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People | 19.11.2015

Marias fantastische Rückkehr am Wasser

Maria Dorn: Musikerin, Sängerin, Sportlerin. Dann passiert ein folgenreicher Unfall. Zwölf OPs, Schmerzen, Burn-out. Nun ist die taffe Mostviertlerin zurück: mit der ersten österreichischen Para-Rowing-Wettkampfmannschaft. Das Ziel: Paralympics 2016.

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RUDERN ALS LEBENSELIXIER. Die Wieselburgerin ist Feuer und Flamme für das Wasser. (© Jakob Knabel)

Im Sommer waren es etwa Mamas Essiggurkerl, die sie gewissenhaft sortierte, den Rest des Jahres „machte ich jeden Studentenjob, den man sich nur vorstellen kann“, lacht Maria Dorn. Sie verteilte Flyer oder verkaufte enthusiastisch Tickets im Mozartkostüm. Und all das für ihre große Liebe: die Musik. „Ich wuchs mit sechs Geschwistern auf, das war schön, aber auch anstrengend. Wenn ich musizierte, war es meine eigene Welt. Die Musik war und ist Zuflucht und Kraftgeber“, schwärmt sie. Als Querflöten-Studentin kam die gebürtige Mostviertlerin bereits mit 16 Jahren nach Wien; gleich nach Abschluss ihres ersten Studiums – kombiniert mit Pädagogik – folgte das zweite: Blockflöte. Mit den Diplomen inklusive Auszeichnungen in der Tasche standen die Musikschulen um die sympathische Pädagogin praktisch Schlange; Maria Dorn zog wieder aufs Land, unterrichtet nunmehr seit Jahren in Melk und Wieselburg sowohl Kinder als auch Erwachsene. 

 

Wenn man die Augen offenhält, trifft man immer die richtigen Leute. 

- Maria Dorn

 

Metal trifft Klassik 

Die Musik machte ihr auch das Rampenlicht schmackhaft. In Ensembles, Orches­tern und Bands; als Musikerin, als Sängerin. Ihr Credo: „Kunst soll bewegen, aufregen, anregen.“ Was sie neben ihrem famosen Spiel auszeichnet, ist ihre Offenheit: In ihrem Herzen haben sowohl klassische Musik als auch kraftvolles Metal Platz. So war sie jahrelang Mitglied der international erfolgreichen Metalband „Vanitas“.

Nicht minder faszinierend ist ihre Arbeit in der Formation „Divine Musical Bureau“, deren begeistertes Mitglied die 36-Jährige nunmehr seit rund vier Jahren ist. Das Ensemble improvisiert, kommuniziert mit Worten, Instrumenten, Geräuschen live – beispielsweise zum Gruselklassiker „Nosferatu“ bei Ursula Strauss‘ „Wachau in Echtzeit“ (siehe Kultur).

 

Hunger auf Aben­teuer

Und dann gab und gibt es da noch eine andere Seite von Maria Dorn. Als sie nach ihrem Studium der Großstadt den Rücken kehrte, entdeckte sie den Sport für sich. Sie war neugierig und abenteuerlustig. „Ich stand bei Sonnenaufgang auf, ging zwei Stunden Mountainbiken. Ich war klettern, bergsteigen, paragleiten. Ich unternahm eine Radtour bis ans Schwarze Meer nach Rumänien, flog zum Bergsteigen nach Tansania“, schwärmt sie. Und dann, eines Tages beim Klettern am Großglockner, bricht sie sich das linke Bein. Völlig unspektakulär. „Die Komplikationen, die immer passieren können, folgten erst nachher“, sagt Maria Dorn. Der Unfall geschah im September 2012. Zwölf Operationen, zahlreiche Krankenhausaufenthalte und monatelange Reha liegen jetzt hinter ihr. „Ich habe einen doppelten Nervenschaden; das Schlimmste waren die unbeschreiblichen Schmerzen“, erklärt sie. Trotz Therapien und Medikamenten: „Es war immer ein Grundbrennen im Bein da; es brannte mich aus – bis zum Burn-out.“ Im Frühjahr 2013 will sie erneut zu arbeiten beginnen, doch es plagen sie zusätzlich Schwindel und Konzentrationsschwierigkeiten, sie hat selbst mit Gedächtnislücken zu kämpfen. „Der Schmerz bedeutete auch für meinen Körper permanenten Stress.“

Sie sei stets eine Kämpferin gewesen, doch die Gewissheit, nie wieder so wie vorher gehen zu können, nie mehr einen Städtetrip oder zumindest eine kleine Wanderung unternehmen zu können, setzten ihr schwer zu. Bis eines Tages eine Freundin mit einem Zeitungsartikel vor ihrer Nase wedelte: über zwei Sportler, die ein Ruderteam für die Paralympischen Spiele aufbauen wollten. Wenngleich die in Wieselburg lebende Frau mit Rudern zuvor nichts am Hut hatte, reizt sie das Thema. „Die ersten Male waren sehr wackelig“, schmunzelt sie. „Ich bin dankbar für all die Geduld, die man mir entgegenbrachte.“

Bereits im Oktober 2014 wird das erste Rennboot des frischgebackenen Teams ins Wasser gesetzt: das Boot der ersten heimischen Para-Rowing-Wettkampf­mann­schaft, organisiert im Österreichischen Ruderverband. Es wird hart trainiert, zumeist täglich – im Wasser, im Ruderbecken, am Ruderergometer. Nach einem ersten erfolgreichen Wettkampf 2014 folgt eine ehrenvolle Einladung zu einem internationalen Trainingscamp nach Italien.

Weltmeisterschaft

Wenn auch depressive Verstimmungen und Schmerzen weiter in ihr schlummern, mit dem Rudern schlägt Maria Dorn ein neues Kapitel in ihrem Leben auf. „Ich habe Blut geleckt. Erfolge im Wettkampf sind schon eine super Sache“, betont sie. Eine solche war auch die Teilnahme bei den Ruderweltmeisterschaften in Frankreich. „Großartig, dass uns der Österreichische Ruderverband nominiert hat, dass man das Vertrauen in uns setzte. Und letztendlich haben wir auch noch leicht die Zeitvorgabe erfüllt, die intern gesetzt wurde.“ Bestätigung und Ansporn für den nächs­ten Schritt. 

So kalt kann es diesen Winter gar nicht werden, dass Maria Dorn und ihr Team nicht zum Schwitzen kommen: „Im April haben wir noch eine Chance, uns zu qualifizieren. Unser Ziel: die Paralympics 2016 in Rio.“

 

Im Trainings-camp waren SportlerInnen aus vielen Nationen – mit verschiedenen Handicaps und Prothesen: die positivsten und stärksten Menschen, die ich je getroffen habe.

- Maria Dorn

 

Maria Dorn
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FACETTENREICH. Von Klassik über kraftvolles Metal bis hin zu Improvisation – neben ihrem famosen Spiel zeichnet Maria Dorn ihre kreative Offenheit aus. (© Lisa Zalud)
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(© Konrad Strasser)
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RUDERKOLLEGEN. Mit Alex Leichter vom Nationalteam Austria (© Gerheid Pahl)

Maria Dorn rudert gemeinsam mit Benjamin Strasser, Thomas Ebner und Gerheid Pahl; Steuerfrauen sind Erika Buchinger und Petty Steinbrecher.

Para-Rowing steht für „angepasstes Rudern“. Der Österreichische Ruderverband wendet sich mit seiner Initiative an Menschen mit Handicaps, die Rudern lernen wollen. Sie werden dabei von einem professionellen Trainerstab betreut. Es werden laufend neue Mitglieder gesucht.

Bei Interesse E-Mail an: [email protected]

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