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People | 13.09.2017

Mit einer Prise Humor

Warum Bernhard Lackner, Vorstandsdirektor der Niederösterreichischen Versicherung, regionalisiert, während andere zentralisieren, und wie er auf dem Jakobsweg das Sich-Ärgern hinter sich ließ.

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POSITIV. „Man darf sich nicht über Dinge ärgern, die man nicht ändern kann“, sagt Bernhard Lackner. (© Emmerich Mädl)

Ellie Goulding ertönt vom Schreibtisch aus. „Mein neuer Handy-Klingelton“, lacht Bernhard Lackner. Obwohl laut eigenen Angaben selbst „talentfrei“, ist die Musik sein Lebens­elixier. „Autofahren ohne Musik: Das geht gar nicht“, verrät der Vorstandsdirektor der Niederösterreichischen Versicherung (NV), der im Sommer kaum bei einer Premiere fehlt. An seiner kulturellen Affinität liegt das nicht allein. „Wir haben bei all diesen Produktionen Partner und Kunden“, erklärt Lackner. Ins Sponsoren-Geldbörsel greift man vorzugsweise für jene, denen es gelingt, „unverwechselbar zu sein. Mir liegt sehr viel an einer Marke, gerade weil die Welt so austauschbar geworden ist“, führt er aus und lobt im gleichen Atemzug den Musicalsommer in Amstetten oder die Felsenbühne Staatz. Eben das gelte auch für die NV. „Ich will nichts ‚halbert‘ machen. Was wir machen, machen wir hervorragend.“

NIEDERÖSTERREICHERIN: Nicht alltäglich für das Statement eines Vorstandsdirektors: Sie betonen in Ihrem Imagefilm die Wichtigkeit von Humor im Arbeitsalltag...
Bernhard Lackner: Ich habe eine feste Überzeugung: Arbeit macht entweder Spaß oder krank. Nur das, was ich mit Freude mache, mache ich gut. Ich bin 27 Jahre in der Versicherungsbranche und hatte einen hervorragenden Lehrmeister, der immer gesagt hat: Wenn du die Menschen zum Lachen bringst, hast du schon gewonnen. Mir geht es nicht um eine Spaßgesellschaft, sondern um Freude an dem, was wir tun. Wir versuchen, die Arbeit auch mit vielen Incentives aufzupeppen; die besten Mitarbeiter im Verkauf werden beispielsweise einmal im Jahr zu einer Reise eingeladen.


Wie viel arbeiten Sie selbst? Bei Ihrer Präsenz fragt man sich, ob Sie auf Schlaf verzichten...
Schlaf ist wichtig! Man ist nur dann professionell, wenn man sich Auszeiten nimmt. Ich habe auch kein Problem damit, für drei Stunden heimzufahren, um in den Pool zu springen und danach zum nächsten Termin zu fahren. Oder ich schalte mein Handy aus und gehe mit dem Hund. Aber ich habe irgendwann aufgehört, meine Stunden zu zählen. Mein Kollege (Generaldirektor Hubert Schultes, Anm.) und ich sind so viel unterwegs, auch am Wochenende, da macht es keinen Sinn, nachzurechnen. Ich will aber gar nicht darüber nachdenken, weil mir das, was ich tue, Freude macht.


Sie wirken sehr positiv. Können Sie auch grantig werden?
Nein. Ich habe aufgehört, mich zu ärgern. 2004 ist es mir nicht besonders gut gegangen, da bin ich auf dem Jakobsweg durch Österreich gegangen. Seither denke ich: Man darf sich nicht über Dinge ärgern, die man nicht ändern kann. So bin ich immer gut gelaunt.

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INTERVIEW BEI DER NV. Vorstandsdirektor Bernhard Lackner mit Medienberaterin Doris Wieder (r.) und Redakteurin Viktória Kery-Erdélyi (© Emmerich Mädl)

Was wollten Sie als Kind werden?
Weder Feuerwehrmann noch Lokomotivführer. Als Jugendliche gründeten wir mal einen Club, da schrieb ich hochtrabend auf meine foliierte Karte „Manager“. Das wurde mir erst kürzlich bewusst. Studieren wollte ich eigentlich Geschichte, Archäologie und eine alte Sprache. Aber was sollte ich damit tun? Ich habe dann doch Wirtschaft studiert, und nach einem halben Jahr kam meine Tochter auf die Welt. Völlig geplant natürlich (lacht). Meine Eltern hat‘s umgehauen, aber sie haben mich unterstützt.


Wie kamen Sie in die Versicherungsbranche?
Mein Vater war bei der Allianz (damals Wiener Allianz, Anm.) und hat gesagt: „Jetzt studierst einmal, kannst dich aber schon bewerben.“ Ich habe mir nix gepfiffen, bin zum Personaltest mit zerrissenen Jeans. Als ich die anderen mit Anzug und Krawatte gesehen habe, war ich mir sicher, ich hätte es vergeigt. Aber am Ende sagte der Personalchef: „Wenn Sie fertig sind, kommen Sie zu uns.“ So hatte ich mit 24 sofort einen Job, aber ich habe schon beim Studium angefangen, Versicherungen zu verkaufen; das hat mich gefangen.


In einer Zeit, in der alles digitalisiert und zentralisiert wird, setzen Sie auf Regionalität und persönliche Gespräche. Wieso?
Die Digitalisierung ist wichtig, auch wir arbeiten schon fast papierlos. Aber sie kann in unserer Branche nicht den Menschen ersetzen. Googeln Sie mal „Kfz-Versicherung“, sie finden Millionen Beiträge. Wer sagt Ihnen nun, welche die für Sie passende ist? Und wenn ich nun online eine Versicherung abgeschlossen habe, was passiert im Schadensfall? Wie schaut die Dienstleistungskette aus? Unsere MitarbeiterInnen sind innerhalb von 24 Stunden vor Ort. Wir führen alle zwei Jahre eine Kundenbefragung durch, die ergab, dass rund 80 Prozent der Kunden am liebsten beim Mitarbeiter kaufen.


Die NV wurde für ihre Familienfreundlichkeit ausgezeichnet. Was ist hierbei Firmenphilosophie?
Der Versicherungsverkauf ist für Frauen – ob mit oder ohne Kind – ganz toll. Sie haben freie Zeiteinteilung, und wir haben auch Arbeitszeitmodelle, bei denen zuhause gearbeitet wird. Eine gute Führungskraft weiß auch so, was der Mitarbeiter macht.


Wie gelingt der Kontakt zu mehr als 600 MitarbeiterInnen?
Das ist ein gewisses Talent, das Hubert Schultes und ich haben, dass wir uns die Menschen merken, mit denen wir zu tun haben. Wir haben es uns auch zur Angewohnheit gemacht, bei der Weihnachtsfeier in Grafenegg alle Mitarbeiter am Eingang zu begrüßen. Wir gehen gerne durchs Haus, setzen uns in die Cafeteria – auch wir sind ja nur ein Teil davon.

Bernhard Lackner

... wurde 1965 geboren, ist Vater einer Tochter und Opa eines Enkelsohnes. Er ist seit 2015 mit Gerti Weinlinger liiert.
„Wir haben eine wunderbare Lebensgemeinschaft und sind eine nette Patchwork-Family“, sagt Bernhard Lackner. Nach dem Wirtschaftsstudium kam er zur (Wiener) Allianz; er kletterte die Karriereleiter bis zum Vertriebschef der Allianz Österreich hoch. 2007 wurde er von der Niederösterreichischen Versicherung abgeworben. Seit 2008 ist er Vorstandsdirekter der Niederösterreichischen Versicherung.

Herausgepickt: Frauen in Schlüsselpositionen bei der NV

Herta Fahnl ist Personalchefin; Abteilungsdirektorin von Vertriebsplanung und Controlling ist Verena Seebacher. Edith Kirchner-Franzke und Alexandra Kahl sind die beiden Assistentinnen der Direktoren beispielsweise mit Verantwortung auch für die aktuelle Werbekampagne. Ursula Richter wickelt die Hypo-Kooperation ab, Elisabeth Brückler macht Partnermanagement, Marketing-Chefin ist Eva Keglovits.

 

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