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People | 24.02.2015

Todesurteil

Der heimische Thriller-Autor und Plot-Tüftler Andreas Gruber aus Grillenberg in Niederösterreich hat sich mit seinen bisherigen Spannungsromanen eine treue Leserschaft erschrieben. Nun veröffentlichte er seinen zweiten „Maarten S. Sneijder“-Fall mit dem Titel „Todesurteil“.

Bild Gruber05.jpg
(© fotowerk aichner)

Was passiert?

In Wien verschwindet die zehnjährige Clara. Ein Jahr später taucht sie völlig verstört am nahen Waldrand wieder auf. Ihr gesamter Rücken ist mit Motiven aus Dantes "Inferno" tätowiert – und sie spricht kein Wort. Indessen nimmt der niederländische Profiler Maarten S. Sneijder an der Akademie des BKA für hochbegabten Nachwuchs mit seinen Studenten ungelöste Mordfälle durch. Seine beste Schülerin Sabine Nemez entdeckt einen Zusammenhang zwischen mehreren Fällen – aber das Werk des raffinierten Killers ist noch lange nicht beendet. Seine Spur führt nach Wien – wo Clara die einzige ist, die den Mörder je zu Gesicht bekommen hat …

 

Herr Gruber, wie kam es zu der Figur des „Maarten S. Sneijder“?

Nach der eher klassischen Figurenzeichnung im Thriller „Rachesommer“ wollte ich einen wirklich schrägen und abgefahrenen Charakter entwickeln. Dazu kam meine Liebe zu den Niederlanden ins Spiel, und ich erfand den niederländischen Profiler Maarten S. Sneijder, einen Kotzbrocken, Besserwisser und Misanthropen, der zugleich aber auch ein Genie ist und nur ein Ziel kennt: Killer zur Strecke zu bringen, und zwar mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln. Diese Figur ist mir von allen bisher geschaffenen Figuren an nächsten. Daher freut es mich riesig, nun eine Fortsetzung präsentieren zu können, um den LeserInnen mehr, und diesmal auch Privates, über Maarten S. Sneijder zu erzählen.

 

Was inspiriert Sie zu Ihren Romanen? Muss ein Thriller-Autor für seine Authentizität selber ein „harter Knochen“ sein?

Nein, - Entschuldigung, aber ich muss eben gerade fürchterlich lachen – als Rechtsmediziner sollte man ein „harter Kochen“ sein, als Autor nicht. Ich falle beispielsweise in Ohnmacht, wenn ich mir selbst unabsichtlich eine tiefe Schnittverletzung beim Brotschneiden zufüge und sehe, wie das Fleisch aufklafft und sich mit Blut füllt. Außerdem bin ich nahe am Wasser gebaut und muss schon mal eine Träne wegdrücken, wenn ich eine ergreifende Szene im Kino sehe. Vielleicht liebe ich es gerade deshalb, über „harte Knochen“ zu schreiben, über perverse Serienkiller, abartige Todesarten und menschliche Konflikte, die kaum noch zu ertragen sind. Es ist diese andere Welt, in die ich gerne abtauche, sei es bei Gesprächen, Recherchen, beim Entwickeln der Handlung oder beim Schreiben.

Sie haben am BKA Wiesbaden für „Todesurteil“ recherchiert, wie war das möglich und was haben Sie erlebt?

Meine Krimi-Autorenkollegin Sigrid Neureiter hat für mich den Kontakt zum Polizeipräsidium Westhessen hergestellt, und die dortige Hauptkommissarin Gabriele Kraft hat mir die Rutsche gelegt zur Hochschule für Polizei und Verwaltung, zum Bundeskriminalamt Wiesbaden und zur Akademie des BKA. So kam eins zum anderen, und ich fuhr nach Wiesbaden, wo ich eine Woche für Recherchezwecke verbrachte. Man muss sich das BKA als Hochsicherheitstrakt vorstellen, umso spannender war es, einen Blick in die einzelnen Abteilungen, das Archiv oder die Waffenkammer zu werfen und die Hintergründe über die Arbeit zu erfahren.

Ihr schriftstellerischer Alltag?

Sehr unspektakulär. Um 7.00 Uhr Frühstück mit meiner Frau, und wenn sie mit dem Auto ins Büro fährt, sitze ich schon in meinem Schreibbüro und arbeite: E-Mails beantworten, Webseite updaten, Pakete verschicken, das Geschriebene vom Vortag überarbeiten und weitere Kapitel schreiben. Mich mit Testlesern treffen, das Manuskript besprechen, mit meiner Lektorin mailen oder mit meinem Literaturagenten skypen. Zwischendurch gönne ich mir eine Folge von „Mit Schirm, Charme und Melone“, während ich auf dem Heimtrainer radle, eine witzige Serie aus den 60er Jahren, falls die noch jemand kennt …

Wie kommt es zu den Plots – vorausgeplant oder „on the fly“?

Ich bin kein Autor, der aus dem Bauch heraus schreibt, ohne Konzept, sich treiben lässt und dann überrascht ist, wohin ihn die Handlung führt. Das geht schon allein deshalb nicht, weil ich in meinen Thrillern zwei Handlungsstränge habe, die meist in Österreich und Deutschland spielen, und die ich miteinander verzahne. Da muss ich genau darauf achten, dass der Zeitplan stimmt, dass die Informationen an die Leser gut platziert sind, ich die richtigen Kapitelübergänge finde und alles bis zum Schluss spannend bleibt. Es wäre schade, wenn ich zum Schluss noch rasch etwas Unstimmiges aus dem Hut zaubern müsste – das merken die LeserInnen. Dementsprechend plane ich die Handlung, die Kapitelübergänge, den Zeitrahmen, recherchiere meist vor Ort an den Locations und befrage viele Leute vom Fach. Dann bleibt eigentlich „nur“ noch die Überarbeitung, alles von der Rohfassung in ein endgültiges Manuskript zu gießen.

 Symbolik spielt im Thriller-Genre eine große Rolle...

Die Symbolik ergibt sich während des Planens der Handlung. Meist greife ich ein bestimmtes Thema heraus, das mich gerade fasziniert und das ich dann bearbeite. Sei es das Kinderbuch „Der Struwwelpeter“, oder das Thema aus dem Blut der Opfer ein Gemälde zu malen, oder das Thema Tätowierungen. Auch fasziniert mich das Thema des Doppelgängers, beispielsweise Zwillingsschwestern, multiple Persönlichkeiten, Paranoia, Psychotherapie oder Schizophrenie – alles keine leicht verdauliche Kost. Die Symbolik muss zur Handlung passen, ebenso zur Vorgeschichte der Charaktere, damit alles rund und plausibel wirkt.

 Hätten Sie Lust, einmal etwas ganz Neues auszuprobieren?

(schmunzelt) Gute Frage, denn das habe ich bereits hinter mir. Als ich 1996 meine ersten schriftstellerischen Gehversuche unternahm, habe ich viel experimentiert. Ich komme aus dem Horror-Genre, habe Horrorstories und düstere Phantastik geschrieben, ebenso wie Satiren. Schließlich bin ich 2005 beim Thriller gelandet. Ab und zu schreibe ich noch eine Horror-Kurzgeschichte für Storysammlungen, aber meine große Leidenschaft gilt den Thriller-Romanen.

Der Autor

Andreas Gruber studierte an der WU Wien und lebt als freier Autor mit seiner Familie und vier Katzen in Grillenberg. Er hat eine Reihe erfolgreicher und preisgekrönter Erzählungen und Romane verfasst. Drei Mal erhielt er den deutschen Horrorliteraturpreis „Vincent“ sowie drei Mal den Deutschen Phantastik Preis.

Infobox

Lesung des Autors in NÖ:

Wr. Neustadt, Do, 12. März, 18.30 Uhr

Thalia, Hauptplatz 6,

Berndorf, Di, 14. April – 18.30 Uhr

Stadtbibliothek Berndorf, Alexanderstraße 7

 

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