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People | 16.03.2017

Mein Körper, meine Entscheidung

Fuchsteufelswild wird Franziska Weisz, wenn Frauen für ihre Entscheidungen verurteilt werden. Das treibt die in Breitenfurt aufgewachsene Staraktrice in Los Angeles sogar auf die Straße.

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(© Markus Nass / T & T)

Die Chamäleon-Frau

Sie liebt, leidet, macht Jagd auf Mörder – vor der Kamera wechselt Franziska Weisz ihre Gesichter wie ein Chamäleon die Farben. Die 36-Jährige ist „Tatort“-Ermittlerin und preisgekrönte Schauspielerin in packenden Dramen. Die Liste der geliehenen Charaktere ist verblüffend lang.

Im März hat man gleich zweimal das Vergnügen mit der in Breitenfurt aufgewachsenen Aktrice: Mit „Treibjagd im Dorf“ gilt es, eine blutige Tragödie aufzuklären (ORF2, 22. März, 20:15 Uhr). Eine ehrgeizige Uniprofessorin, die sich gegen das Mamasein entschieden hat, spielt sie in „Ich will (k)ein Kind von dir“ (ARD, 17. März, 20:15 Uhr).

Franziska Weisz selbst will eine Familie, sagt sie im NIEDERÖSTERREICHERIN-Interview. Doch dass man sich nach wie vor erdreistet, private Entscheidungen von Frauen zu verurteilen, macht sie wütend. Ebenso wie der Präsident der USA ...

NIEDERÖSTERREICHERIN: Sie wurden bei Ulrich Seidls „Hundstage“ entdeckt, eine Schauspielschule hatten Sie nicht besucht. Wussten Sie trotzdem: Das ist mein Weg?
Franziska Weisz: Es war schon als Kind mein Traum. Aber ich dachte, das ist genauso normal, wie es normal ist, Affen zu lieben. Irgendwann habe ich festgestellt, dass nicht alle Affen lieben und nicht alle Schauspielerin werden wollen (lacht).
Ich wurde damals von Markus Schleinzer, der mittlerweile Regisseur ist, für etwas anderes gecastet. Da sagte er: „Wir improvisieren jetzt ...“ – Das war schon für „Hundstage“, ohne dass ich das wusste. Ich habe die Dreharbeiten lange für mich behalten: zu gut, um wahr zu sein. Also tat ich, was ich mir davor vorgenommen hatte: Ich ging nach England, um zu studieren. Dann kam der Film heraus und war ein großer Erfolg! 

Sie studierten Entwicklungs- und Umweltpolitik. Was war der Plan?
Für mich ist das das interessanteste Studium überhaupt! Da geht es um Themen, die uns alle begleiten, die hier und jetzt unser Leben bestimmen. Die Flüchtlingssituation hat nicht nur mit dem Krieg zu tun; sie hat wirtschaftliche, religiöse und andere Wurzeln. Es wird in Kriegen auch weiterhin um Bodenschätze wie Wasser oder Öl gehen.Ich würde das jederzeit wieder studieren; ich lese nach wie vor sehr viel dazu.

 

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(© Markus Nass / T & T)

Women's March

Sie haben auf Facebook ein Video von einem „Women’s March“ in Los Angeles gepostet. Waren Sie aktiv dabei?
Ich bin mitmarschiert und habe Plakate hochgehalten. Ich war mit Freunden dort, die Stimmung war faszinierend: Da hörte man kein Geschrei, es war total friedlich. Da war auch keine Polizei – das ist doch schon eine Message!

Warum haben Sie sich beteiligt?
Wer ist schon mit diesem Präsidenten einverstanden?! Dem wollte auch ich Luft machen! Das Erste, was er im Amt gemacht hat, war, dass er die staatliche Unterstützung für „Planned Parenthood“ gesperrt hat (Anm.: die Non-Profit-Organisation bietet in Hunderten US-Kliniken medizinische Dienste in den Bereichen Sexualmedizin, Gynäkologie, Familienplanung). Genau dagegen haben wir demonstriert. Ein wichtiger Grundsatz: „My body, my choice“ – Mein Körper, meine Entscheidung. Mitmarschiert sind auch genug Männer. Man kann als integerer Mann auch nicht mit einer Frau zusammen sein und ihre Rechte nicht achten. Ich war mehr oder weniger als Touristin in den USA, aber natürlich betrifft uns das alle. Man kann nicht so tun, als wäre er nur ein Präsident in einem anderen Land. Die amerikanischen Gesetze, Probleme, Entwicklungen – die gehen uns alle sehr viel an!

 

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NEU IM TV. Am 22. März zeigt ORF 2 „Treibjagd im Dorf“, auf ARD läuft am 17. März „Ich will (k)ein Kind von dir“. (© ARD / DEGETO / Frédéric Batier)

Im März kommt „Ich will (k)ein Kind von dir“ ins Fernsehen. Sie spielen eine erfolgreiche Frau, die trotz glücklicher Beziehung kein Kind will. Können Sie das nachvollziehen?
Ich habe für mich eine andere Entscheidung getroffen und hoffe sehr wohl, dass ich mal Kinder habe. Aber: Das ist die persönlichste Entscheidung überhaupt! Das Wichtigste ist: Dass die Entscheidung für oder gegen ein Kind weder von sich selbst, noch von anderen oder aus gesellschaftlichen Gründen erzwungen wird.

Wie weit sind wir beim Thema Gleichberechtigung?
Es gibt massive Unterschiede – zwischen Ländern, Regionen, Kulturen, Religionen, Milieus; man kann nicht generalisieren. Einer gewissen Gruppe an Frauen – da zähle ich mich dazu – geht es gut; wir müssen uns für andere stark machen. Es ist nun mal so: Frauen kriegen Kinder. Daraus sollte aber kein wirtschaftlicher Nachteil entstehen. Eine Rollenverteilung, wenn eine Frau beispielsweise anfangs zuhause bleiben und stillen will, kann auch gut und nützlich sein; Frau und Mann sind nicht gleich. Aber es ist wichtig, dass wir die gleichen Chancen haben.

Sie sind in Breitenfurt aufgewachsen, leben heute mit Ihrem Mann zumeist in Berlin. Haben Sie Heimweh?
In erster Linie nach meiner Familie, die da lebt, und das wird auch immer mehr. Meine erste Krankheit war tatsächlich Fernweh (lacht). Für mich war immer klar: Egal, welchen Beruf ich ergreife, der muss mich auf der Welt herumtreiben. Das hat sicher damit zu tun, dass ich zuhause stark verankert bin. Ich weiß: Ich kann jederzeit zurückkommen, ohne irgendetwas zu verlieren.

 

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GANZ SCHÖN HAPPY. Franziska Weisz mit Ehemann und Regisseur Felix Herzogenrath (© Hubert Boesl / dpa / picturedesk.com)

Sie sprachen kürzlich davon, dass der Verlust Ihrer Großeltern Sie nach Jahren noch schmerzt. War das eine besondere Beziehung? 
Ja! Meine Mutter war Alleinerziehende von drei Kindern, und das in den 1980ern. Da sah es für Frauen noch ganz anders aus. Dass sie arbeiten konnte, um ihre Kinder durchzubringen, funktionierte, weil meine Großeltern im Nebenhaus waren. Sie haben mich von der Schule abgeholt, Oma hat gekocht und darauf geschaut, dass ich meine Hausaufgaben mache.
Heute leben die Großeltern oft weit weg; da braucht es einen Hort, eine Tagesmutter, ein Kindermädchen ... Und dann heißt es oft: Wozu hat die Kinder, wenn sie sie in der Gegend herumschiebt? Dieses Urteil finde ich wahnsinnig gefährlich! 
Mir hat es an nichts gefehlt. Meine Mutter hat hart gearbeitet, meine Großeltern haben sie toll unterstützt. Da war ein ganz enger Familienzusammenhalt, der sehr schön war.

Sie spielen in Krimis, Dramen, Liebesgeschichten ... Was ist Ihr Geheimnis für diese Vielseitigkeit?
Ich mag es gar nicht so gerne, wenn ich zweimal hintereinander etwas Ähnliches spiele. Ich mache diesen Beruf ja auch, um nicht immer dieselbe Geschichte, dasselbe Schicksal zu erleben. Je unterschiedlicher die Charaktere, desto lieber schmeiße ich mich rein! So bleibe ich wach und erarbeite mir jede Rolle von Grund auf neu.
Sie sind noch nicht Mutter, Ihren Schmerz spielen Sie beispielsweise im aufwühlenden Film „Kreuzweg“ mit herzzerreißender Authentizität – wie bereiten Sie sich auf Rollen vor?
Ich frage mich, wer dieser Mensch ist, was der will, was er bereit ist, für seine Ziele zu tun. In diesem Fall ist es nicht die Intention der Mutter, ihre Tochter schlecht zu behandeln, aber sie hat starke Überzeugungen. Sie quält ihre Tochter nicht aus Boshaftigkeit, wenn sie ihr etwa moderne Gospels verbietet, sie will sie vor dem Teufel bewahren. Sie zwingt sie in ein für sie richtiges Muster, die Tochter geht dabei zugrunde ... Dieser Film bleibt immer aktuell.

Sie spielten darin eine fanatisch gläubige Mutter – glauben Sie an Gott?
Ich habe großen Respekt vor der Schöpfung, bei Gott bin ich mir nicht sicher. Wie wir Menschen, die Welt, die Naturgesetze funktionieren, das ist so perfekt, so groß. Größer, als wir das überhaupt begreifen können. Selbst Naturwissenschaftler beantworten die wichtigen Fragen mit Philosophie, nicht mit Zahlen. Doch wie glaubt man an die Schöpfung, ohne an den Schöpfer zu glauben?

 

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