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Beauty | 27.11.2019

Wer sich schön fühlt, ist schön

Schönheit hat viele Gesichter. Und es führen auch viele Wege zu ihr. Vier ästhetische und plastische Chirurginnen im Porträt – inklusive bewegender Momente aus ihrem Arbeitsalltag.

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(© ) Unvergessliche Momente. Das Schönste für Maria Michaelidou ist, „wenn die Menschen nach der Behandlung wieder lachen können“.

Maria Michaelidou,

Oberärztin am Universitätsklinikum St. Pölten, Ordinationen in Wien und Pressbaum
Im griechischen Teil Zyperns war Maria Michaelidou aufgewachsen. Schon ihr Vater hatte in Tirol Geologie studiert, auch sein Schwärmen über Österreich bewog Michaelidou mit 18 die Koffer zu packen und nach Wien zu gehen. „Medizin hat mich immer fasziniert, ich konnte mir gar nichts anderes vorstellen“, erzählt sie. „Ich habe leidenschaftlich gern und in kurzer Zeit studiert; es fiel mir nicht schwer: Ich fand, man muss nur die Zusammenhänge verstehen.“
Sie schnuppert in verschiedene Fachrichtungen, die plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie zieht sie sofort in ihren Bann. „Das ist ein sehr kreatives Fachgebiet, das sowohl Fantasie und künstlerische Begabung, als auch Präzision braucht“, beschreibt die Fachärztin. Spätestens als sie in Österreich auch ihre Familie gründete – sie ist zweifache Mutter – war es klar, dass sie bleibt. Neben ihrer Tätigkeit am Universitätsklinikum St. Pölten, ordiniert sie heute in Wien und in Pressbaum.
Während ihrer Ausbildung arbeitete sie intensiv an Gesichtslähmungen, so kristallisierte sich einer ihrer Schwerpunkte heraus: „Eingriffe am Gesicht erfordern sehr genaues Arbeiten: Das Gesicht ist stark exponiert und hat eine komplexe Anatomie, bei der die Erhaltung der Funktionen sehr wichtig ist“, betont sie. Spezialisiert ist sie unter anderem auch auf die Chirurgie der Hand, „wo man mit sehr präziser Arbeit große Verbesserungen im Leben der Menschen erreichen kann“. Als Beispiel nennt sie etwa das sogenannte Karpaltunnel-Syndrom (Engpasssyndrom), das etwa zu Schmerzen und eingeschränkter Sensibilität in den Fingern führt. „Mittels plastischer Chirurgie kann man hierbei sehr schön und fein operieren“, erklärt sie.
Geht es um die Ästhetik und das Wohlfühlgefühl ihrer Patientinnen und Patienten, bietet sie auch eine Reihe nicht invasiver oder minimal invasiver Korrekturen an. Besonders bewegende Momente erlebt sie bei komplexen Fällen. „Wenn Menschen nach einer notwendigen Gesichtsoperation mit sichtbarer Erleichterung und Freude ihr Spiegelbild betrachten können oder wenn sie nach erfolgreichen Behandlungen schlicht das Gefühl haben, ihr Gesicht wieder mehr zu mögen und mehr Selbstbewusstsein erlangen, das ist eine besonders große Freude“, beschreibt Maria Michaelidou.

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(© Privat) Fürs Selbstbewusstein. „Wenn ich meine Patientinnen ein Jahr nach der OP treffe, sind sie oft wie ein anderer Mensch“, sagt Brigitte Schneider.

Brigitte Schneider,

Ordinationen in Amstetten und St. Pölten
Eigentlich war das Mofa „schuld“. Mit dem war Brigitte Schneider als Jugendliche bei jeder Witterung nur zu gern unterwegs. Das wiederum bescherte ihre eine Nierenbeckenentzündung nach der anderen, so dass sie viel Zeit in Spitalsambulanzen verbrachte. „Dort fielen mir immer die Rettungsleute auf, wie freundlich die waren“, erinnert sie sich. So beschließt sie, sich beim Jugendrotkreuz zu engagieren, später wird sie Sanitäterin und beginnt schließlich ein Medizinstudium.
Über die Gefäßchirurgie – sie arbeitete unter anderem am Landesklinikum Amstetten – findet die Mutter eines Sohnes immer mehr zur plastischen bzw. ästhetischen Chirurgie. 2014 eröffnet sie in Amstetten eine Ordination, wo sie mittlerweile auch über einen voll eingerichteten Operationssaal verfügt. Ihren Fokus legt Brigitte Schneider vor allem auf Brustchirurgie – bei Frauen und Männern.
Erst kürzlich verhalf sie einem jungen Mann mittels Absaugen und Entfernen der Brustdrüse zu einer neuen Wendung im Leben. „Der Bursch trug bereits täglich ein Kompressionshemd unterm Shirt“, beschreibt sie.
Welch großen Einfluss auf das Selbstbewusstsein die Brustgröße hat, mit der man sich wohlfühlt, erlebt sie insbesondere bei Frauen. „Das ist das Schöne an der ästhetischen Chirurgie: Wenn ich beispielsweise eine Patientin ein Jahr nach ihrer Brust-OP treffe, die plötzlich ganz verändert und stark auftritt“, sagt sie.
Die Eingriffe führt Brigitte Schneider in ihrer Ordination in Amstetten durch – und zwar tagesklinisch. „Viele Kollegen sind verwundert, aber in den USA ist das gang und gäbe“, erklärt sie. „Ich bin ohnehin ein Kontrollfreak: Zum einen instruiere ich meine Patientinnen und Patienten ganz genau, was sie daheim zu tun haben, zum anderen will ich sie nach der Operation in den ersten Wochen regelmäßig sehen.“
Was für sie Schönheit bedeutet? „Es liegt immer im Auge des Betrachters“, findet Brigitte Schneider. Allen voran im Auge jenes Menschen, der sich im Spiegel betrachtet. Wenn nun etwas stört, das behoben werden kann, „dafür ist es doch wahnsinnig gut, dass es die Chirurgie gibt; das hat noch lang nichts mit übertriebenem Schönheitswahn zu tun“, betont sie. „Natürlich kann nicht jeder Model werden, aber Schönheit ist etwas, womit wir überall zu tun haben. Mögen Sie etwa kein schönes Essen in einem schönen Lokal?“

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(© ) Intim. Spezialisiert hat sich Andrea Rejzek etwa auf Schamlippen-Korrekturen. Viele spüren großen Leidensdruck, „hier geht es nicht einfach um einen Schönheitswahn“.

Andrea Rejzek,

Oberärztin am Universitätsklinikum St. Pölten, Ordination in Wien
Naturwissenschaftliche Neugier hat die Wienerin schon in jungen Jahren angetrieben. „Ich mochte Biologie; der Körper, seine Funktionen und was man bei Erkrankungen tun kann, haben mich schon früh interessiert“, erinnert sich Andrea Rejzek, 52. Ihr Vater war Druckmaschinentechniker, ihre Mutter arbeitete in einem Sportgeschäft, dass die Tochter ein zeitlich aufwändiges Studium mit langen Wartezeiten auf eine Turnusstelle wählen wollte, hat sie zunächst wenig gefreut. „Sie haben mich trotzdem unterstützt, dafür bin ich ihnen bis heute dankbar.“ Andrea Rejzek arbeitet in den Ferien, finanziert sich vieles beim Studieren selbst. An der Chirurgie findet sie schnell Gefallen, ihr feines, manuelles Geschick entgeht auch den Lehrenden nicht. „Operateure haben mir immer wieder zu verstehen gegeben, dass ich mich gut anstelle, dass sie meine Freude an der Arbeit sehen, das war natürlich eine schöne Bestärkung.“
1993 zieht sie nach Niederösterreich, um ihren Turnus zu machen; am Universitätsklinikum St. Pölten ist die plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgin heute Oberärztin, in Wien hat die Mutter mittlerweile zweier erwachsener Kinder zudem eine Ordination.
Sie macht beispielsweise Bodylifts, Straffung von Ober- und Unterlidern, Brustchirurgie – und spezialisierte sich zudem auf Schamlippen-Korrekturen.
„Das ist ein wichtiges Thema geworden“, sagt Andrea Rejzek und betont in einem Atemzug, dass es hier – allen Unkenrufen zum Trotz – nicht einfach um eine Modeerscheinung geht. Selbst ganz junge Frauen, die teilweise auf Grund der gesetzlichen Lage in Begleitung ihrer Mütter kommen, „leiden oft unter einem deutlichen Volumenüberschuss“. „Es gibt Frauen, die deswegen kaum reiten können, denen das Radfahren schmerzt und sie selbst beim Sex aufpassen müssen, damit sich die Labien nicht hineinstülpen“, erklärt die Fachärztin. Ein solcher Eingriff sei nicht nur ein hochsensibles Thema, es erfordere auch ein sehr exaktes Vorgehen: „Die Schamlippen sollen unoperiert aussehen.“
Besonders am Herzen liegt Andrea Rejzek eine umfassende Vorinformation. Um welche Korrekturen es sich auch handelt, „eine OP ist kein Friseurbesuch“, sagt sie. Viele Fragen tauchen oftmals erst zu Hause auf, diese beantwortet sie auch in ihrem Buch: „Einfach schön! – Der Ratgeber für Ihren ästhetischen Eingriff“ (Verlagshaus der Ärzte, 2015). Sie findet: „Natürlich gibt es so etwas wie ein objektiv schönes Gesicht, aber schön ist vor allem ein glücklicher, zufriedener Mensch.“

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(© ) Ehrlich. „Schönheit ist Individualität“, sagt Sabine Apfolterer. Kritisch sieht sie die Sehnsucht nach einem „Einheitsgesicht“.

Sabine Apfolterer,

Ordinationen in Baden und Wien
Mit viel Liebe und in rasantem Tempo konnte Sabine Apfolterer schon als Teenager IKEA-Möbel zusammenbauen; ihr präzises handwerkliches Geschick stach hervor. Sie besuchte nahe ihrer oberösterreichischen Heimatgemeinde eine Handelsakademie, „meine Eltern dachten schon, ich sollte in eine HTL wechseln“, lacht die 41-Jährige. Sie aber hatte ein ganz klares Ziel: das Medizinstudium – „und ich wollte von Beginn an in Richtung Schönheitschirurgie gehen“, sagt sie.
Sie lässt sich im ersten Jahr von den mehr als 3.000 Studienanfängern nicht abschrecken und lernt beherzt Latein und Co. nach, was ihr aufgrund ihrer Ausbildung zuvor gefehlt hatte. Ob das Medizinstudium so war, wie sie es sich vorgestellt hatte? „Es war viel besser!“, betont Sabine Apfolterer.
Sie studiert in Mindestzeit, nützt jede Gelegenheit, um Erfahrung zu sammeln: etwa in der Unfallchirurgie oder im Mikrochirurgischen Forschungszentrum in Linz, ihre „Ferien“ verbringt sie an der Seite des renommierten plastischen Chirurgen Christoph T. Papp in Salzburg.
Als sie ihr Studium abschloss, „gab es vielleicht acht Stellen in ganz Österreich – ich aber hatte keine Mediziner in der Familie, mir fehlte das Vitamin B (Beziehungen, Anm.)“. Um keine Zeit zu verlieren, macht Apfolterer ihre Ausbildung in Deutschland und kehrt anschließend nach Wien zurück.
Nach wertvollen Jahren mit Artur Worsegg – zuletzt war sie Geschäftsführerin der Worsegg Clinics GmbH – eröffnet Apfolterer 2017 ihre Ordinationen in Wien und Baden. Ihr Portfolio ist breit gefächert, „meine Schwerpunkte sind Miniliftings, Straffungsoperationen – etwa nach dem Abnehmen oder nach Schwangerschaften – und ebenso die Intimchirurgie“, schildert sie.
„Was ich tue, gibt mir wahnsinnig viel; ich habe das Glück, nicht täglich mit todkranken Menschen konfrontiert zu sein, da würde ich mir sehr schwertun“, sagt sie. „Ich kann Probleme lösen, meinen Patienten helfen – und bekomme sehr viel zurück, wenn sie glücklich und zufrieden rausgehen.“
Kritisch sieht sie insbesondere bei jungen Menschen die Sehnsucht nach einem „Einheitsgesicht“: mit großen Lippen, großen Augen und dunklem Teint. „Schönheit ist für mich Individualität“, betont sie. „Attraktiv ist, wer mit sich im Reinen ist – und das auch ausstrahlt.“ Dazu gehöre für sie aber, sich um sich selbst zu kümmern. Die große Sängerin Cher ist für Sabine Apfolterer ein Vorbild. Denn im Idealfall gibt man der Natur mit Bewegung und gesunder Ernährung stets Rückenwind, dann reichen beim beginnenden Alterungsprozess oft auch kleinere Korrekturen wie „ein bisschen Botox oder Hyaluronsäure“, ist sie überzeugt. „Wichtig ist, auch hier das Maß nicht aus den Augen zu verlieren; nur eine ausführliche Beratung und der richtige Mix an Behandlungen führt in jedem Alter zu einem natürlichen Look.“