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Editor's Mind Angelica Pral-Haidbauers Kolumne

Editor's Mind | 07.07.2021

„Mach es dir nicht schon zu früh zu sehr bequem.“

Bingo, das hat gesessen. Und es stimmt. Denn diese Coronazeit hat etwas mit mir gemacht …

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(© Shutterstock)

Ich liebe Spaziergänge mit meiner Mutter, unsere hitzigen Debatten zu tagespolitischen Themen, und überhaupt. Vor einigen Wochen blieb sie, die 88-Jährige, modisch gekleidet samt Hut und Lippenstift, mit einem Blick auf meinen Schlabberlook, getoppt mit Korksandalen, stehen und sagte: „Mach es dir nicht schon zu früh zu sehr bequem.“ Bingo, das hat gesessen. Und es stimmt. Denn diese Coronazeit hat etwas mit mir gemacht, ich habe mich nämlich von Monat zu Monat wohler gefühlt in meiner Komfortzone. Bald hatten Skype-Konferenzen persönliche Interviews ersetzt. War ich anfangs darüber noch traurig, begann es mir zu gefallen. Ihr wisst schon, wie das vor dem PC funktioniert: oben Bluse und Ohrringe, unten Jogginghose und Flipflops. Dennoch: Ich brauchte, ob meines erworbenen Hüftgolds, etwas Neues. Die Geschäfte noch im Lockdown, poppt am Bildschirm gerade zur rechten Zeit eine stylishe Verheißung auf. Ein Klick – und ich habe geordert: ein Vintagekleid (dazu eine 5-Sterne-Bewertung einer Fashionista aus Südamerika „ich fühle mich wie eine Prinzessin“ – na, genau das, was ich jetzt brauche!) und eine knielange Strickjacke, getragen von einem hippen Model, lässig über einen Zebrastreifen eilend. Streetwalk in New York. Sehr cool und alles ganz easy!

Die Bestellung kam pünktlich, ein Begleitschreiben im Paket: Anhand Ihrer mitgelieferten Maße haben Sie EU-Größe 56 (okay, ich dachte beim Abmessen „nur nicht zu eng“). Das Kleid? Eine zeltähnliche Stoffmasse, die wohl Whoopi Goldberg in „Sister Act“ noch zu groß gewesen wäre. Die Jacke? Bodenlang, Ärmel bis zum Knie, die Kapuze fällt locker zur Taille. Habt ihr die Kutte von Sean Connery in „Der Name der Rose“ vor Augen? Ich hätte eine, ganz in Kuschelstrick, zu vergeben. Wenn ihr über zwei Meter groß und wohlbeleibt seid. Gibt‘s noch Riesen?

Dieser Sommer wird ein Kulturfest! Solltet Ihr für die vielfältigen Produktionen, über die wir in unserer Sommer-Niederösterreicherin ausführlich berichten, noch passende Outfits suchen, so geben wir euch dazu jede Menge Anregungen. Ihr findet die Modelle im regionalen Modehandel, persönliche Beratung inklusive. Auch für mich steht eine Shoppingtour an, aber vorerst verzieh‘ ich mich in den Garten und mache es mir mit einigen Büchern gemütlich, denn die heißesten Kriminalfälle kommen derzeit von niederösterreichischen Autoren! Ob Christian Schleifer mit seinen Perchtoldsdorfer-Krimis, Maria Publigs und Günther Pfeifers Waldviertel-Krimis oder Beate Ferchländers Mehlspeisen-Morde – sie alle eint eines: Ihre Krimis mit Lokalkolorit sind eine einzige Liebeserklärung an Niederösterreich.

Genießt diesen Sommer!

Wir kommen wieder Anfang September,
Eure Angelica Pral-Haidbauer
Chefredakteurin