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Editor's Mind Angelica Pral-Haidbauers Kolumne

Editor's Mind | 07.02.2022

Haben wir das Nichtstun verlernt?

Keine Pausen mehr? Dabei wären sie eine wichtige Quelle der Regeneration und Kreativität.

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(© Shutterstock)

Geht dir auch das Herz auf, wenn du eine Braut siehst? Schwingt auch bei dir die Erinnerung an die eigene Hochzeit mit? Jenem aufregenden Tag, der sich so tief in unser Lebensbuch einschreibt. Diese kleinen Inseln der Glückseligkeit hat es auch im Pandemiejahr 2021 gegeben. Vier Paare aus Niederösterreich haben uns erlaubt, die schönsten Momente ihrer Hochzeit, die Zeremonie ihrer Liebe, mit euch zu teilen. Unsere Geschichte „The Glory of Love“ und eine Vorschau auf die Brautmode 2022 wird ein herzerwärmender Augenschmaus, der dich vielleicht etwas zum Träumen bringen wird …

Zeit um Träumen. Nehmen wir uns diese Zeit nicht viel zu wenig? In einer Welt, die uns mit innovativen Techniken von der Mikrowelle bis zum Smartphone Zeit schenken sollte, geht uns diese immer mehr verloren. Über die zeitraubende Beschäftigung des Swipens, Tippens, Likens und Postens am Smartphone sprechen wir mit Christina Feirer, die gerade ein Buch zum achtsamen Umgang mit digitalen Medien veröffentlichte. In unserem Interview „Your Time Matters“ (S. 38 in unserer druckfrischen Februar-Niederösterreicherin) zitiert die leidenschaftliche Digital Detoxerin eine Studie, die besagt, dass wir acht Jahre unseres Lebens mit dem Blick auf den schlauen Begleiter in der Größe einer Zigarettenschachtel verbringen werden – Tendenz steigend. Das Smartphone verleitet uns nämlich – neben seiner Funktion als Mobiltelefon mit unzähligen Apps – zur permanenten Unterhaltung, die uns wiederum in einen ständigen Reaktionsmodus versetzen. Wir sind in einer Entertainment-Verliebtheit angekommen, die keine Langeweile, keine Pausen mehr zulässt.

"If you look at zero you see nothing, but look through it and you will see the world."

Dabei wären Pausen eine wichtige Quelle der Regeneration und Kreativität! „Gar nichts tun, das ist die allerschwierigste Beschäftigung und zugleich diejenige, die den meisten Geist voraussetzt“, schrieb vor mehr als hundert Jahren Oscar Wilde. Haben wir vor lauter Effizienz und Produktivität das Nichtstun verlernt? Kürzlich hörte ich ein Interview mit einem britischen Mathematiker, der zur Erfindung der Null sagte: „If you look at zero you see nothing, but look through it and you will see the world.“ Was für ein Satz! Eine Huldigung an die Null, die bei den Babyloniern nur als Lückenfüller diente, bis die Inder im 5. Jahrhundert mit dieser Null die Mathematik revolutionierten. Wäre dieses – im übertragenen Sinne – mathematische Konzept nicht ein guter Vorsatz für das neue Jahr? Viel öfter mal nichts tun und eine neue Welt entdecken.

Herzlichst,
Eure Angelica Pral-Haidbauer
Chefredakteurin