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People | 18.11.2016

Lebenslust!

Das Paar avanciert im In- und Ausland zu Medienstars, unsere Chefredakteurin Angelica Pral-Haidbauer durfte als eine der ersten Magda und Bernhard Bauer interviewen. Sie besuchen Sex-Shops & Swinger-Clubs, buchen Callboys und vergnügen sich im Partnertausch. Und sie entdecken dabei ihre Lust am Sex und an der Liebe neu. Magda und Bernhard Bauer sind 70 und feierten gerade Goldene Hochzeit.

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Brechen charmant mit vielen Tabus: Magda und Bernhard Bauer erzählen wie Swinger-Clubs und Co. ihre langjährige Liebe neu entfachten (© Luiza Puiu)

Es ist die Geschichte einer großen Liebe, die mit einem Kuss begann. Nur vier Monate später führt Bernhard seine Magda, die Pater Beda für die Trauungszeremonie aus ihrer Heimatgemeinde im Weinviertel mitgebracht hatte, in der Kaasgrabenkirche zum Altar. Am 1. Juli 1966. Es wird eine gute Ehe, die beiden auf einem Nährboden gegenseitiger Treue eine zufriedene Geborgenheit schenkt. Ein Sohn wird geboren, ein schönes Zuhause in Wien eingerichtet, ein Haus auf Teneriffa gekauft. „Wir waren einander so verbunden, dass wir dem anderen meistens nicht einmal in die Augen sehen mussten, um zu wissen, was er dachte oder fühlte. Die Leidenschaft war etwas in den Hintergrund getreten, das schon. Die Begierde wird eben bequem. Die Libido lümmelt irgendwann lieber herum, als sich auf etwas zu stürzen. (…) Unversehens hat man mehr Freude daran, am Abend auf dem Sofa alleine die Beine ausstrecken zu können, als sich in wildem Sex den Rücken zu verrenken“, schreibt Magda – an jenem Abend in Teneriffa, als sie es sich mit einer Tüte Chips vor dem Fernseher bequem macht, während Bernhard schon zu Bett gegangen war. Was sie dann sieht, verändert ihrer beider Leben. Ein Swinger-Club. Acht Pärchen, die sich auf einem großen Bett rekelten – sich dem Geheimen, Verbotenen, Anrüchigen und doch Reizvollen hingeben … 

 

"Sex erzeugt Harmonie, 

nicht umgekehrt.“

Magda

 

Die Wiederentdeckung der Lust „Der Bericht hatte etwas geweckt in mir, das ich fast schon vergessen hatte. Das Bedürfnis nach körperlicher Liebe. Das Bedürfnis nach Lusterlebnissen“, gesteht Magda, und auch dass sich in ihrem Leben etwas eingeschlichen hatte: die Routine – über 46 gute Ehejahre hinweg. „Unser Sex-Fundus bestand aus dem damals, als wir jung waren, Üblichen plus der Tantra- Reihenfolge der kurzen und langen Stöße“, schreibt Bernhard. Und sie beginnen zu reden. Über ihre geheimsten Wünsche, Träume und Fantasien. Am Frühstückstisch, der zu jenem Ort wird, an dem sie ab nun in einem täglichen Ritual mit erotischen Gesprächen Spannung aufbauen. Sie kleiden sich in Sex-Shops ein, kaufen Sex-Toys und Peitschen, besuchen Swinger-Clubs, chatten mit Gleichgesinnten im Internet, die sie – ihren hohen Ansprüchen gemäß nach sorgfältigster Auswahl – zum Partnertausch zu sich nach Hause einladen, setzen einen Callboy mit einem Abschlaghonorar vor die Tür, „weil er so schrecklich hässlich war“. Sie schütteln körperliche Unzulänglichkeiten des Alters ab und zeigen sich akrobatisch in Liebestechniken wie etwa „doppelvaginal“. 

Drei Jahre lang schreiben Magda und Bernhard ihre Erfahrungen und Erlebnisse auf, nennen die Dinge beim Namen, ohne Tabus. Jetzt erscheint ihr Buch „Liebes Leben“, das dazu auffordert, die Klischees über Sex in der Ehe und Sex im Alter zu vergessen und den Mut zu fassen, alles noch einmal neu zu entdecken. Eine Hürde galt es aber noch zu nehmen: ihrem 50-jährigen Sohn beizubringen, dass die Eltern ein Buch veröffentlichen. Ein Buch über ihre wiederentdeckte Lust. Ein Sex-Buch. Es war Sonntag, am Tisch standen Kaffee und Ribiselkuchen …

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(© Luiza Puiu)

Niederösterreicherin: Sie beginnen Ihre Geschichte mit einer Einladung Ihres Sohnes, dem sie gestehen, dass Sie beide ein Buch über ihr Liebesleben, Ihre neue Lust geschrieben haben. Hat er das Buch mittlerweile doch gelesen?
Nein, sicher nicht. Er meinte damals, dass er ein solches Buch von jedem lesen würde, keinesfalls aber, wenn es von seinen Eltern ist.


„Sex sells“ – sicherlich ein Grund, warum sich viele Neuerscheinungen mit diesem Thema beschäftigen. Was war bei Ihnen beiden letztlich die Ini-tialzündung, dieses Buch zu schreiben?Der erste Grund für das Buch war, dass wir in vielleicht zehn Jahren nachlesen könnten, was wir doch für ein wunderbares Sexleben hatten, damals noch, schon in fortgeschrittenem Alter.

Woher nahmen Sie den Mut, die Dinge des sexuellen Lebens so offen beim Namen zu nennen? 
Dies liegt am zweiten Grund für das Buch: In Gesprächen mit gleichaltrigen Freunden und Bekannten kam immer wieder ans Tageslicht, dass bei ihnen Sex keine oder nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt. Wir wollen mit unserem Buch allen, deren Sexleben zu ermatten droht oder bereits erschlafft ist, Mut machen, mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin – gleich welchen Alters – Gespräche über ihr Problem zu führen. Und wir wollen aufzeigen, dass selbst im fortgeschrittenen Alter eine Revitalisierung des Sexlebens möglich ist.

Haben Sie zu keiner Zeit heftige Reaktionen aus Ihrem sozialen oder verwandtschaftlichen Umfeld befürchtet?
Heftige Reaktionen haben wir nie befürchtet, allerdings gab es schon einige, die die Nase rümpften und meinten,, Sex in unserem Alter sei „unanständig“.

Ihre Geschichte ist stilistisch wunderbar ausformuliert, die unzähligen Liebesbeweise Ihres Zusammenlebens mit großer Sensibilität und gegenseitigem Respekt in einen sehr emotionalen Rahmen gegossen. Sozusagen die glücklichen Nachbarn von nebenan, bei denen man nicht vermuten würde, dass doch etwas fehlt …
Wir sind da sicher nicht die einzigen, die ihren sexuellen Horizont neu abstecken wollen. Den meisten fehlt dazu aber der Mut, so wie er uns lange Zeit gefehlt hat.

Wenn Sie Swinger-Clubs besuchen, treffen Sie dabei andere Paare in Ihrem Alter?
Uns wurde in den Clubs immer bestätigt, dass wir altersmäßig nicht auffallen würden. Wir haben uns natürlich gefragt, ob wir zu alt seien, wurden aber beruhigt, dass dies eben nicht der Fall sei. Wir dürften aber schon zu den älteren Besuchern gehören.

Was würden Sie Paaren raten, die vielleicht – wie Sie – eine geheime sexuelle Sehnsucht in sich tragen, und sich diese Wünsche nicht auszuleben getrauen?
Vorsichtig versuchen, das Thema Sex in Gesprächen anzuschneiden, genau zuhören, wie der Partner oder die Partnerin reagiert. Und wenn er oder sie merkt, dass der jeweils andere sich darauf einlässt, das Thema immer weiterspinnen, bis die geheimen Wünsche zum Vorschein kommen. Jedenfalls den anderen nicht drängen, nicht überfordern, aber trotzdem konsequent am Thema bleiben. Der Erfolg wird nicht ausbleiben. Danach gilt es aber, gemeinsam Grenzen abzustecken.

Bliebe noch eine Frage zu Seite 206: Wie war‘s mit dem Lustknaben und dessen Freundin?
Das soll unser kleines Geheimnis bleiben …

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Bernhard und Magda Bauer: "Liebes Leben", edition a, ISBN 978-3-99001-176-8
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