Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 11.09.2017

„Wir sind echt!"

Keine verbalen Streicheleinheiten: Wenn Monica Weinzettl und Gerold Rudle wieder mit einem neuen Programm auf der Kabarett-Bühne stehen, fliegen die Fetzen. Zuhause sind es vorwiegend die Türen.

Bild 1709_N_Kultur_WeinzettlRudle.jpg
(© Manfred Halwax)

Erstmals haben sie das so gemacht: ihre sieben Sachen und Hündin „Yume“ ins geliebte „Womo“ – so der Spitzname für ihr Wohnmobil – gepackt und die dreiwöchige Reise nach Kroatien fast zur Gänze dem Schreiben gewidmet. „Wir mögen das wahnsinnig gern, das Zusammenarbeiten“, schwärmt Gerold Rudle, der seiner Monica Weinzettl gern Liebesbotschaften auf kleinen Zetteln hinterlässt. Auf der Bühne nehmen sie einander schonungslos aufs Korn. Im zauberhaften „Salettl“, nahe der „Bühne“ in Pur­kersdorf, wo das Ehepaar fleißig probt, treffen wir uns zum Gespräch über Lieben und Lachen – hinter den Kulissen.

NIEDERÖSTERREICHERIN: „Dramaqueen & Couchpotato“ heißt euer Programm, mit dem ihr im September Premiere feiert. Worum geht es?
Gerold: Es ist richtig, richtig böse. Ich darf so ekelhaft zu Monica sein wie sonst nie. Es war ihre Idee! Auch, dass wir ein bissl auf unser Alter hinhauen: Ich bin 55, Monica wird 50. Das hätte ich mir nie vorschlagen getraut (lacht). Ich meine es dann eh lieb, aber ich muss sie vorwarnen, weil mit 50 ist sie nicht mehr die Jüngste. Es wird sie viel aufhauen, sie sollte eine Unfallversicherung abschließen, und dann habe ich so schöne Geschenke für sie: einen Damenbartblocker, eine WC-Sitzerhöhung, einen Drehpolster fürs Bett...
Monica: (lacht) Wir sind bei der Werbung aus der Zielgruppe 14 bis 49 rausgeflogen! Plötzlich ist es egal, ob uns die Steinofenpizza schmeckt wie beim Italiener... Ab 50 kriegst du andere Kata­loge geschickt...
Gerold: Vital und gesund – ein schönes Leben auch noch mit 50 plus. Was heißt hier: „auch noch“?!


Monica, wie geht es dir mit dem 50er?
Monica: Ich habe mit meinen Runden nie ein Problem, eher die Jahre davor. Die großen Feste mache ich immer vorher: mit 29, 39, 49... Heuer gönne ich uns ein großes Geschenk: Wir fliegen einmal um die Kugel. Von Amerika in die Südsee, dann nach Neuseeland, Singapur...
Du warst voller Leidenschaft bei „Dancing Stars“, dann hattest du leider eine Verletzung – deine Enttäuschung war spürbar...
Monica: Daran habe ich schon gekie­felt. Ich wollte gar nicht darüber reden. Niemand in der Jury, kein Punktestand hat mir gesagt, ich gehöre raus aus der Show. Im Gegenteil! Dann kam diese Verletzung, auch noch schleichend, bis ich aufgeben musste. Im Sommer konnte ich das jetzt gut abschließen.


Spürst du noch etwas?
Monica: Wenn ich zu viel belaste, schon. Aber das wird wieder!
Gerold, all deine Tattoos – was ist das alles?
Gerold: Farbe! (lacht) Es ist meine Affinität zum Meer (erklärt die Tattoos): Walflosse, Delfin, Wellen, Seepferdchen, Fische...

Bild 1709_N_Kultur_WeinzettlRudle.jpg (2)
SELFIE. Im Arbeitsurlaub in Kroatien (© privat)

Seit wann gibt es die?
Gerold: Begonnen habe ich, als ich mit Monica zusammen kam. (Sie hat keine Tattoos, Anm.) Sie ist eine ganz starke Verfechterin von: Eine Beziehung kann nur funktionieren, wenn jeder er selbst bleibt. Es gibt kein Wir, es gibt Du und Ich. Gemeinsam, aber du als Du, ich als Ich. Und ich wollte immer Tattoos haben. Als ich Monica das erzählt habe, hat sie einen Edding geholt und mir das hierher geschrieben (deutet auf ein Tattoo, Anm.). Das bedeutet „Delfin” in Thaischrift. Sie hat gesagt: Lass das ein paar Tage drauf, dann siehst du, ob es dir gefällt. Das tat es. Und dann bin ich zum Tätowierer gegangen, immer wieder. Sie hat nie etwas Negatives gesagt.
Monica: Ich habe Frauen noch nie verstanden, die sich in einen Mann verlieben und dann sagen: Jetzt richte ich ihn mir her. Da denke ich mir: In was hast du dich verliebt? In ein Bild, das erst kommt oder in das, was du kriegst, so wie Gott es gemeint hat. Natürlich veränderst du dich im Laufe des Lebens; da kann man sich auch auseinanderleben. Schön, wenn man das gemeinsam macht.


Es war auch schon mal von einem Ausstieg die Rede...
Monica: Wir wollen unser Leben lieber so organisieren, dass wir möglichst viele Monate weg sind. Aber ich bin nicht der Typ für das totale Aussteigen. Gerold schon. Ich glaube, er muss erst herausfinden, dass er auch nicht der Typ dafür ist (beide lachen).
Gerold: Ich würde auch nicht von einem Tag auf den anderen nach Brasi­lien auswandern, um dort eine Strandbar aufzumachen. Ich habe zwei Kinder und auch meine Mutter, die ich weiter sehen will. Schön wäre es, im September wegzufliegen und erst zu kommen, wenn’s hier schön ist.
Monica: Das Problem ist: Unser Job findet genau in dieser Zeit statt.
Gerold: Ja, das ist wahr...

Bild 1709_N_Kultur_Weinzettl Rudl.jpg
(© Viktória Kery-Erdélyi)

Ihr seid beruflich und privat so stark verbunden – was ist euer Erfolgsgeheimnis?
Gerold: Die Leute hören gern auf der Bühne, wie wir uns befetzen. Wenn ich Monica Dinge an den Kopf werfe, machen die Frauen „Buuuuuh!“ und die Männer „Hohoho“. Im Laufe des Abends kriegt der Mann aber ordentlich eins drauf, und es bleibt über: Du bist eine Lusche. Das taugt den Frauen, das taugt mir. Nicht, dass ich eine Lusche bin, aber ich bin eben eher dafür, dass Frauen gefördert werden; Männer brauchen nicht noch mehr Selbstbewusstsein. Das Publikum spürt: Die beiden müssen sich so liebhaben, denn sonst könnten sie auf der Bühne nicht so boshaft zueinander sein.


Und wenn ihr wirklich streitet?
Monica: Zumindest schreien wir uns nicht an. Wenn wir Meinungsverschie­denheiten haben, die auf Missverständnissen beruhen – und zwar seiner- und meinerseits...
Gerold: Meinerseits nicht...
Monica: (lacht) Aso ja, Tschul­digung. Jedenfalls herrscht da zunächst einmal eisige Stille, oder es fliegen ein paar Türen. Bis irgendwer sagt: Pass auf, Folgendes... Aber wir haben das meistens ziemlich schnell aus dem Weg geräumt. Was uns ausmacht, ist, dass wir authentisch sind, ungefiltert.
Gerold: Ich gehe nicht auf die Bühne und sage, dass ich ein Mörderheimwerker bin. Sie darf sagen: Gerold bitte, du und ein Hammer?! Und wir mögen das wahnsinnig: zusammen sein und gemeinsam in die Arbeit fahren, gemeinsam in der Nacht heimkommen.


... und Freiräume?
Gerold: Haben wir auch. Monica verschwindet immer wieder mal für ganze Tage in ihrer Kastlwerkstatt (wo sie Möbel für den Eigenbedarf und zum Verkauf kreiert, Anm.), ich gehe mit meinem Rapid-Abo ins Stadion. Oder: Wenn ich sage, ich will mit Timi (Sohn, Anm.) ein paar Tage wegfahren, sagt sie: Das finde ich g’scheit.
Habt ihr euch von Geschlechter­klischees gelöst?
Gerold: Das geht mit der Frau nicht! Gut, du kaufst dir Schuhe, tragst Röckchen – aber du kannst heimwerken, hast Motorräder getestet und für eine Motorradzeitschrift geschrieben. Sie schaut bei einem Auto auf die PS, mir ist wichtig...
Monica: ... welche Farbe (beide lachen).


Klischees also umgedreht?
Gerold: Ja, fast.


Wer macht den Haushalt?
Monica: Niemand (lacht). Also: Gerold geht einkaufen. Ich hasse Supermärkte. Mir ist fad, kalt, ich mag die Gerüche nicht...
Gerold: Aber die Wäsche macht je­der für sich. Gut, wir nehmen uns die Sachen schon mal aus dem Trockner – und ich wundere mich jedes Mal bei Monicas Sachen, wie man in so etwas reinkommt.
Liebesbotschaften auf Pickzetteln: Gerold ist der Romantiker?
Gerold: Ich bin im Verhalten romantisch, Monica macht unser Zuhause wahnsinnig schön – das finde ich auch romantisch. Sie ist auch diejenige, die sagt: „Schau, der Sonnenuntergang...”
Monica: Ja, das können wir gut: Stehenbleiben, das Leben anhalten und die Natur bewundern. Sei es in Blumen oder einer Walflosse, die sich gerade vor unseren Augen aufstellt...

Bild 1709_N_Kultur_WeinzettlRudle.jpg (1)
IM TALK. Mit Redakteurin Viktória Kery-Erdélyi (© privat)
Diskutiere mit uns und deinen Freundinnen diesen Beitrag:
powered by Disqus