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People | 10.04.2017

Liebesmelodien

Von romantischer Walzerglückseligkeit bis zu Tanzen mit Elvis deckt Musical-Star Anita Hofmann ein breites musikalisches und tänzerisches Repertoire ab. Ab Juni bringt sie weitere Ikonen auf die Bühne: die Andrews Sisters.

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BURNING LOVE. Hinreißend im Rockabilly-Kleid (© truecolor.at, Sabine Windsor, Stefan Gessl)

Fotos: truecolor.at, Sabine Windsor, Stefan Gessl

Frühling in Wien, eine Gräfin, die enttäuschte Marie und Gustl, der Deutschmeister, im Heurigen „Zur Reblaus“. Und schon sind wir mitten drinnen in einem Stück längst vergangener Zeit. Romantische Szenen mit einem Schuss Drama – adaptiert und auf die Bühne gebracht von der Allrounderin aus Krems an der Donau.


NIEDERÖSTERREICHERIN: Frau Hofmann, wie haben Sie Ihre Liebe zum Musical entdeckt?
Meine Eltern waren beide sehr im Elternverein der örtlichen Volksschule engagiert und organisierten Theaterfahrten ins damalige Stadttheater St. Pölten. Ich war fünf und begeistert von dem Lüster, der zu Beginn der Vorstellung nach oben gezogen wurde. Später konnte ich im Rahmen einer Theaterfahrt des Theaters der Jugend eines der schönsten Stücke der Musicalwelt sehen, „Das Phantom der Oper“. Von da an hörte ich die Schallplatte rauf und runter und versuchte, die Partien der Christine mitzusingen. Gebetsmühlenartig wiederholte ich: „Ich stehe auch einmal auf dieser Bühne.“ Jahre später durfte ich meine ersten Gesangs- und Tanzstunden nehmen. Hintergedanke meiner Eltern war jedoch, mich von diesem Beruf wegzubringen (lacht). Ich aber blieb dabei und schloss meine Ausbildung in Hamburg ab.


Inwieweit haben Sie Ihre Eltern dann doch gefördert?
Auch wenn sie noch immer meine schärfsten Kritiker sind, stehen sie seit Beginn der Ausbildung voll hinter mir und unterstützen mich, wo sie nur können. Sei es beim Bauen und Planen von Bühnenbildern, beim Beschaffen von Kostümen und Requisiten oder im Management. Ich bin wahnsinnig froh, solche Eltern zu haben. Sie haben sich richtig in dieses Genre eingelebt, obwohl wir keine typische Schauspielerfamilie sind. Durch ihr Feedback werde ich nicht betriebsblind und verliere den Bezug zur Realität nicht.

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(© truecolor.at, Sabine Windsor, Stefan Gessl)
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SO SINGT MAN NUR IN WIEN. Das Operetten- Musical begeistert das Publikum (© truecolor.at, Sabine Windsor, Stefan Gessl)
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LIEBE AUS DEM INTERNET. August 2011 Hochzeit mit Jürgen Leutgeb, Tonmeister im Burgtheater (© truecolor.at, Sabine Windsor, Stefan Gessl)

In Ihrem Operetten-Musical „So singt man nur in Wien“ nehmen Sie Anleihe bei den alten Marischka-Filmen. Was fasziniert Sie an diesen „Kaiserzeit-Filmen“?
Als junges Mädchen war ich vorrangig von den Kleidern, der Sprache und den galanten Umgangsformen der Männer der damaligen Zeit beeindruckt. Abgesehen davon habe ich ein großes Interesse an der wahren Kaiserin Elisabeth, geweckt durch die Sissy-Filme. Meine umfassende Sammlung an Büchern rund um die Kaiserin sprengen bald unser Bücherregal (lacht). Unser Operetten-Musical in diesem Stil zu gestalten, war daher nur eine logische Folge, zumal meine Kollegin in der Rolle des Fräulein Lise die Marischka-Filme wie ich liebt. Da haben sich zwei Seelen gefunden! Wir leben unsere Rollen, fühlen uns in den Kleidern irrsinnig wohl, und die Sprache kommt aus unserem tiefsten Innersten. Das spürt das Publikum. Eine lustige Geschichte am Rande: Immer wieder werde ich gefragt, warum das weiße Kleid von den Plakaten in der Vorstellung nicht vorkommt. Also, mein bestelltes Kleid blieb im Versand hängen, so musste kurzerhand mein Brautkleid mit Schleppe und großem Reifrock herhalten. Wahrscheinlich wusste ich schon bei meiner Hochzeit, dass ich es noch einmal brauchen würde (lacht). Eine Woche vor der Premiere kam dann das Bühnenkleid doch noch an.


Warum machen diese Melodien noch immer die Menschen glücklich?
Ich glaube, dass die Menschen heute wieder mehr Ablenkung von den alltäglichen Problemen suchen und vermehrt Sehnsucht nach einem Miteinander haben. Die Liedtexte haben außerdem eine Romantik, die in unserer heutigen hektischen Zeit oftmals fehlt. Wenn mein Publikum nach einer Vorstellung mit strahlenden Gesichtern auf mich zukommt und sich bedankt, dass ich sie für die Dauer des Stücks in eine andere Zeit entführt habe, dann ist meine Arbeit gelungen.


Genrewechsel. Mit Ihrem Programm „Valentin 2.0“ lassen Sie die Sprache des Karl Valentin, dem Charlie Chaplin des Wortes, zum Thema werden. Faszinieren Sie persönlich diese valentinesken Figuren, bei denen oftmals nur ein Buchstabe Anlass zu langwierigen Diskussionen ist?
Karl Valentin ist für mich der Inbegriff eines Kabarettisten. Wie bereits Nestroy hält Karl Valentin seinem Publikum einen Spiegel vor Augen – in seiner spitzen, aber doch liebenswürdigen Art. In meinen Vorstellungen höre ich Frauen sagen: Siechst, siechst, so is des bei uns a...“ (lacht). Dann weiß ich, dass die Szene geklappt hat. Oft ertappe ich mich, wie ich in einer Unterhaltung Textpassagen rezitiere, diese punktgenau passen und niemand bemerkt, dass dies ein Schauspieltext war. Es ist faszinierend, wie aktuell seine „Beziehungs-Dialoge“ immer noch sind. Bei Karl Valentin sind die Frauen etwas rescher und, sagen wir, diskussionsfreudiger. Den Mitleidsfaktor erbt jedenfalls der Mann. Grundtenor ist, dass der Mann trotz vieler Argumente bei der Frau nicht durchkommt, sie quasi die Hosen anhat und der Mann sich fügen muss. Streng genommen hat sich da bis heute wenig verändert. Die Diskussionen sind noch immer die Gleichen, da hilft auch keine Emanzipation. Mutter Natur hat eben Mann und Frau emotional anders ausgestattet – und das ist auch gut so...

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(© truecolor.at, Sabine Windsor, Stefan Gessl)
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NÖ KREATIV. „Fan“ Johanna Mikl-Leitner mit Anita Hofmann und ihren TeilnehmerInnen des Workshops der Begabtenakademie in Krems (© truecolor.at, Sabine Windsor, Stefan Gessl)
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BALLETT. Jazz, Swing & Stepp Infos: www.anita-hofmann.at (© truecolor.at, Sabine Windsor, Stefan Gessl)

Sie sind Produzentin, leiten aber auch Musical-Workshops für Erwachsene und Kinder, unterrichten Klassisches Ballett. Wer macht da mit?
Meine erwachsenen Kursteilnehmerinnen und sogar Kursteilnehmer, auf die ich SEHR stolz bin, kommen aus verschiedenen Gründen. Entweder sie hatten bereits als Kind Ballettunterricht und wollen nun, nach den Kindern, wieder tanzen; oder sie hatten in der Kindheit nicht die Zeit oder das Geld zur Verfügung und verwirklichen sich nun diesen Wunsch. So habe ich stets voll motivierte Menschen um mich herum, die mit Freude dabei sind. Natürlich habe ich auch Teilnehmer mit gesundheitlichen Problemen wie Verspannungen oder schlechter Haltung, die bei mir als Alternative zu Gymnastik trainieren. Wenn dann im Laufe der Zeit Verbesserungen erzielt werden können, habe ich meinen Auftrag erfüllt. Es muss nicht jeder ein Spitzentänzer sein. Mir ist die Freude an der Bewegung das Wichtigste. Die Kinder in meinen Workshops haben ganz andere Beweggründe. Hier stehen mehr die Neugierde, der Spaß und oftmals auch das Thema, wie z.B. „Cats“ oder „Frozen“, im Vordergrund.


Wer waren eigentlich LaVerne Sophie, Maxene Angelyn und Patricia Marie?
Das sind die Mitglieder der wohl bekanntesten, zumindest aber der am meisten gecoverten Girl-Group im Jazz-, Swing- und Popbereich – die Andrews Sisters. Bekannt sind vor allem ihre Songs „Rum & Coca Cola“ oder „Bei mir bist du scheen“. Dieser Song ist auch Titelgeber meiner neues­ten Produktion, ein biografisches Musical über das Leben und Schaffen dieser drei Ausnahmetalente.


Was erwartet uns?
Ich inszeniere diese Produktion wieder gemeinsam mit meinem Mann. Die Schwestern nehmen die Zuschauer vorab mit in jene Zeit, als alles begann. Dann schlittern wir allmählich in die Geschichte, die in der damaligen Gegenwart der 1940er- bis 1960er-Jahre erzählt wird. Eingearbeitet sind die bekanntesten Songs, aber auch Titel, die man weniger oft hört. Wir bedienen uns einer originalgetreuen Ausstattung des Tonstudios wie auch der originalen Kostüme. Highlight sind auch die Videoprojektionen mit Originalausschnitten sowie unsere beiden Stepp-Nummern. Die Zuschauer dürfen sich jedenfalls auf einen spannenden Abend freuen...

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