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People | 14.09.2017

Winzerin aus Leidenschaft

Die Lebensplanung der diplomierten Krankenschwester war vorerst der Medizin gewidmet. Bis die Liebe kam – und Sonja Paschinger am Standesamt zur Winzerin vom Urbanihof wurde. Ein Gespräch mit einer ideenreichen und kompositionsfreudigen Netzwerkerin.

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(© Emmerich Mädl)

Es mag einfacher sein, wenn man als Winzerkind geboren wird. Doch Sonja Paschinger hat durch die Liebe zu ihrem Franz die große Leidenschaft für den Weinbau entdeckt – und mag ihr Leben genau so, wie es ist. Gemeinsam mit ihrem Mann bewirtschaftet sie in der elften Generation das traditionsreiche Weingut Urbanihof in Fels am Wagram, und mit Julia, Lisa und Jakob ist auch die zwölfte Generation gesichert.

NIEDERÖSTERREICHERIN: Frau Paschinger, wie sind Sie eigentlich auf den Wein gekommen?
Sonja Paschinger: Im wahrsten Sinne des Wortes über die LIEBE! Ja, ich habe vor 19 Jahren am Standesamt zur Winzerin promoviert (lacht).Mein gesamtes Wissen über den Wein habe ich mir also in 25 gemeinsamen Jahren angeeignet. Vorher habe ich als Diplom-Krankenschwester im Kremser Krankenhaus gearbeitet. Die Krankenpflege und medizinische Themen waren mein Leben, und ich hätte damals nie gedacht, dass es einen anderen Beruf gibt, der mich so faszinieren könnte. Heute bin ich eine Winzerin aus Leidenschaft.


Mit der Heirat sind Sie in eine Familientradition, die seit 1598 besteht, eingestiegen. War das einfach für Sie?
Einfach? (lacht) Nein, nicht wirklich! Es war eine große Herausforderung, die ich aber gemeinsam mit meinem Mann gemeistert habe. Mein Ziel ist es, Tradition und Moderne zu vereinen.


Welche Eigenschaften braucht man eigentlich, um eine gute Winzerin zu werden?
Viel Gefühl für jede einzelne Situation, einen guten Gaumen beim Weinkosten, und man muss auch sehr kritisch sein. Außerdem sollte es einem Spaß machen, die Kunden begeistern zu können, sie zu bedienen und auch zu verwöhnen. Auf den Punkt gebracht: für alles offen sein und immer nach Verbesserung streben.


Haben Sie einen persönlichen Lieblingswein?
Ich trinke sehr gerne einen kräftigen Grünen Veltliner. Aber eigentlich zählt jedes Gläschen, das ich zusammen mit meinem Mann Franz genießen kann, zu meinen absoluten Favoriten.

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FAVORIT. Ein kräftiger Grüner Veltliner. (© Emmerich Mädl)

Wie wichtig ist eine „weibliche“ Handschrift in einem Weinbauhaushalt?
Sehr wichtig, denn es gibt viele Dinge, die von Männern im Alltag übersehen werden oder an die Männer einfach nicht denken, weil es für sie halt nicht so wichtig ist (schmunzelt).


Ihre Kinder Julia (18), Lisa (16) und Jakob (14) sichern nun bereits die zwölfte Generation des Urbanihofes. Bringen sich die Kinder schon jetzt in den Familienbetrieb ein?
Die Kinder sind natürlich in der Schule sehr eingespannt. Julia besucht die Europaklasse der HAK St. Pölten und macht kommendes Jahr Matura, Lisa kommt in die 2. Klasse HBLA für Obst und Weinbau in Klosterneuburg und Jakob beginnt dort heuer mit der 1. Klasse. Bei diversen Weinverkostungen, Präsentationen und Festen bei uns am Weingut helfen sie aber immer sehr engagiert mit. Wir sind sehr stolz auf unsere Kinder!


Sie legen größten Wert auf die Ehrlichkeit der Produkte, die Sie verwenden...
Wir haben uns entschieden, unsere Weingärten bio-organisch zu bewirtschaften, weil es uns sehr wichtig ist, unserem Boden und somit seinen Früchten und natürlich letztlich damit unseren Konsumenten Gutes zu tun. Ein behutsamer Umgang mit unserer Natur ist die Basis für Weine, die begeistern.Die Ehrlichkeit ist dabei Voraussetzung.


Wenn man die Vielzahl Ihrer Verkostungen und Veranstaltungen auf Ihrer Webseite anschaut, so bekommt man den Eindruck, dass Sie eine überaus gute Netzwerkerin sein müssen...
Ja, das liegt in meinem Naturell! Ich liebe es nämlich, die unterschiedlichsten Personen zu treffen, mich auszutauschen und ständig dazuzulernen. Ein gutes Netzwerk ist wie ein wärmender Mantel.

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Wein verbindet. Sonja und Franz Paschinger sind seit 19 Jahren verheiratet. (© Emmerich Mädl)

Gemeinsam mit dem Cafetier Berndt Querfeld vom Café Landtmann in Wien haben Sie hunderte Punsch-­Rezepte ausprobiert. Heute gelten Sie als „die Punschkomponistin“, mit über 20 Sorten im Angebot. Ist die Punsch-Herstellung sozusagen Ihr „Baby“?
Die Punsch-Produktion ist mit Wein, Traubensaft und Punsch eines unserer drei Geschäftsfelder. Ich kreiere mit Produkten, die man leicht im Supermarkt bekommt, verschiedenste Rezepte im Kleinen in meiner Küche – und mein Mann setzt es dann im Großen um. Dabei sind natürliche Zutaten ganz ohne künstliche Stoffe die Grundvoraussetzung für unsere Produkte. Jedoch haben Sie recht, ich habe ein viertes Kind (lacht), nämlich meinen „Punsch Engerl Stand“ am schönen „Altwiener Christkindlmarkt“ auf der Freyung (www.punschengerl.at). Seit fünf Jahren verwöhnen dort meine Engerl und ich unsere Kunden, und am Christkindlmarkt in St. Pölten gibt es seit vorigem Jahr als Pendant die „Punsch Bengerl“. Glauben Sie mir, das war, wie wenn ich noch ein Kind bekommen hätte...

Ökologie & Nachhaltigkeit

Das Hauptaugenmerk von Franz und Sonja Paschinger liegt auf gesunden Weingärten. Trotz dicht bestockter Weingärten werden die Erträge bewusst niedrig gehalten. Intensive Boden- und Laubarbeit garantieren beste Reifebedingungen für die Trauben. Die Reben sind im besten Alter, die ältesten bis zu 40 Jahre alt. Mit der eigenen Kompostierung aus Pferdemist und Trestern wurde der gesamte Kunstdüngerbedarf durch natürliche Rohstoffe ersetzt. Seit der Ernte 2016 ist der Urbanihof ein bio-organisch zertifizierter Weinbaubetrieb.

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Familie Paschinger St. Urbanstraße 3, 3481 Fels am Wagram Tel.: 02738/2344-12, -13 www.urbanihof.at
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