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People | 24.07.2017

Das Himmelreich ist jetzt!

Positives Denken, den Moment leben – das ist das Credo von Michael Starkl und der rote Faden seiner preisgekrönten Arbeit als Regisseur und Produzent. Warum der Schauspieler aus Tulln die Seiten wechselte und wie er das Fernsehen neu erfand.

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ÄRMELN HOCHKREMPELN. Vor Kurzem erfand sich der Schauspieler neu, gründete „STARKL!film“ und heimste schnell die erste Romy ein. (© Urban Ruths Berlin)

„Landwirtschaft ist der edelste Beruf“, ist Fred Zehetner überzeugt. „Wir versorgen acht Millionen Menschen, obwohl wir nur drei Prozent der Bevölkerung sind.“ Er und seine Frau betreiben gemeinsam mit ihren Kindern eine Bio-Rinderfarm im Weinviertel. Seine Leidenschaft, aber auch seine Sorge um die Zukunft der Bauern geht nah. „Nur der Kunde kann den Bauern retten, jeder einzelne“, sagt er – und trifft damit den Mann hinter der Kamera mitten ins Herz. „Ein so toller Mensch und Bauer! Wir haben bei ihm für die erste Folge roadKITCHEN gedreht – und mir sind die Tränen runtergelaufen“, beschreibt Michael Starkl. Die Infotainment-Sendung ist bereits der zweite Streich des frischgebackenen Produzenten für ORF III.
Seit er denken kann, wollte der Sohn der bekannten Gärtnerdynastie aus Tulln „Geschichten erzählen“. Um dem Wunsch nach einer „gescheiten Berufsausbildung“ genüge zu tun, maturierte er an der Hotelfachschule in Krems und packte danach sofort seine sieben Sachen, um in Deutschland Schauspieler zu werden. Der Plan ging tatsächlich auf: Er avancierte bald zum erfolgreichen Mimen auf der Bühne und vor der Kamera. Ein Gedanke wurmte ihn irgendwann: Es waren die Geschichten der anderen, die er erzählte.

Michael Starkl

... wuchs in Tulln als Sohn der Gärtnereifamilie Starkl auf. Nach der Matura an der Hotelfachschule Krems ging er nach Deutschland; in Berlin absolvierte er an der Universität der Künste das Fach „Musical Show“. Er spielte sowohl am Theater als auch in zahlreichen Filmen und (Krimi-)Serien („Der Knastarzt“, „Der letzte Bulle“, „Copstories“). Er lebt mit seiner Frau Melanie und Sohn Felix Leopold, 6, in Berlin. Mit seiner Firma „STARKL!- film“ produziert er TV-Formate wie „GartenKULT“ oder „roadKITCHEN“ (läuft derzeit samstags auf ORF III) sowie Werbe- und Imagefilme. Michael Starkl ist leidenschaftlicher Tänzer und Kampfsportler.


Homecoming auf Zeit. „Ich habe als Schauspieler 15 Jahre lang in den Drehpausen gehört, was man alles anders machen müsste. Aber keiner hat die Eier zu handeln. Irgendwann dachte ich mir: Ich ziehe das durch, ich mache Fernsehen, so wie es mir gefällt“, erzählt der 35-Jährige. Er scharte Gleichgesinnte um sich, eigentlich nur wenige, dafür mit umso mehr Feuer für die Sache. „Man muss nicht unbedingt
viele sein, um Schönes zu machen“, findet er. Fast jeden Cent, den er zunächst mit seiner Produktionsfirma „STARKL!film“ einnahm, investierte der bekennende „Techniknerd“ in Equipment. Sein erster großer Wurf: das TV-Format „GartenKULT“, für das er aus Berlin temporär heimkehrte – mit Onkel Josef in der Hauptrolle und der Unterstützung seiner Schwester. „Eine Tutorial-Sendung im Pinterest-Style für die Instagram-Generation“, wirft er wild mit Begriffen um sich, mit denen ein Teil seiner ORF III-Zielgruppe vermutlich wenig am Hut hat. Und trotzdem sehen sie zu, schenken ihm positives Feedback.
Was macht er? Mit seinem kleinen Team, seiner „Skeleton-Crew“, wie er es nennt, ist er ganz nah dran: etwa an Onkel Josef, der die Schaufel schwingt und auf dem Traktor sitzt, und er lässt die Menschen direkt in die Kamera sprechen – wie es die Youtuber tun. Hinzu kommen eine Brise Retro-Optik, schnelle Schnitte und ganz viel Authentizität. Zutiefst dankbar zeigt er sich für die Möglichkeit. „Es gibt so viele junge Leute, die gerne tun würden. Aber sie hören immer nur: ,Was hast du schon gemacht?‘– Wie soll man da anfangen können?“, ärgert sich Michael Starkl. „ORF III hingegen gibt solchen Verrückten wie mir eine Chance, das ist unglaublich viel wert.“

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FREUDE AM ARBEITEN. Paul Kogelnig mit Waldviertler Bio-Landwirt Tristan Toé (© STARKL!film)
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MACHT LUST. Frisch gegrillt auf der Bio-Rinderfarm (© STARKL!film)

Den richtigen Riecher hatten die Verantwortlichen schon; so wurde der Erfolg von „GartenKULT“ mit dem Verkauf an RTL und dem Fernsehpreis Romy gekrönt. „Die Kategorie ,beste Programmidee’ ist einfach grandios! Wir haben da so viel Energie, Schweiß und Liebe hineingesteckt.“
All das investierte er jüngst auch in die Roadmovie-Kochsendung „roadKITCHEN“, die im Juni auf ORF III angelaufen ist. Dafür habe ihn das Schicksal zu Paul Kogelnig, seinem Hauptakteur, geführt. Während Michael Starkl für seine Idee nach einer mobilen Küche auf zwei Rädern suchte, tüftelte der leidenschaftliche Koch und Tiroler Designer, der ebensolche Wunderdinge im Repertoire hat, an einem Konzept für eine „fahrende“ Kochsendung. Schnell fühlte sich Paul auch vor der Kamera wohl, sodass er nun in „roadKITCHEN“ Sendung für Sendung mit seinem Spezialdrahtesel heimische Lebensmittelproduzenten besucht, um Köstlichkeiten vor Ort zu zaubern.
Vorgestellt werden zudem innovative Projekte für eine bessere Welt wie der verpackungsfreie Supermarkt. „Unser Stil ist auch bei ,roadKITCHEN’ Infotainment: Gesellschaftskritik leicht serviert mit Unterhaltungscharakter“, sagt Michael Starkl. Gutes tun zu wollen ist auch seine Lebensphilosophie. „Ich glaube an das Leben und die Liebe; das Himmelreich ist jetzt. Wir müssen etwas aus unserem Leben machen; Erfolg hat damit zu tun, nicht aufzugeben.“

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MAKING-OF. Michael Starkl ist gern mit kleinen Teams unterwegs und hautnah dran. (© STARKL!film)
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ONKEL JOSEF AM TRAKTOR. „GartenKULT“ (ORF III) befand die Akademie Romy für die beste Programmidee. (© STARKL!film)
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BRANDNEUES FORMAT. Zu Besuch bei heimischen Produzenten mit „roadKITCHEN“: Hauptakteur Paul plaudert mit Fred Zehetner über seine Bio-Rinderfarm. (© STARKL!film)

Die Schattenseite, die gibt es schon, muss er zugeben. Er sei ein Workaholic, weil er das, was er tut, so gerne macht. So bleibt oft zu wenig Zeit für die, die er liebt: seine Frau Melanie und Sohn Felix, 6. Wäre sie, die selbst Schauspielerin ist, nicht mit im Boot, wäre vieles gar nicht möglich. „Sie ist die größte Rückendeckung für mich“, sagt Michael Starkl. Wie das Zusammenarbeiten als Paar funktioniert? „Indem man Konflikte nicht unbedingt als etwas Negatives auffasst“, findet er. Erst kürzlich feierten sie den neunten Hochzeitstag. „Das Schönste für mich: Ich weiß nicht, wer meine Frau ist. Das ist ein Kompliment, weil sie mich immer wieder überrascht. Wir bleiben neugierig aufeinander und Liebe ist für mich ein Tunwort. Man muss immer geben, bevor man etwas kriegt. Das ist mein Geheimnis, auch bei der Arbeit: Ich will mich aufs Geben, nicht aufs Nehmen konzentrieren. Und dann hat man eine liebevolle Stimmung am Set, großartige Mitarbeiter und bekommt schließlich eine Romy.“

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