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People | 25.04.2016

Music was her first love

In Köln brachte sie mit ihrem Gesang „Queen“-Legende Brian May aus der Fassung. Nun startet die stimmgewaltige Misha als Solokünstlerin durch – in Niederösterreich, wohin sie nach einer wilden Achterbahnfahrt eine märchenhafte Liebesgeschichte führte.

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(© Oliver Topf)

Sie kann sich noch an den Kanister erinnern, aus dem ihre Eltern auf der Reise Wasser in Plastikbecher einschenkten. Sie war ein Kleinkind auf der Flucht aus der damaligen Tschechoslowakei. Die Familie hatte alles auf eine Karte gesetzt, alles, was sie besaßen, „in die Hoffnung auf ein besseres Leben“, erzählt Michaela Kovarikova. Ein väterlicher Freund sollte sie in Niederösterreich in Empfang nehmen, ihnen über die erste schwere Zeit helfen. „Doch die Nachricht, dass er gestorben war, erreichte uns nicht.“

Seine Angehörigen zögerten dennoch nicht lange; sie nahmen die Familie bei sich auf. „Kaum zu glauben: Mein Vater konnte damals kaum ein Wort Deutsch, zehn Jahre später war er schon Geschäftsführer eines erfolgreichen Unternehmens“, erinnert sich die Sängerin. Das unbeirrbare Durchhaltevermögen scheint er seiner Tochter vererbt zu haben. Denn obwohl die quirlige Dame harte Rückschläge verkraften musste, hat ihre Geschichte ein zauberhaftes Happy End. Sowohl beruflicher als auch privater Natur.

IN DER GROSSSTADT

Doch zunächst zurück zum Anfang: Bald nach ihrer Flucht kam die Familie nach Wien. Der ehrgeizige Vater hatte drei Jobs, holte sich den Ingenieurstitel. Schon bald konnten sie in eine geräumige Genossenschaftswohnung ziehen. „Mir ging‘s aber nicht gut. Zuhause war ich zwischen zwei Schwestern das Sandwichkind, in der Schule das typische gemobbte Ausländerkind“, erinnert sich Michaela Kovarikova. Als sie 16 ist, ereilt die Familie ein tragischer Schicksalsschlag: Der Vater stirbt erst 41-jährig bei einem Autounfall. „Ich wurde schüchtern, zog mich noch mehr zurück.“

Ihr einziger Rettungsanker war und ist seit ihrer Kindheit die Musik. „Singen war mein Überlebenselixier, meine Ersatzliebe, mein Fluchtweg in eine andere Welt. Genauso wie in dem Lied ,Music was my first love’“, schildert sie. Die junge Frau fühlt sich unsichtbar, wertlos. „Nur wenn ich gesungen habe, hatte ich das Gefühl, gesehen, verstanden zu werden.“ Die erste öffentliche Bestätigung erlebt sie in der Hauptrolle des Musicals „Little Shop of Horrors“. Damit wird das neue Pfarrzentrum in ihrem heimatlichen Bezirk eröffnet. Nach dem großen Applaus meldet ihre Freundin sie prompt zur Aufnahmeprüfung am Wiener Konservatorium an. Sie hinterlässt Eindruck, wird aber mit knapp 16 Jahren auf das darauffolgende Jahr vertröstet – allerdings dann auf Anhieb mit Erfolg.

 

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KÖNIGLICHES TEAMWORK. Misha verkörperte eine der Hauptrollen in der „We will rock you“-Uraufführung in Köln – im Bild mit dem famosen Brian May von „Queen“ und KollegInnen
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WO DIE LIEBE HINFÄLLT. Für Philipp – im Bild mit Hundelady Lucy – kehrte Misha nach Österreich zurück (© Viktória Kery-Erdélyi)

ZU TRÄNEN GERÜHRT

Noch vor ihrer Abschlussprüfung bekommt Michaela Kovarikova ihre erste Rolle: Sie spielt Sarah in Roman Polanskis „Tanz der Vampire“ mit Größen wie Steve Barton. „Tagsüber war ich in der Schule, abends trat ich auf. Aber das hat mir nichts ausgemacht; es fühlte sich mehr nach Spielen als nach Arbeit an“, schwärmt sie. Viele große Rollen – wie in „Jekyll & Hyde“ oder „Evita“ folgen; sowohl in Österreich als auch in Deutschland. Bis zum sagenumwobenen Casting für die erste deutsche Fassung von „We will rock you“, dem Queen-Musical in Köln. „4000 Leute gingen zum Vorsingen, es gab aber nur acht Hauptrollen. Ich bekam eine“, ist Misha, so ihr heutiger Künstlername, bis dato gerührt. „Ich werde nie vergessen, was Brian May damals zu mir sagte: ,Thank you so much for being here. You touched my heart, I almost cried.’“

EXKURS IN DIE USA

Sie übersiedelt ganz nach Köln, einundeinhalb Jahre lang gibt sie im Musical Dome Ozzy Osbourne im Erfolgsmusical „We will rock you“; nicht selten spielt sie sieben Vorstellungen die Woche. Bis sie der Lockruf der Popindustrie erreicht. Mit einer R‘n‘B-Girlband und vermögenden Plattenbossen ging es in die USA. Statt der erhofften Freiheit landet sie in einem goldenen Käfig. „Wir lebten in einem wunderschönen Luxushotel, aber ich durfte nicht einmal frei entscheiden, wann ich esse.“ Das Projekt scheitert für sie; ein halbes Jahr später ist die junge Künstlerin erneut in Köln. Die Stehauffrau startet abermals durch: Sie singt in Musicals, auf großen Galas und in Fernsehshows, arbeitet voller Elan an ihrer Solokarriere.

 

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ROMANTIK PUR. Bei der Hochzeit überraschte die Braut ihre große Liebe – mit einer Live-Performance von „Here I Am“ (© Goophil)
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(© Goophil)

WIE MIT DEM HAMMER

Im Jahr 2010, in Steyr, blickt sie ihrer großen Liebe erstmals in die Augen, verschließt sie aber davor. Philipp und sein Bruder organisieren damals jene Gala, auf der sie Stargast ist. „Es war, als hätte mir jemand eine mit dem Hammer über den Schädel gezogen. Aber ich war in einer Beziehung. Ich bin ,old school’, da durfte nichts sein“, lacht sie heute. „Ich spürte es auch, aber ich hab‘ in Österreich ein ganz normales Leben gelebt: Warum sollte eine Sängerin wie sie etwas von mir wollen?“, gibt sich Philipp bescheiden. Doch der junge Herr verschwindet nicht aus ihrem Leben. Ihre Wege kreuzen sich ab und an, jahrelang wird lose Kontakt gehalten. Erneut passiert ein schlimmer Autounfall; doch diesmal ist das Ende gut. „Der Unfall hat mir die Augen geöffnet. Ich dachte mir: Jetzt oder nie“, erzählt Philipp. Vier Monate später – das war 2013 – löst Misha alles in Köln auf und wagt ein großes Liebesabenteuer, das sie zuvor selbst nur Kitschromanen zugeschrieben hätte. „Ich hatte es richtig gut in Deutschland, die Karriere lief. Aber ich konnte und wollte Philipp nicht aus seiner Familie herausreißen – und habe auf diese Weise auch wieder eine Familie gewonnen“, sagt die Sängerin. Im Jahr darauf baute das Duo in Behamberg, Bezirk Amstetten, ein Haus; im vergangenen Sommer feierten sie eine märchenhafte Hochzeit mit ihren Lieben. Seit ein paar Monaten komplettiert Lucy, eine entzückende Hundedame, ihr Glück. Weitere Familienplanung steht nicht am Programm; nach der wildromantischen Achterbahnfahrt wollen sich die beiden dem Aufbau von Mishas Solokarriere widmen. Erste Früchte wurden schon geerntet: Ihre Single „You can‘t bring me down“ sang sie quasi vor 200 Millionen Zuschauern, nämlich beim Miss Earth-Weltfinale im Dezember 2015, die von Österreich aus weltweit ausgestrahlt wurde. „Ich war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagt Misha mit einem Augenzwinkern.

Zum Reinhören: www.misha-online.com

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