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People | 30.11.2016

„Sie ist eine Wucht!“

Die Luft war zum Schneiden dünn, als Tobias Moretti den Namen seiner Buhlschaft aussprach: Stefanie Reinsperger. Mit der 28-jährigen Schauspielerin aus der 2.900-Seelen-Gemeinde Biedermannsdorf wird er als „Jedermann“ gemeinsam ab 2017 die DNA des Salzburger Domplatzes neu definieren.

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„Die Buhlschaft bietet dem Jedermann die Stirn. Das ist erotisch.“ - Stefanie Reinsperger (© Calle Fuhr, Anne Zeuner, www.lupispuma.com/Volkstheater)

Längst ist sie kein Geheimtipp mehr, sie ist der Shooting-Star schlechthin. Dass es den Salzburger Festspielen gelungen ist, ihren Namen so lange geheim zu halten, grenzt an ein Wunder. Umso größer dann der Jubel – hat sich die vielfach prämierte Schauspielerin doch längst in die Herzen des Theaterpublikums eingeschrieben, denn Reinsperger lebt ihr Interesse an den verschiedensten Rollen des „Mensch-seins“ radikal, ehrlich und mit vollem Einsatz ihres Körpers aus. Theaterblut hat sie bereits in einer Kindertheatergruppe in London, wo sie mit Eltern und Schwester lebte, gerochen – und nie mehr aufgehört zu spielen. Im nächsten Sommer am Domplatz. „Er ist unser Mann fürs Feine, sie ist eine Wucht“, bringt es Intendant Markus Hinterhäuser auf den Punkt. „Sie wird eine unkonventionelle Buhlschaft voller Esprit sein“, freut sich Tobias Moretti. Der Niederösterreicherin gab Stefanie Reinsperger das erste Interview nach der Präsentation.

Niederösterreicherin: Stefanie, wie groß war die Überraschung, als Buhlschaft angefragt zu werden?

Stefanie Reinsperger: Sehr groß! Ich hatte nicht im Traum damit gerechnet, und ich bekam ganz weiche Knie, als die Anfrage kam. Es war eine ganz, ganz große Freude …

Wer hat Sie angerufen?

Bettina hatte mich angerufen (Anm. d. Red.: Bettina Hering, die neue Leiterin des Schauspiels). Meine erste Frage war, wer den Jedermann spielt, und ich hab mich wahnsinnig darüber gefreut, als ich hörte, es ist Tobias Moretti. Also meinte ich zu Bettina, ich muss noch einen Kaffee trinken und melde mich dann am nächsten Tag bei ihr.

 

Stefanie Reinsperger
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DREAM-TEAM. Der Jedermann und seine Buhlschaft (© Anne Zeuner)
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GRATULATION. Chefredakteurin Angelica Pral-Haidbauer mit Stefanie Reinsperger bei der Präsentation (© Calle Fuhr, Anne Zeuner, www.lupispuma.com/Volkstheater)

Sie waren ja Morettis absolute Wunschkandidatin …

Tobias kam in eine meiner Vorstellungen, so lernten wir einander kennen. Für die Buhlschaft ist es ja das Wichtigste, mit jemandem gemeinsam diese Rolle zu entwickeln, und er ist jemand, mit dem man denken und fantasieren kann. Ich sehe die Buhlschaft als eine, die mit dem Jedermann auf Augenhöhe sprechen kann. Darin liegt für mich ihre Anziehungskraft, ihre Erotik. Sie bietet ihm die Stirn, das ist ihre spannende Weiblichkeit. 

Also eine nicht – wie oftmals – auf Sinnlichkeit und Erotik reduzierte Figur im verführerischen Kleid ...

Ehrlich gesagt, bin ich ganz froh, dass ich darüber noch lange nachdenken kann. Ich bin jetzt mitten in den Endproben für Medea am Volkstheater, habe dazwischen auch noch zwei andere Premieren – und dann werde ich mich der Rolle der Buhlschaft widmen, mit so viel Freude, Liebe und Hingabe, wie ich es immer mache.

Ist es ein großer Druck, an den 32 großen Schauspielerinnen, die diese Rolle bereits verkörperten, gemessen zu werden?

Die Buhlschaft haben ja sehr unterschiedliche Frauentypen gespielt. Wenn ich an eine Sophie Rois oder an Birgit Minichmayr denke, so sind dies zwei völlig andere Typen als z.B. Sophie von Kessel. Deshalb empfinde ich es als ein wahnsinnig großes Geschenk, mich da anreihen zu dürfen. Nachspielen kann man sowieso nichts. Ich bin die, die ich bin, und werde mit viel Ehrlichkeit versuchen zu spielen. Ja, es ist absurd und ungreifbar, jetzt in dieser Liste dabei zu stehen.

Freuen Sie sich auf den Sommer in Salzburg?

Ich liebe Österreich-Urlaube so sehr, deshalb mache ich auch immer im eigenen Land Urlaub und war auch schon öfter in Salzburg.  

Und Sie sind ja auch schon Domplatz-erprobt …

(lacht) Ja, als ich mit meinen Eltern am Domplatz spazieren ging, habe ich ganz laut „Jedermann“ gebrüllt …

Werden Sie mit Ihrer Familie in Salzburg wohnen?

Ich brauche, ehrlich gesagt, vorerst  in Salzburg sicher einmal meine Ruhe, denn ich habe schon von mehreren gehört, wie wichtig es in dieser Zeit ist, sich zurückzuziehen. Wenn aber dann meine Familie zur Premiere oder  zu einer anderen Vorstellung kommt, werde ich mich sehr freuen.

Wie man sich in Niederösterreich bereits jetzt freut, dass Sie die Buhlschaft spielen werden ...

Also, es war mir nicht so klar, welche Bedeutung es hat, aus welcher Region die Buhlschaft kommt. Ich bin in Baden nur geboren, bin aber in Biedermannsdorf, zwischen Mödling und Laxenburg, in einer kleinen Marktgemeinde aufgewachsen – das ist mir ganz wichtig. Also hinter den Bergen bei den sieben Zwergen (lacht). Ja, ich hoffe, die freuen sich mit mir …

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Als Nora von Henrik Ibsen am Volkstheater (© David Parizek)

ABOUT

Stefanie Reinsperger (28) wuchs in Biedermannsdorf und London auf. Nach ihrem Abschluss am Reinhardt-Seminar 2011 war sie Ensemblemitglied am Schauspielhaus Düsseldorf, spielte danach u.a. in so erfolgreichen Produktionen wie „Die lächerliche Finsternis“ unter der Regie von Dušan David Pařízek am Burgtheater Wien und wechselte in der Spielzeit 2015/16 ans Wiener Volkstheater, weil sie sich dort thematisch mehr angesprochen fühlte. Dem TV-Publikum ist sie neben einer Episodenhauptrolle in „Schnell ermittelt“ und dem ORF-Landkrimi „Die Drachenjungfrau“ u.a. auch aus Produktionen wie David Schalkos „Braunschlag“ bekannt. Für ihre darstellerische Leistungen wurde sie mehrfach ausgezeichnet, erhielt 2015 als beste Nachwuchsschauspielerin den Nestroy-Preis, für den sie auch heuer wieder nominiert ist.

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