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People | 08.01.2018

Der Feminist spielt gerne den Macho

Sonntags gab es die besten Schnitzel von Oma und einen Fernseher, der daheim tabu war. Manuel Rubey war mal Falco, heute ist er noch so viel mehr. Warum er sich die Haare wachsen lässt und was es mit seiner lässigen „Wahl-Familie“ auf sich hat.

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Mit Familie Lässig gerade auf "Wirklich"-Tour: Manuel Rubey – demnächst auch in Tulln, St. Pölten (https://www.buehneimhof.at) und Melk (© Vanessa Hartmann)

Er schlägt das Lokal vor, wir sind schon bei der Toilettentür begeistert: „Wickeltische auf der Männertoilette“ liest man ebendort im Wiener Café Z. Den „Nationalheiligen“ Falco hat Manuel Rubey vor zehn Jahren gespielt und damit den Durchbruch geschafft. Seine Bio füllt mittlerweile zwei Seiten in winziger Schrift. Apropos: Jetzt hat der vielseitige Mann, der ohnehin auf Genre-Schubladen pfeift, im Team ein Drehbuch geschrieben … Herr „R-u-b-a-i“ (so spricht man ihn aus) bestellt einen doppelten Espresso – und wir sind ganz Ohr.


Manuel Rubey: Tut mir leid, die Haare sind gerade so … (versucht sich mehrmals einen Zopf zu kreieren, Anm.) Die müssen jetzt für eine Rolle wachsen.

NIEDERÖSTERREICHERIN: Für die „Russenstory“?

Ja, genau. Johanna Moder, Marcel Mohab und ich haben mit dem Drehbuch begonnen und wurden mit der Flüchtlingssituation fast ein bissl von der Realität eingeholt. Es geht um zwei Paare, die beschließen zu helfen: Sie nehmen einen politisch verfolgten Russen auf. Als der mit der Familie die ganze Wohnung belagert, ist es aber schnell vorbei mit dem Helfenwollen. Sie kommen mit Menschen sowohl in der Stadt als auch am Land in Berührung; ein wichtiger Aspekt: Die Angst ist dort am größten, wo die Berührung am wenigsten ist.

Man findet phänomenal viel über dich im Internet, aber kaum Privates.

Das mag pathetisch klingen, aber ich respektiere die Persönlichkeit der Kinder (Ronja ist elf, Luise sechs, Anm.) so weit, dass ich nicht entscheiden will, ob sie das möchten. Ich bin total stolz auf sie, aber sie haben eh genug Absurdes, wenn Freundinnen über ihren Papa in der Zeitung lesen. Ich habe schon in der Falco-Zeit gelernt, wie ich mich medial abgrenzen muss, wenn das Interesse am Privatleben plötzlich so groß ist.

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KEIN KNIGHT RIDER. „Das nervt ein bissl bis heute“, sagt Manuel Rubey. (© Vanessa Hartmann)

Wie ist das, wenn du heute mit Falco in Verbindung gebracht wirst?

Total schön mittlerweile. Ich habe das sehr gerne gemacht, aber ich hatte auch Bammel, darauf reduziert zu werden. Ich habe damals wahnsinnig viel Geld in den Wind geschlagen, weil ich sehr viele Angebote, von Werbung bis hin zur Firmenfeier-Mitternachtseinlage, abgelehnt habe.


Dass du als Sänger damals den Beruf gewechselt hättest, ist ja eine Mär – du warst und bist in erster Linie Schauspieler …

Wir hatten da mit „Mondscheiner“ gerade ein, zwei Radiohits und ich habe es irgendwann aufgegeben, es richtigzustellen. Eigentlich ist das auch egal, Genrezuschreibungen mochte ich sowieso nie.


Dürfen wir in Erinnerung rufen: Wie kam es zu der Rolle?

So etwas habe ich nie wieder gemacht. Ich habe in der Zeitung gelesen, dass Robert Stadlober die Falco-Rolle zurücklegt; da waren auch andere Leute vorgeschlagen. Ich dachte mir plötzlich: Tut mir leid, Jungs, aber das bin ich. Das war so stark, dass ich der Casterin einen Brief geschrieben habe. Da hieß es zuerst: „Vergiss es, das ist ein Fünf-Millionen-Euro-Projekt.“ Es kannte mich ja niemand. Schließlich sollte ich doch zum Casting kommen – offiziell für eine Nebenrolle …


2010 löste sich „Mondscheiner“ auf. Wer ist „Familie Lässig“?

Die Gruppe ist aus einem Benefiz-Konzert für das „Freunde Schützen Haus“ (Wiener Privatinitiative gegen das Abschieben integrierter Asylwerber, Anm.) hervorgegangen; da trafen Künstler aufeinander, die sich vorher zum Teil gar nicht kannten. Da war Gerald Votava, den ich schon für seine Radiotätigkeit total verehrt habe, und Gunkl sowieso. Es hat von Anfang an so viel Freude gemacht und es kam richtig gutes Feedback. Seit Clara Luzia (Singer-Songwriterin, Anm.) dabei ist, ist es musikalisch noch hochwertiger. Wir denken darüber nach, eigene Lieder zu schreiben. Bisher ist es eine Coverband, die dazwischen G‘schichtln druckt. Ab Jänner gehen wir mit „Familie Lässig“ auf Tournee durch Österreich.

 

Wordrap:

Facebook ist … ein gutes Tool, um Sachen zu bewerben, die sonst nicht
so viel Aufmerksamkeit bekämen.
Vatersein bedeutet … die größte Aufgabe meines Lebens.
Fußball ist … wahrscheinlich mittlerweile meine größte Leidenschaft. Als Waldorfschüler durfte ich nicht spielen, heute
habe ich insgeheim das Gefühl, dass ich ein begnadeter Techniker sein könnte (lacht).
Das wollte ich als Kind werden …Schauspieler, Formel-1-Fahrer oder Sportreporter.
Diese Rolle will ich einmal spielen … Für Romeo ist es zu spät (lacht). Ich spiele immer am liebsten
die Rolle, die als Nächstes kommt.
Die Ehe ist … ein Wagnis.
Das ist richtig in die Hose gegangen … der Lifeball seinerzeit (die Moderation Rubey/Stipsits hat 2014 polarisiert, Anm.). Zumindest ließ es sich nicht so übertragen, wie wir das gerne gehabt hätten. Der erste Shitstorm.
Das Schöne ist, es ist nach drei Tagen vorbei.
Das ist mir prima gelungen … ein Risotto letzte Woche

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HERZENSROLLE. In Knechts Romanverfilmung „Gruber geht“ (DVD via www.hoanzl.at) (© Allegro/Petro Domenigg)

Eine Rolle, die dir besonders am Herzen liegt, war die Hauptrolle in „Gruber geht“. Wie schwer war es, einen Krebskranken zu spielen?

Das war in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung, weil ich der totale Hypochonder bin. Ich habe panische Angst vor jedem Arztbesuch. Die Recherchen auf der Onkologie im AKH waren sehr schwer, aber beim Arbeiten selbst ging es erstaunlicherweise. Ich kenne die Autorin Doris Knecht – und ich wollte diese Rolle schon, als ich bei der Präsentation daraus gelesen habe. Ich liebe diesen Gegensatz zu dem, was ich im Privatleben versuche zu sein: Ich spiele sehr gerne Machotypen (lacht).


Man findet unterschiedliche Angaben: Du und Stefanie Nolz, seid ihr verheiratet?

Nein. Noch nicht. Aber zwei gemeinsame Kinder sind eine stärkere Bindung als ein Ehevertrag. Aber ich kann es mir immer mehr vorstellen (sie sind seit 14 Jahren ein Paar, Anm.).


Unregelmäßige Arbeitszeiten und Familie – wie geht das zusammen?

Das ist gar nicht immer so eine g‘mahte Wiesn, im Gegenteil. Das Schöne ist, dass Stefanie und ich uns schon so lange kennen und sie von Anfang an gewusst hat, wo das hingehen kann und das mitgetragen hat. Trotzdem. Ich habe in den letzten Jahren zu viel gearbeitet, teilweise 25 Mal im Monat gespielt. Da kannst du dann keine Autobahnen und Wurstplatten in Garderoben mehr sehen (lacht). Schön ist, dass die Kinder da total flexibel sind, sie kennen das auch nicht anders. Aber jetzt habe ich intensiv den Wunsch nach Reduktion.

Warum?

Weil sie so schnell groß werden. Ich handle da aus einem ganz egoistischen Bedürfnis heraus, weil es jetzt schon so ist, dass, wenn ich Zeit habe, sie oft etwas anderes vorhaben. Das ist wirklich ein Wimpernschlag; sie sind doch erst auf die Welt gekommen!


Du sprichst dich öffentlich für das Frauenvolksbegehren aus. Was empört dich?

Dass wir als vernunftbegabte Wesen und nach einer Aufklärung noch immer einen Gedanken darüber verlieren müssen. Wenn es um die Gleichberechtigung geht, gibt es kein einziges schlüssiges Argument dagegen, keinen einzigen Grund, nicht zu unterschreiben.


Deine Mama kommt aus Steinbrunn. Was verbindest du mit dem Burgenland?

Wir sind die ganze Kindheit sonntags zu den Großeltern nach Steinbrunn gefahren; es gab einen Fernseher, den wir zuhause nicht hatten. Und Schnitzel – Oma hat wahnsinnig gut gekocht. So etwas hatten wir eher nicht. Wir haben in Wiener Neudorf gelebt und gingen in Wien in die Waldorfschule. Mein Großvater war ein sicherheitsdenkender Chef einer Versicherung, mein Vater der Künstlertyp – da sind Welten aufeinandergeprallt. Nicht ungut, aber wir Kinder haben das zu unseren Gunsten ausgenutzt (schmunzelt).


Kein Fernseher daheim – hat dich das genervt?

Das nervt mich ein bissl bis heute. Ich weiß, es war gut gemeint. Aber man ist damit gleich der Außenseiter, wenn alle über Knight Rider sprechen und du kennst maximal Fotos.

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FRAUENVOLKSBEGEHREN. „Es gibt keinen einzigen Grund, nicht zu unterschreiben“, findet Manuel Rubey – im Gespräch mit Redakteurin V. Kery-Erdélyi. (© Vanessa Hartmann)

Wie sind deine Erinnerungen an die Waldorfschule?

Durchwachsen. Was ich gut finde, ist dieses „Stärken stärken und Schwächen schwächen“.


Welche Schule besuchen eure Töchter?

Bewusst öffentliche Schulen. Sie sind eh schon genug in unserer Blase mit den vielen Künstlern. Und dieses Bobo-Geheuchel finde ich sowieso falsch: Ute Bock spielen, aber die Kinder in die katholische Privatschule stecken.


Wie definierst du Glück?

Du hast vor Kurzem Thomas Stipsits interviewt: Wir haben dazu einiges im Programm und er hat sein neues Buch darüber geschrieben. Da hat er meine ganzen Antworten g‘fladert, der Arsch (lacht)! Glück ist etwas für Augenblicke, wie es Christine Nöstlinger sagt. Eine ganze Industrie ist da entstanden, das ist bizarr. Zugleich ist es menschlich, dass wir uns nach Dingen sehnen, wo wir genau wissen, wir können sie als Dauerzustand nicht erreichen. Erstrebenswert ist eine gewisse Zufriedenheit. Aber Glück ist etwas, das man sich, wenn es daherkommt, in kurzen Dosen möglichst intensiv reinziehen sollte. Das kann ein guter Song sein, ein gutes Essen – oder die Geburt eines Kindes.


Würdest du dich insgesamt als glücklichen Menschen bezeichnen?

Insgesamt nicht, nein. Weil ich doch zu schwermütig bin. Aber ich bin sehr lebenshungrig!

Manuel Rubey ...

... wurde 1979 geboren und wuchs in Wiener Neudorf auf, seine Mama kommt aus Steinbrunn, Burgenland. Er besuchte 12 Jahre eine Waldorfschule, studierte nach dem Zivildienst zwei Jahre Philosophie und Politikwissenschaften – und absolvierte die Schauspielschule Krauss. Mit der Band „Mondscheiner“ landete er mehrere Hits, der Durchbruch gelang ihm als Schauspieler mit „Falco – Verdammt, wir leben noch!“. Er spielt in vielen erfolgreichen Filmen und Serien: zum Beispiel „Echte Wiener“, „Aufschneider“, „Gruber geht“, „Altes Geld“. Rubey ist ebenfalls auf der Bühne erfolgreich – etwa im Kabarett-Duo mit Thomas Stipsits („Triest“, „Gott & Söhne“). Immer größere Bekanntheit erlangt die Formation „Familie Lässig“, in der er etwa mit Gerald Votava, Gunkl und Clara Luzia auftritt. Manuel Rubeys Lebenspartnerin ist die Künstlerin und Architektin Stefanie Nolz; sie leben mit ihren Töchtern Ronja, elf, und Luise, sechs, in Wien und im Waldviertel.