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Editor's Mind Angelica Pral-Haidbauers Kolumne

Editor's Mind | 06.04.2022

Eine dunkle Wolke trübt unsere Redseligkeit

Warum es gerade jetzt Auszeiten braucht und wofür wir dankbar sind.

Am Anfang einer Ausgabe steht eine Redaktionskonferenz. Und wie wir Journalist:innen so sind, geht es dabei mitunter recht hitzig zu. Es wird diskutiert, gelacht und angepriesen. Versteht sich doch eine jede als Anwältin ihrer Geschichte, die dann wortreich und überzeugen wollend vorgetragen wird. Diesmal war es anders. Das, was sich keine vorstellen hätte können, ist eingetreten: ein Krieg in Europa. Eine dunkle Wolke hat unsere Redseligkeit zur Sprachlosigkeit getrübt. Es blieb die Frage: Wie gehen wir als Monatsmagazin damit um? Ignorieren? Schicksalsgeschichten erzählen und auf den folgenden Seiten die neuesten Beauty-Tipps, die schönsten Outdoor-Möbel? Ein Dilemma im Schatten eines aufrichtigen Mitgefühls mit den Menschen in der Ukraine, mit den flüchtenden Frauen und Kindern, das uns im privaten Leben zum Handeln bringt, indem wir uns an verschiedenen Hilfsaktionen beteiligen. Mit unseren Magazinen wollen wir jedoch weiterhin eine Auszeit bieten und dankbar sein dafür, dass wir in einem friedlichen Land leben dürfen.

Es ist Zeit zum Umdenken. Denn sowohl die Pandemie wie auch der Krieg in der Ukraine zeigen uns drastisch auf, wie instabil unsere globalen Lieferketten sind und wie abhängig wir uns gemacht haben. Aus diesem Grund haben wir uns zu einem Schwerpunkt entschlossen, der sich mit der Zukunftssicherung einer regionalen Lebensmittelversorgung beschäftigt. In unserer Geschichte „Wenn Aktien echte Früchte tragen“ lest ihr über Alfred Schwendinger, einem innovativen Biobauern am Jauerling, der die Regionalwert Niederösterreich-Wien AG gründete. „Eine Regionalwert-Aktie ist etwas für Menschen und Betriebe, die nicht jammern, sondern Verantwortung übernehmen – für die Region, in der sie leben und von der sie auch in Zukunft leben wollen“, erklärt er seine Idee, die Ernährungssouveränität zu sichern. Dazu stellen wir Ihnen nachhaltige Betriebe vor, die uns vor Ort mit den besten Bioprodukten versorgen. Das Ziel? Den Bauern ihre Würde und der Region ihren  Wert geben.

Stop Fucking The Planet! Dieser Appell findet sich auf der Slow Fashion von Sabine Wagenhofer, die durch ein Burn-out zum Spinnen kam und so dem alten Handwerk ihrer Uroma neues Leben einhauchte. Mit großer Leidenschaft verarbeitet sie nur das, was uns die Tiere und Pflanzen der Region schenken – zum Wohle der Menschen und zum Schutz unseres Planeten. Lesen Sie die berührende Geschichte über die  „Spinnerin“, die den ihr bestimmten Lebensauftrag gefunden hat, auf Seite 30.

Einen Blick hinter die Kulissen wirft Viktória Kery-Erdélyi im Gespräch mit der künstlerischen Leiterin der Festspiele Reichenau, Maria Happel, sowie mit Markus Freistätter, der im aktuellen Deix-Film den großen Karikaturisten verkörpert. Auch Kunst, die uns ein Lächeln schenkt, kann trösten. Oder wie Reinhard Mey bereits 1974 in seinem Lied „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“ sang: „Je kaputter die Welt draußen, desto heiler muss sie zu Hause sein.“

Herzlichst,
Eure Angelica Pral-Haidbauer
Chefredakteurin