten tolle Produktionen, wie etwa die des Landestheaters, die immer schnell ausverkauft sind. Ich finde, dass da noch mehr geht. Also werden wir jeden ersten Sonntag im Monat für Kinder Kleinkunst in gemischten Formen, etwa mit Clownerie und Musik, haben. Montags bieten wir diese Programme dann Schulen und Kindergärten an. Zudem bringen wir „Boys Awakening“ für Jugendliche, eine viel gelobte Koproduktion von Dschungel Wien und Theater Foxfire.

 
Bild Buehne_im_Hof 4c -c-Buehne_im_Hof.jpg.jpg
DAS HAUS. Die „Bühne im Hof“ in St. Pölten (© Bühne im Hof)

Wie lassen sich Ihre Position und das Mamasein vereinbaren?

Wir lassen es auf uns zukommen (lacht)! Die „working mom“, die alles perfekt schupft, ist ein Mythos. Als ich die Zusage bekam, habe ich mich unbeschreiblich gefreut. Dann haben mein Mann und ich zwei Nächte fast durchgeredet, ob und wie wir das schaffen. Emmas Oma, mein Mann und ich werden uns die Nachmittage aufteilen.  Und ich setze mich, wenn es nötig ist, abends noch einmal an die Arbeit bzw. werde ich abends auf Veranstaltungen sein. Wichtig ist: Mir macht dieser Job so großen Spaß, dass ich auch gut drauf bin, wenn ich heimkomme.

Sie haben mit dem fantastischen Theatermacher Augusto Boal in Brasilien gearbeitet. Wie kam es dazu?

Das war großartig! Ich habe ihn bei einem Workshop in Südtirol kennengelernt. Dort hat er von seinem „Legislativen Theater“ erzählt, das auf seinem „Theater der Unterdrückten“ basierte (Formen des politischen Theaters, die konkret auf reale Veränderungen abzielen, Anm.). Ich war gefesselt – und ohnehin gerade auf der Suche nach einem Thema für meine Diplomarbeit. Mein Professor Ulf Bierbaumer hat mich ermutigt und ich bekam ein Stipendium vom Wissenschaftsministerium. So durfte ich ein halbes Jahr in Rio verbringen. Ich betrieb Feldforschung, arbeitete mit den Straßenkindern, mit den Menschen in den Favelas. Eine unvergessliche Zeit! Ich habe Rio de Janeiro ins Herz geschlossen …

Programm unter: www.buehneimhof.at

 
 
Diskutiere mit uns und deinen Freundinnen diesen Beitrag:
powered by Disqus