Loading…

Editor's Mind Angelica Pral-Haidbauers Kolumne

Editor's Mind | 04.03.2020

Jetzt hab' ich auch endlich ein Hobby

Ich wurde Fußballfan. Nicht sehr geistig, aber begeisternd.

Weltfrauentag 2020. Vieles ist schon geschehen. Ich denke an unsere Regierung, die noch nie so weiblich war. Ich denke an gesellschaftspolitische Bewegungen wie #aufschrei, #MeToo und #notme. Ich denke aber auch an unsere Großmütter und Mütter, die in schwersten Zeiten aus fast nichts noch so viel machten, dass ihre Kinder satt wurden. Die dort ein Stück emotionale Heimat erschufen, wo keine mehr war. Die Stärke und Haltung zeigten und uns Herzenswärme und Humor weitergaben. Ich denke aber auch an jene Frauen, die nach langen Berufsjahren sich nun für anderes engagieren. Wie schrieb Julia Onken? „Wenn die Zeit der körperlichen Mutterschaft vorbei ist, beginnt die der geistigen für das ganze Universum.“ Es ist dann an der Zeit, etwas Neues zu beginnen. Nun, dieses Recht nehme auch ich mir heraus. Nach fünf wunderbar kreativen Kindern, der Aufzucht von Generationen ihrer Hunde, Katzen, Hasen, Goldfische und zwei Pferden habe ich nun – zum kollektiven Gelächter aller – auch ein eigenes Hobby. Ich wurde Fußballfan. Nicht sehr geistig, aber begeisternd. Gemeinsam mit meiner Schwester und unserer Freundin besuchen wir so viele Spiele wie möglich. In der brodelnden Arena, voll mit testosteronschwangeren Ballprofis, üben wir uns nicht im Diskurs gesunder Kochrezepte – wir ereifern uns bei Bratwurst und Bier über Fehlentscheidungen des Schiris und vieles mehr. Und das nicht nur im Heimstadion. Als die drei „Marsch-Girls“ (nach unserem derzeitigen US-Trainer Jesse Marsch) reisen wir zu Matches zwischen Liverpool und Rom. Drei promovierte Best-Ager, drei Fans on Tour. Beim Champions League-Spiel saß ein Herr neben mir, der fragte: „Ihr seid immer zu dritt, habt ihr keine Männer?“ „Doch“, überschrie ich den Lärm, „aber die haben donnerstags immer Ballettstunde.“ Nun, das war natürlich geflunkert. Unser starkes Geschlecht hat sich in einen Kurs „Yoga für Männer“ eingeschrieben. Finde ich absolut in Ordnung. Wenn Mann schön in seiner Mitte bleibt, dann können wir Frauen noch Vieles erreichen ...

Herzlichst,
Eure Angelica Pral-Haidbauer,
Chefredakteurin