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Editor's Mind Angelica Pral-Haidbauers Kolumne

Editor's Mind | 06.11.2018

Schön und gut!

Als ich die Ankündigung für den Abend im Zeichen von Thomas Bernhard mit dem Film „Der Bauer zu Nathal“ schrieb, der am 15. November im Cinema Paradiso St. Pölten gezeigt wird, bekam ich Lust mich etwas in das Thema zu vertiefen.

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"Der Bauer von Nathal". Am Set Nicholas Ofczarek mit Regisseur Matthias Greuling (© Katharina Sartena)

Ich stieß im  Filmporträt über Thomas Bernhard „Drei Tage“ von Ferry Radax auf folgende Aussage des Schriftstellers: „Ich bin auch kein heiterer Autor, kein Geschichtenerzähler, Geschichten hasse ich im Grund. Ich bin ein Geschichtenzerstörer, ich bin der typische Geschichtenzerstörer.“ Und weiter: „Es darf nichts Ganzes geben, man muss es zerhauen. Etwas Gelungenes, Schönes wird immer mehr verdächtig.“ Oh je, dieser Bernhard! Geliebt, gehasst, ausgebuht, verehrt. Ein Grund, mich noch mehr auf den Film von David Baldinger und Matthias Greuling zu freuen, der ja laut beider Regisseure „kein Film über Thomas Bernhard“ sein sollte ... 

Ich jedenfalls liebe Geschichten und ich liebe die Schönheit. Deshalb konnte ich auch nie verstehen, mit welcher Obsession sich die moderne Kunst des letzten Jahrhunderts gegen die Ganzheit von Geschichten in der Literatur wie auch gegen die Schönheit in den Bildenden Künsten und im Design richtete. Und ich finde es wunderbar, dass sich auch die Wissenschaft wieder vermehrt mit der Schönheit per se beschäftigt, die uns – wie Platon schon schrieb – wesentlich beeinflusst  und sogar unser Verhalten zu ändern vermag. Die nun beinahe 100 Jahre andauernde Verbannung der Schönheit als moralischen Wert findet also ein Ende. Schönheit wird nicht mehr ins banale Eck verbannt. Man darf also in den Uffizien beim Anblick der Venus von Botticelli wieder getrost in Ohnmacht fallen (wovon der Museumsdirektor gerne berichtet), ohne als oberflächlich, konservativ oder verdächtig abgestempelt zu werden. Man darf Schönheit als ästhetisches Ideal wieder bewundern und genießen, wie Prof. Helmut Leder, der das erste Institut für Ästhetik an der Uni Wien leitet, in seinem Vortrag an der Angewandten sagte. Und auch die Ausstellung „Beauty“ von SAGMEISTER & WALSH im MAK springt auf und zeigt derzeit ein eindrucksstarkes multimediales Plädoyer für die Lust am Schönen. 

Genießt jeden Augenblick der Schönheit, er tut Euch gut!

Eure Angelica Pral-Haidbauer,

Chefredakteurin