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Editor's Mind Angelica Pral-Haidbauers Kolumne

Editor's Mind | 02.03.2017

Ein Frauenleben in Wellen

Es ist ein beeindruckendes Foto, welches Clara Zetkin und Rosa Luxemburg zeigt, im Jahr 1910. Bodenlange, schwere Kleider am Körper; Unsicherheit, Neugierde und doch eine große Portion Kampfgeist in den Gesichtern...

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(© Shutterstock)

...In Kopenhagen auf der Straße, an der „Zweiten Internationalen Frauenkonferenz“ teilnehmend, mit dem Ziel, auch in Europa die aus den USA kommende Idee eines Frauenkampftages für das Frauenstimmrecht zu initiieren. Und sie haben es geschafft: Auch in Österreich wurde dann am 19. März 1911 der erste Frauentag gefeiert. Vorerst an jenem geschichtsträchtigen Datum zum Gedenken der Gefallenen in der Märzrevolution 1848. Im „Internationalen Jahr der Frau“ 1975 wird er schließlich am 8. März zum „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ ausgerufen. Seitdem ist dieser Weltfrauentag immer eng an die politischen Verhältnisse in den jeweiligen Ländern geknüpft – und die Durchsetzung seiner Anliegen von der Gunst der Männer abhängig. Vielleicht ein Grund, warum die deutsche Chef-Feministin Alice Schwarzer fordert: „Schaffen wir ihn ab, den gönnerhaften Frauentag!“ Wie auch eine Umfrage der Tiroler Tageszeitung – „Was bringt uns der Frauentag?“  – fast 37 Prozent antworten lässt: „Nichts, denn die Situation für Frauen hat sich dadurch nicht gravierend geändert und wird sich auch nicht so schnell ändern.“

 

Lasst uns was Neues probieren: ein Leben in weiblichen Zyklen!

Ist das so? Nun, jedenfalls animiert dieser Weltfrauentag dazu, sich der Thematik der Gleichberechtigung zu widmen. Vor zehn Jahren hat ZEIT ONLINE eine Umfrage gestartet, mit dem Titel „Was könnten Frauen in den nächsten zehn Jahren erreichen?“ Und zugegebenermaßen blieben die jetzt publizierten Fragen und Antworten dieselben. Ich persönlich kann nur aus ganzem Herzen dem Beitrag der Redakteurin Parvin Sadigh zustimmen, die ihre Zukunftsvision 2006 so formulierte: „Ich gebe ja zu, dass die typische Männerkarriere sehr effizient und ein Erfolgsmodell ist. Aber ich wünsche mir eine Gesellschaft, die sich traut, etwas Neues auszuprobieren: nämlich weiblichen Zyklen zu folgen. Die es erlaubt, dass eine Frau mal durchstartet im Beruf und ganz nach oben kommt. Dass sie dann aber immer wieder mal alles hinschmeißen darf, um verliebt ein, zwei oder drei Babys anzugurren oder sich einem völlig anderen Projekt zu verschreiben, bei dem überhaupt kein Geld zu verdienen ist. Bis wieder eine neue Phase ansteht und sie erneut in die Welt hinaus will. Dann ist sie mit vollem Enthusiasmus – mal Teilzeit, mal Vollzeit – dabei. Sie wird nicht nur geduldet, sondern ernst genommen. Macht wird ganz neu definiert, weil man sie teilen muss. Ich wette, viele Männer werden verdammt neidisch sein auf unser Leben in Wellen, und sie werden es uns nachmachen.“ 

Liebe LeserInnen, das Thema „Frausein“ ist ein höchst individuelles. So einzigartig jede Frau ist, so verschieden werden ihre Ansprüche sein. Im März lassen wir – auch in unserer Niederösterreicherin, die es ab sofort druckfrisch in Eurer Trafik gibt– Frauen zu Wort kommen,  die uns tief beeindruckt haben. Sie teilen mit uns ihre Geschichten, ihre Niederlagen, die sie letztlich gestärkt haben, und ihre Erfolge, auf die sie stolz sein können. Für dieses Vertrauen bedanken wir uns. Kosten wir sie also aus, die Wellen eines Frauenlebens, und genießen wir es, Frau zu sein – 365 Tage im Jahr!