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People | 12.07.2017

Ein Schloss voll Leben

Nur wenige Tage vor der Geburt ihres vierten Kindes empfängt uns die Ururenkelin des Thronfolgers Franz Ferdinand von Österreich-Este auf dem Familiensitz Schloss Artstetten. Ein Erbe, das der jungen Generation viel Idealismus abverlangt. Ein Erbe, das sie mit größtem persönlichen Einsatz und vollem Herzen erhalten und weiterführen.

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(© Emmerich Mädl)

Mit dem sechs Hektar großen Natur-Schlosspark verbindet Alix d‘Harambure-Fraye die allerschönsten Kindheitserinnerungen. Hier, im Familienschloss Artstetten, ist die einzige Tochter von Fürstin Anita von Hohenberg als Zweitgeborene mit ihren Brüdern Gaëtan (37), Gabriel (30) und Raoul (28) aufgewachsen. Der Auslöser dafür, dass die junge Gräfin vor vier Jahren die Geschäftsführung des Schlosses übernommen hat, war eigentlich ihr Ehemann François Xavier Fraye (38). Alix hatte den aus einer alten französischen Militärsfamilie stammenden Ingenieur bei ihrer gemeinsamen Leidenschaft, dem Segeln, in der Bretagne kennen und lieben gelernt. „Mein Mann wollte Deutsch lernen“, erzählt die zierliche 36-Jährige mit einem leichten, charmant anmutenden französischen Akzent. „Wir wohnten mit unseren zwei Kindern in einer sehr kleinen Wohnung in Paris. Zudem arbeitete mein Mann als leitender Ingenieur auf Bohrinseln in Brasilien und Angola und konnte uns nur alle fünf Wochen besuchen. Also kamen wir hierher – auf einen Zwischenstopp, der sich verlängert hat.“ Der „Ruf von Artstetten“ hatte sie also ereilt, und sie übernahm die Aufgabe ihres Bruders Gabriel, der zuvor gemeinsam mit ihrer Mutter Anita zehn Jahre lang die Geschicke des Schlosses geleitet hatte. „Wir Geschwister sind sehr eng verbunden, bei uns gibt es nicht einen Erben. Durch die im Jahr 2003 gegründete Stiftung meiner Mutter (Anm.: Anita Hohenberg-Stiftung) sind wir und unsere Kinder auf Ewigkeit mit diesem Schloss verbunden.

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Très charmant: die junge Gräfin Alix d‘Harambure-Fraye (© Emmerich Mädl)

Vorraussetzung: Jeder von uns muss einen eigenen Job haben! Deswegen bin ich jetzt die Geschäftsführerin, weil ich einen Mann habe, der für die Familie aufkommt. Sonst würde sich das finanziell nicht ausgehen.“ Ein Erbe also, das der jungen Generation viel Idealismus abverlangt, um dieses historische Kulturgut instand zu setzen, zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Pariser Flair. Zehn Jahre lang war die studierte Diplomingenieurin in Paris als selbstständige  Innenarchitektin tätig. Hat Sie etwas Pariser Flair ins Schloss gebracht? „Ich hoffe schon! Durch meinen Vater (Anm.: der französische Graf Romée de La Poeze d’Harambure) war ja das ‚Französische’ schon da. Als er in den 1980er-Jahren mit meiner Mutter hierherkam, war das Haus in einem katastrophalen Zustand und die Gruft zu einer Pilgerstätte zum Gedenken an den Ersten Weltkrieg geworden. Meine Eltern begannen mit der Revitalisierung des Schlosses und bauten das Erzherzog-Ferdi­nand-Museum, um die Geschichte lebendig zu erhalten. Jährliche Sonderausstellungen im Museum, wie auch der Schloss­park, machen Artstetten zu einem Top-Ausflugsziel. Die Salons im zweiten Stock haben sie zusätzlich zum historischen Bestand mit Louis-seize-Möbeln und französischen Teppichen ausgestattet. Besonders die Farben sind uns sehr wichtig“, sagt sie, und es scheint, als würden die harmonisch aufeinander abgestimmten satten Farben die Lebensfreude und Stärke der Schlossbewohner widerspiegeln. Es ist auch beeindruckend, dass das gesamte Anwesen von einem Team mit nur zwölf langjährigen MitarbeiterInnen bewerkstelligt wird. Tagtäglich legt Alix d‘Harambure-Fraye ihre Hand an, leitet die jeweiligen Baustellen sowie die Revitalisierung der Wasserspiele. Glücklich ist sie darüber, dass sie als Architektin dazu über das nötige Know-how verfügt und sich somit den Bauleiter ersparen kann.

Schloss Artstetten
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Gemütlich. Fröhliches Kindertreiben und langjährige Mitarbeiterinnen bringen neben den Kachelöfen Wärme und Geborgenheit ins Schloss. (© Emmerich Mädl)
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(© Emmerich Mädl)
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(© Emmerich Mädl)
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Der idyllische Bade-Pavillon am „Pool“ von Erzherzog Carl Ludwig (© Emmerich Mädl)

Kinderlachen im Schloss. „Als Kind ist man schon beeindruckt, in einem Schloss zu wohnen! Wir haben zudem das Glück, dass das ganze Schloss belebt ist, denn das Museum wird täglich geöffnet, die vertrauten Mitarbeiterinnen kommen, man ist nie allein, was unseren Alltag irrsinnig angenehm macht. Wenn die Kinder ganz klein sind und sich doch schon selbstständig machen, bekommen sie ein Glöckchen in die Tasche, damit man weiß, in welchem Eck des Schlosses sie gerade sind“, lacht die vierfache Mutter, die keine Haushaltshilfe hat und deren Tag sehr bald beginnt. Denn die Tradition des gemeinsamen Frühstücks wird hochgehalten, bevor der Nachwuchs in den Kindergarten nach Artstetten-Pöbring gebracht wird. In den Kinderzimmern stehen auch noch die historischen Betten und Nachtkästen anstelle der üblichen Ikea-Ausstattung, „denn es ist besser, sie werden benützt, als sie wandern in den Dachboden. Ich verlange hier meinen Kindern dasselbe ab, was man mir abverlangt hat. Sobald man dann studiert, ist man ohnedies umgeben von Ikea.“ Wichtiger für die Kids ist ohnedies, dass auch der Vater zuhause ist, denn François Xavier Fraye ist in Karenz gegangen und kann so seine Frau unterstützen. „Ich bin sehr dankbar, dass mein Mann jetzt auch eine Forstausbildung macht, dann kann er die Forstwirtschaft übernehmen und wir können miteinander arbeiten. Ich ziehe allerdings meinen Hut vor meiner Mutter, die das so lange gemacht hat – von der Buchhaltung bis zur Forstwirtschaft.“

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Ein perfektes Team. Alix d‘Harambure-Fraye und Ehemann François Xavier Fraye (© Emmerich Mädl)

Adel vernaschen. Auch die Gartengestaltung ist eine „Kombination aus ‚etwas vermarkten müssen‘, denn jeder Cent muss zweimal umgedreht werden, und der notwendigen Revitalisierung“. So besann man sich auf botanische Raritäten und bepflanzte den Wirtschaftsgarten, der 30 Jahre lang brach lag, neu. „Unter dem Titel ‚Adel vernaschen’ setzen wir alte Obst- und Beerensorten sowie Gartenblumen an, die ansonsten für immer verloren gehen würden. Wir haben u.a. einen ‚Baron Trautenberg’ oder eine ‚Königin Viktoria’ eingepflanzt, die in den nächsten drei Jahren Früchte tragen werden. Aus den alten Sorten machen wir Marmeladen, Schnäpse und Liköre und verkaufen sie. Woher sie das Wissen hat? „Indem man im Winter Bücher und Fachliteratur schmökert und im Frühjahr Pflanzen säht. Aber die Zeit ist immer zu wenig, denn alles hier ist ein riesen Kasten.“

Der gute Ton. Als Partner der NÖ Landesausstellung 2017 greift Schloss Artstetten das Thema „Der gute Ton“ gleich zweifach auf: im Rahmen einer kleinen Ausstellung und mit einer „theatralen Talk-Walk-Show“ des Vereins ERGO ARTE über Konventionen, Stil und gutes Benehmen. Wie wurden Sie erzogen? „Handküsse für die alten Tanten gab es natürlich, ordentlich zu sitzen, gerade zu gehen, Bitte, Danke und Grüß Gott zu sagen – Dinge, die man vielleicht ganz schnell vergisst, wenn man sie nicht immer praktiziert. Allein, dass ich heute in Jeans dasitze, wäre vor zehn Jahren nicht gegangen“, lacht sie. „Wir leben schon in einer Zeit, in der sich alles verflüssigt. Vieles wird unwichtig, was eigentlich wichtig ein sollte. Deswegen ist dieses Theaterstück so unglaublich toll, denn man versucht ja, den guten Ton zu leben und die Kinder danach zu erziehen. Zum guten Ton gehört auch eine Handschlagsqualität, denn letztendlich ist auch die Finanzkrise auf eine Moralkrise aufgebaut, weil die Leute das, was sie sagen, nicht einhalten. Würden sie das schon tun, hätten wir keine Wirtschaftskrise – und alles fängt beim guten Benehmen an...“

 

„Bevor man diesen Job übernimmt, muss man in die Welt hinaus.“

- Alix d‘Harambure-Fraye 

 

Schloss Artstetten
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BESONDERE ERINNERUNG. Die Kommode des Erzherzogs Franz Ferdinand aus seinem Este’schen Erbe (© Emmerich Mädl)
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Einer der Salons (© Emmerich Mädl)
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Großer Wert wird auf das gemeinsame Frühstück sowie auf ein warmes Abendessen gelegt. Es gibt – nach französischer Gepflogenheit – keine Zwischenmahlzeiten. (© Emmerich Mädl)

Bürde und Auftrag. Inwieweit ist die leidgeprüfte Geschichte der Hohenbergs – von der Ermordung von Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajewo über die Enteignung und Deportation seiner Söhne Maximilian und Ernst nach Dachau bis zur Restitution des völlig desolaten Besitzes durch die Republik Österreich – eine Bürde? „Ja, die Familiengeschichte ist einerseits tragisch, aber durch den starken Glauben der Großeltern und Eltern wurde dieses Schicksal immer sehr positiv getragen. Was aber für unsere Generation sicher ganz wichtig ist: Im Alter von 15 bis 30 Jahren muss man weg! Ich könnte das hier nicht machen, wenn ich nicht weg gewesen wäre, man würde verschroben.

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Große Schäfchen-Sammlung. Wann immer Erzherzog Franz Ferdinand einen Wutanfall hatte, schenkte er seiner Frau, Herzogin Sophie von Hohenberg, ein Schäfchen als Entschuldigung. (© Emmerich Mädl)

Mit der Geschichte kann man nur dann gut leben, wenn man einen anderen Job gemacht hat, ein anderes Leben gelebt hat und gelernt hat, wer man ist. Wenn man dann zurückkommt, ist man nicht mehr so betriebsblind. Unsere Idee daher: Es muss ein Familienbetrieb bleiben! Momentan bin ich die einzige, die Kinder hat, aber wenn meine Brüder Familien gründen, dann müssen sie übernehmen und hier leben, sonst verlieren sie ihre Wurzeln.“


Und kurz bevor diese Ausgabe in Druck ging, erreichte uns die Frohbotschaft über die glückliche Geburt des vierten Kindes:  Armel (6), Benedikt (4) und Alexandra (2,5) bekamen ein kleines Schwesterchen: Marie Anas­thasie. Wir freuen uns mit der Familie!

 

Schloss Artstetten

Erzherzog-Franz-Ferdinand-Museum
Schlossplatz 1, 3661 Artstetten
www.schloss-artstetten.at
www.ausflug.at

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