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Editor's Mind Angelica Pral-Haidbauers Kolumne

Editor's Mind | 01.06.2022

Bist du eher ein HOGO oder ein FOMO?

… meine Antwort würde BEMO sein ;)

Darf ich euch etwas fragen? Bist du eher ein HOGO oder ein FOMO? Ihr wisst jetzt nicht, was ich meine? Nun, dann geht‘s euch genauso wie mir – bis vor Kurzem. Also, HOGO ist die neudeutsche Abkürzung für „Hassle of Going Out“, was bedeutet, dass du es dir in deiner Komfortzone so gemütlich gemacht hast, dass du gerne aufs Ausgehen verzichtest. Im Gegenteil zum FOMO, dem „Fear of Missing Out“, der ständigen Angst, etwas zu versäumen. Dieses Fomo-Phänomen wird vor allem von Facebook, Insta und Co. befeuert, wo wir in Echtzeit verfolgen können, was sich – ach so aufregend! – da draußen gerade tut. Wie etwa ein Post von einer Weinverkostung (zwei Gläser eines treuen Single-Freundes, wobei sich unweigerlich die Frage aufdrängt „wem gehört wohl das zweite?) oder vier Füße aus der Handyperspektive einer ehemaligen Kollegin, die sich wohlig in feinsten Sand graben. Während man sich noch die Frage stellt, ob dieses Foto vom Strandbad am Naturbadeteich in Gmünd oder etwa in der Karibik aufgenommen wurde – und vor allem, mit wem? –, wird zeitgleich der Kontostand geprüft, welche Destination das Börserl noch hergibt, denn „Dabeisein“ in der Konkurrenz um die besten Pics ist ja bekanntlich alles. Und so füllt sich die tägliche Agenda mit einer Hektik des Ausgehens, um nur ja nichts zu versäumen.

Wie wunderbar relaxed fühlt sich dagegen die Welt der HOGOS an, die in den Jahren der Pandemie erblühte! Eingehüllt in flauschige Jogging-Pieces aus elastischem Stretch (nein Herr Lagerfeld, wir haben die Kontrolle über unser Leben nicht verloren!), sind sie die alleinigen Herrscher:innen über sämtliche Fernsteuerungen, vom simplen TV bis zum Smart-Home-System – und nicht zu vergessen der Küche, welche sich in dieser Zeit zum ganz persönlichen Gourmettempel entwickelte. Wie gut, dass man sein Workout zur Eliminierung der angehäuften Genusskalorien auch auf kleinstem Raum abschwitzen kann!

Als fröhlichere Version der FOMOS haben sich die JOMOS (Joy of Missing Out) als goldenen Mittelweg erfunden. Sie feiern das Leben nach den langen Einschränkungen in der Coronazeit, suchen sich gezielt aus, an welchen Aktivitäten sie teilnehmen, und haben die innere Ruhe und Gelassenheit auch Pausen, vor allem von der ständigen Verfügbarkeit in den sozialen Medien, einzulegen und die Ruhe zu genießen.

Na ja, eigentlich auch nicht viel Neues im Universum! Erinnern ihr euch an den Spruch „Beam me up, Scotty“ aus der Serie „Raumschiff Enterprise“? Die Lust, da draußen nur ja nichts zu versäumen, gab‘s schon damals. Meine Antwort würde BEMO (Be in the Moment) sein, was heißt, da, wo wir sind, ist es gut – und nehmen zugleich den Flow des Lebens an. Ganz nach „Jump on the Wave of Change“ – aber dazu fällt mir jetzt keine spritzige Abkürzung mehr ein ...

In diesem Sinne,
herzlichst,
Eure Angelica Pral-Haidbauer
Chefredakteurin