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People | 08.03.2017

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Viele Jahrzehnte Kampf um Gleichberechtigung hat der Internationale Frauentag am Buckel. Und nun: Alles super? Die „Musical Mamis“ Shlomit Butbul und Astrid Golda im leidenschaftlichen Mutter-Tochter-Talk

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Astrid & Ida Golda (© Viktória Kery-Erdélyi)

Astrid & Ida Golda

Die Sängerin Astrid Golda ist dreifache Mama, lebt in Wolfsgraben und arbeitet gerade an ihrem zweiten Album. Tochter Ida, 18, hängte kürzlich das Gymnasium an den Nagel, um ihr großes Glück an der Schauspielschule Krauss zu finden.

Astrid Golda und Shlomit Butbul gehören zum treuen Team der Musical Mamis, die am 20. März im Wiener Metropol zugunsten der Einrichtung „YoungMum“, die schwangere Teenager betreut, auftreten.

 

 

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(© Viktória Kery-Erdélyi)

Noch 170 Jahre?!

Wie erlebst du das Mamasein?
Astrid:
Mir war schon als Teenager klar, dass ich Kinder haben werde. Es war nicht leicht, aber es hat immer zu meinem Leben gehört. Das spürt jede Frau, ob sie das will oder nicht. Abtreibungsverbote sind unfassbar!

Was sind die großen Herausforderungen?
Astrid: Die Anstrengung, mit Schlafmangel den Alltag zu meistern. Kranksein und trotzdem funktionieren müssen. Zum Glück ist die Erziehung liberaler geworden, aber das macht es auch schwieriger. Es gab Situationen, in denen ich an meine Grenzen gekommen bin. Da habe ich mich manchmal weggesperrt, damit nichts passiert (lacht).

Wie wirst du als Mama sein?
Ida: Ich bin ein Riesenfan von den „Gilmore Girls“ – so eine Mama, die eine freundschaftliche Beziehung zu ihren Kindern hat.
Astrid: Wenn man sein Kind res­pektiert, kriegt man automatisch so eine Beziehung. Damit meine ich nicht, dass man keine Grenzen setzt. Selbst in Idas Teenagerzeit hatten wir gar nicht diesen Bruch.
Ida: Je älter ich werde, desto freundschaftlicher wird unsere Verbindung.

Beschäftigt euch das Thema Gleichberechtigung?
Astrid: Immer! Frauen verdienen noch immer weniger, sind benachteiligt. Der erste Satz, den ich mal in einem Wiedereinsteigerkurs hörte: Wenn ihr außer dem Kindergarten niemanden für die Betreuung habt, könnt ihr gleich wieder gehen. Als Frau hast du echt die Arschkarte im Berufsleben.
Ida: Es ist ja selbst bei uns Schauspielerinnen schwierig, weil viele Frauenrollen so klischeehaft sind.
Astrid: Das 40-Kilo-Püppchen gibt‘s noch immer. Das nervt!
Ida: Ich bin ein Riesenfan von der Stefanie Reinsperger! Dass sie jetzt die Buhlschaft in Salzburg spielt, lässt hoffen.
Astrid: Wenn Männer wie Trump, die so ein arges Frauenbild haben, an die Macht kommen, das ist erschreckend! Wir waren im Dornröschenschlaf. Jetzt sind wieder alle wach, jetzt gehen wir auf die Straße!

Ist der 8. März speziell?
Astrid: Man kann den Frauentag nutzen, um zu sagen: Es wäre uns sehr lieb, wenn wir diesen Tag nicht bräuchten, weil wir so gleichberechtigt sind. Aber das wird laut einer Studie noch mindestens 170 Jahre dauern ...

 

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Jazz Gitti & Tochter Shlomit Butbul (© Viktória Kery-Erdélyi)

Jazz Gitti & Tochter Shlomit

Im „Rathaus“, dem Lieblingslokal der Frau Mama in Korneuburg, trafen wir Jazz Gitti und Tochter Shlomit Butbul. Ihr aktuelles Soloprogramm mit vertonten Erich Fried-Liebesgedichten präsentiert sie ab 12. März im Wiener Odeontheater. Zudem tritt die dreifache Mutter regelmäßig mit ihrer österreichischen Ethno-Jazzband sowie ihrer New Yorker Formation auf. „Im Unterschied zu mir ist sie wirklich fleißig“, lacht Jazz Gitti, die freilich ebenso unermüdlich die Bühnen rockt.

Wie ist eure Beziehung?
Jazz Gitti: Zusammenleben wollte ich nicht mit ihr (lacht), aber wir lieben uns abgöttisch!
Shlomit: Wir sind beide starke Persönlichkeiten. Wir hatten auch schwierige Phasen, aber ich liebe meine Mutter sehr! Zwischen uns ist alles ausgesprochen: das Positive, das Negative.
Jazz Gitti: Was soll ich auf mein Kind böse sein? Die Shlomit habe ich neun Monate in meinem Bauch getragen, das ist mir mein nächster Mensch. Ich kann zornig sein, aber nicht im Streit weiterleben.
Shlomit: Sie ist meine Mama und meine Freundin. Aber eine anstrengende (lacht).

Was ist das Wichtigste, das ihr euren Kindern mitgeben wollt?
Jazz Gitti: Muttermilch (lacht)!
Shlomit: Dass sie wissen, dass sie bei mir zuhause sind, wo auch immer ich bin, bei mir dürfen sie alles machen – Positives und Negatives. Als Alleinerziehende täglich jede Entscheidung allein zu treffen, das ist anstrengend, schwierig und verantwortungsvoll. Aber ich bin sehr froh, sie zu haben!

Was ist schön am Frausein?
Shlomit: Das Interesse, sich weiterzuentwickeln. Frauen gehen gern in die Tiefe. Selbst wenn es oft heißt, Frauen sind schwierig, weil sie immer alles genau wissen wollen – das lohnt sich!
Jazz Gitti: (Singend) I wü‘s goa net wissen ...
Shlomit: Doch, du willst es wissen, sonst würdest du nicht so gut aussehen – mit 70 so voll Energie!

Wie seht ihr das Thema Gleichberechtigung?
Shlomit: Wie lange kämpfen wir schon für die Gleichberechtigung der Frau – und jetzt haben wir so einen Präsidenten in Amerika und fangen von vorne an?! Das ist doch ein Patriarchat bitte!
Jazz Gitti: Meine Mutter hat immer gesagt, die arme Frau, die sagen muss: „Papa, bitte kauf mir ein paar Strümpfe.“ Ich habe immer mein Geld verdient!
Shlomit: Jüdische Frauen werden dazu erzogen, ihren Intellekt zu verwenden. Das ist ein Matriarchat in Israel. Was die Frau will, wird gefördert, denn sie gibt das Leben weiter. Die Frauen müssen vorgeben, wohin sie wollen. Es ist auch nicht falsch, sich zu verirren. Ich mag dieses jüdische Sprichwort: Es gibt Menschen, die kommen früh drauf, es gibt welche, die kommen später drauf. Arm sind die, die nie draufkommen. Mein Lebensmotto: Du hast jeden Moment die Möglichkeit, neu zu beginnen.

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