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Editor's Mind Angelica Pral-Haidbauers Kolumne

Editor's Mind | 29.09.2016

Die Krone der Weiblichkeit

Vor einigen Tagen erreichte mich ein Anruf meiner Schwiegertochter aus Kalifornien mit einer wunderbaren Nachricht: ihre Schwester hat eine Tochter bekommen. Die kleine Marie ist pumperlgesund – und noch besser, sie wurde in einer Glückshaube geboren...

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(© Maria Tsakiri)

Im ersten Moment dachte ich an einen wörtlich übersetztes Wortspiel englischer Sprache, bis sie mich aufklärte. Diese seltenen Glückshauben-Geburten sind jene, bei der das Kind in einer intakten Fruchtblase zur Welt kommt, sein Köpfchen von den zarten, schützenden Eihäuten bedeckt bleibt. Bereits im Mittelalter galten diese Kinder als besonders vom Glück beseelt und vom Himmel mit herausragenden Eigenschaften bedacht. Also entstand die Tradition, getrocknete Fragmente dieses Häutchens in die Kleider der Kinder einzunähen oder sie als Erbstück in der Familie weiterzureichen, als gutes, beschützendes Omen vor Schicksalsschlägen. Literarisch verarbeitet hat Charles Dickens dieses Phänomen in seinem Roman „David Copperfield“, der als Titelheld ebenfalls mit einer Glückshaube geboren wurde, und diese als kostbaren Talisman verkaufen wollte, denn die Glückshauben waren begehrt und so bezahlte man den Hebammen und Müttern große Summen Geldes dafür.

Mit dieser Geschichte voll schöner Symbolik im Kopf besuchte ich Niely Hoetsch in ihrem Atelier und tauchte abermals in eine Welt der Hauben ein: der Goldhauben.

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Zu Besuch bei der zauberhaften Niely Hoetsch

Sie erzählte mir von ihrer Großmutter, die in Brasilien kostbaren Kopfschmuck für Bräute fertigte, von feinsten Blütenblättern bis zur wertvollen Mantilla, was sie weit über die Grenzen ihres Landes hinaus bekannt machte. Diese Familientradition aufnehmend, verarbeitet die Designerin jetzt die goldenen Stoffe, Borten, Kristalle und Perlen aus dem Vermächtnis ihrer Oma zu kunstvollen, filigran bestickten Goldreifen, inspiriert von der Wachauer Mädchen-Bogenhaube. Diese leichteren und alltagstauglichen Varianten gereichen in unserer Coverstory den traumhaft schönen Trachten von Theresa Hirtzberger aus Spitz an der Donau, einer „Krone“ gleich, zur Zierde.

Nielys Welt
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(© Maria Tsakiri)
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(© Maria Tsakiri)
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Wald & Wachau

Die Wachau, über sie und ihre Menschen berichten wir in der Oktober-NIEDERÖSTERREICHERIN. Der junge Biologe Clemens G. Arvay nimmt uns mit in die Wälder entlang der Donau und zeigt uns, wie viele heilende Kräfte dort auf uns einwirken. Meine Kollegin Viktória Kery-Erdélyi besuchte den Winzer Herwig Jamek und den Direktor der Weinbauschule Krems, Dieter Faltl, sowie deren Ehefrauen, beides Ärztinnen. Und weil die Wachau nicht nur Weltkulturerbe, sondern auch im wirtschaftlichen Aufschwung begriffen ist, waren wir gleich bei mehreren Geschäftseröffnungen zu Gast.

Der Oktober steht in unseren Magazinen aber auch ganz im Zeichen von „Pink Ribbon“, der Kampagne gegen Brustkrebs, der Frauen in ihrer innersten Weiblichkeit trifft. Drei Betroffene hatten die Größe, das Vertrauen und den Mut, mit uns ihre Geschichte zu teilen. Und auch hier begegnen wir wiederum Hauben. Als Kühlhaube, gegen den Haarausfall während der Chemotherapie, und als schützenden Kopfschmuck in Form von Perücken und Tüchern, während Körper und Seele wieder heilen dürfen. Wir laden Sie, gemeinsam mit ExpertInnen, die bei uns zu Wort kommen, ein, Ihre Vorsorgeuntersuchung wahrzunehmen - aus Liebe zum Leben. Zu Ihrem Leben.

Seid gut behütet, Eure Angelica Pral-Haidbauer