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Editor's Mind Angelica Pral-Haidbauers Kolumne

Editor's Mind | 24.06.2016

Flower Power

Sie sind wieder da, die reizenden Blumenkinder – zumindest in der Mode. Und sie bringen uns das Lebensgefühl jenes Jahres zurück, welches gleich einer ganzen Generation seinen Namen gab: 1968. “All You Need Is Love“ sangen die „Beatles“ und Millionen von rührend idealistischen Flower-Power-Kindern setzten sich in Bewegung, um der Welt das Mantra der Stunde, Liebe, Freiheit und Frieden zu verkünden...

Bild edito + sanfranc.jpg
Flower Power in San Francisco ;)

In jenem „Summer of Love“ machten sich viele im Kampf gegen das Establishment mit bunt gelackten VW-Bussen auf die Reise nach Afghanistan oder Marokko. Überall roch es nach Patschuli und Haschisch – über Österreich hingen selig der Marzipanduft der Mozartkugel und die geilen Cremewolken dicker Kardinalschnitten. Ja, hier tickten die Uhren (noch) beschaulicher.

Während in Deutschland der Marsch in die linken Institutionen begann, in den Familien der Generationenkonflikt brodelte - erlebte hierzulande lediglich der Kelomat-Dampfdrucktopf in den Haushaltsgeschäften seine Hochkonjunktur. Die Welt trug Overalls, ausgestellte Hüfthosen, Neon-Minis und Schlapphüte auf wilden Haaren - unsere Eltern präsentierten sich in adretten Crimplene-Kostümchen an der Seite knitterfreier graugestreifter Trevira-Anzüge. Und die Ober in den noch immer kaiserzeitschwangeren Cafés grüßten die Twiggy-gestylten, hohlwangigen Mädchen mit kajal-umrandeten Augen immer noch mit „Küss d´Hand Komtesserl“. Während es Tausende auf der Suche nach einem neuen Lebenssinn nach Indien in den Ashram von Maharishi Mahesh Yogi zog, verbrachten die Jungschargruppen ihr Ferienlager im Most- oder Weinviertel.

Das Fernsehen lieferte Bilder von den Studentenprotesten an den Universitäten wie Berkeley und Columbia, junge Männer verbrannten öffentlich ihren Einberufungsbefehl nach Vietnam, in Österreich trieb ein winzige Konzentrat des österreichischen Studenten-Protestes ein rosa Schwein in die Angelobungszeremonie der Bundesheer-Rekruten. Als dann noch Otto Mühl und Mitglieder seiner WG im Hörsaal der Wiener Universität ihre Hinterteile entblößten, machte sich der junge Manfred Deix auf, um sich rotwangig verschämt am Bahnhof von St.Pölten für fünf Schilling sein erstes „Sex-Magazin“, mit – seinen eigenen Erzählungen nach – sehr unschuldigen Abbildungen entblößter Oberweiten zu kaufen. Led Zeppelin und Janis Joplin animierten die Welt zum kollektiven Drogenkonsum, in Niederösterreich blühte der Mohn bestenfalls auf der Bauernwiese, der „schwarze Afghane“ saß wartend auf ein gutes Platzerl in der Tierhandlung – zum legalen Verkauf. Und während das legendäre Festival Woodstock über 400 000 Hippies zum musikalischen Höhepunkt der Flower-Power-Ära rief, besuchten die Beatles Österreich, die sich, artig wie die Queen-Mum, kurz am Balkon ihres Hotels zeigten – worauf die Mädchen reihenweise in Ohnmacht fielen.

Liebe LeserInnen, die Zeit der Blumenkinder ist fast ein halbes Jahrhundert her – aber ihre Botschaft tut uns gut. Freuen wir uns auf einen Sommer im Zeichen von Love & Peace. Fühlen wir uns frei, für das einzustehen, was uns wertvoll ist – und genießen wir etwas mehr die Leichtigkeit des Seins. Blumen blühen ja bekanntlich überall – und Haarkränze binden ist die beste Meditation. 

 

Make love, not war!

Eure Angelica Pral-Haidbauer