Loading…
Du befindest dich hier: Home | Events

Events | 02.11.2015

Ursula Strauss

Wenn Kraftplätze zu Bühnen avancieren: Ursula Strauss schart für ihr Herbstfestival „Wachau in Echtzeit“ eine Vielzahl kongenialer Künstler um sich. Sie selbst singt (!) als Marlene und verrät im Interview, warum sie sich nix mehr pfeift.

Bild Künstlerische Leiterin Ursula Strauss©photo-graphic-art.jpg
Wachauverliebt: Ihr Herbstfestival bereichert die künstlerische Leiterin Ursula Strauss auch singend als Marlene Dietrich (© photo-graphic-art.at)

Von der Lust, zum Staunen zu bringen

Da gibt es einen Felsen auf der Ruine Aggstein, auf den man sitzen, den Ausblick und eine Jause genießen kann. „Ein Kraftplatz“, sagt Ursula Strauss, aufgewachsen in Pöchlarn. Ein Stück ihres faszinierenden Wesens, in dem sich eine zarte Person mit samtig-weicher Stimme und eine taffe Frau vereinen, wird sie vielleicht von ebendort haben. „Ich liebe die Donau. Und wenn man da oben sitzt, hat man für einen Moment das Gefühl, es ist alles gut“, schwärmt die Schauspielerin bei der Programmpräsentation. Dann rezitiert sie aus der Biografie von der Tochter Marlene Dietrichs über ihre Mutter und selbst die Kommunikativsten unter den Medienleuten halten den Atem an. Ursula Strauss kuratiert abermals „Wachau in Echtzeit“, eine kulturell facettenreiche Verbeugung vor ihrer geliebten Heimat, ein Festival voller Überraschungen und Premieren. Zu diesen zählt auch jener Abend, an dem Ursula Strauss in der Minoritenkirche Krems auch als Sängerin in die Rolle von „Marlene“ schlüpft (28. November). „So etwas hätt’ ich mich früher nicht getraut“, sagt sie später lachend im Interview mit der NIEDERÖSTERREICHERIN.

Bild Ulrike Beimpold (c)Alexander Haiden_2.jpg
Sprung ins Unbekannte: Ulrike Beimpold (Bild), Lilian Klebow und Gregor Seberg erhalten erst unmittelbar vor ihrem Auftritt ihren Text (© Alexander Haiden)

Überraschungen & Premieren

Im vierten Jahr ihrer Intendanz sei die Lust, die Zuschauer zum Staunen zu bringen, noch größer. Dabei setzt sie weniger auf Effekte, sondern vielmehr auf überraschende Konzepte, besondere Locations und vor allem auf herausragende Künstler. Eine einzigartige Filmnacht mit dem Gruselklassiker „Nosferatu“ garantiert das live improvisierende Ensemble „Divine Musical Bureau“ bereits am 30. Oktober auf der Burgruine Aggstein. Drei Schauspieler versprechen an drei Abenden drei Ausnahmeerlebnisse: Lilian Klebow, Gregor Seberg und Ulrike Beimpold kennen vor ihrem Auftritt nichts anderes als den Dramentitel. Die Aufführung „Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen“ des iranischen Autors Nassim Soleimanpour entsteht jeweils vor und mit dem Publikum (6., 14. und 22. November).

Die mächtige Donau dient am 7. November als Kulisse, wenn die Gäste mit dem raffinierten Dramoletten-Verfasser Antonio Fian und dem kongenialen Kollegium Kalksburg in Krems die MS Austria von Brandner Schiffahrt besteigen. „Allerlei orgasmische Szenen“, wie der künstlerische Leiter und Regisseur Alexander Hauer beschreibt, verspricht die Uraufführung von „Szenenwechsel“ mit Ali Jagsch, Doris Hindinger und Boris Fiala (8. November) im Schloss Spitz; das Stift Dürnstein bereichern August Zirner und „Das Spardosen-Terzett“ mit ihrer „Diagnose: Jazz“ am 13. November. Auf eine „Glockenreise durch die Wachau“ entführt Norbert Hauer am 15. November, zum Familienevent für Menschen ab acht Jahren lädt die Kulturwerkstatt Tischlerei Melk mit „Odysseus am Sand“ mit Reinhold Moritz (20. November). Eine kaum gekannte Facette seines schauspielerischen Könnens zeigt Hans Sigl am 27. November in der Römerhalle Mautern: mit dem Kabarett „Schutzbehauptung – Ein Solo in Nöten“.

Bild Szenenwechsel (c) Marco Zimprich.jpg
Uraufführung: Doris Hindinger und Ali Jagsch (l.), auch im wirklichen Leben ein Paar, ergründen auf Schloss Spitz bekannte Liebesszenen aus der Filmgeschichte. (© Marco Zimprich)

Im Gespräch mit Ursula Strauss

Wir wollten noch mehr wissen. Über ihre „Wachau in Echtzeit“, ihr Leben als Neo-Ehefrau und ihre Zukunftspläne und baten die wunderbare Ursula Strauss zum Interview.

Worin besteht der schönste Erfolg von „Wachau in Echtzeit“?

Wenn man mitkriegt, wie die Menschen mitgehen, den Abend, die Kunst in diesen besonderen Räumen genießen. Das Publikum ist sehr gemischt, auch das freut mich sehr. Da sind routinierte Theatergeher dabei, aber auch ich hab schon den Eindruck, dass wir auch „Neue“ animieren können, uns zu begleiten.

Welches besondere Projekt möchten Sie einmal bei „Wachau in Echtzeit“ verwirklichen?

Vielleicht eine größere Theaterproduktion. Da sind unsere finanziellen Mittel doch noch zu eingeschränkt. Die Arbeit der Künstler gehört entlohnt. Viele neigen dazu, das bei der Kunst zu vergessen. Vielleicht macht es auch nichts, wenn dann ein größeres Theaterprojekt aus Budgetgründen nicht klappt. Es sind doch auch gerade diese Juwelen in kleinen Kreisen das Besondere. Wichtig ist mir unsere Haltung: „Wachau in Echtzeit“ steht für Freiheit, Menschlichkeit, Kreativität, für den Austausch miteinander und den Respekt untereinander. Wir wollen noch mehr zum Ausdruck bringen, dass es ein Prozess ist, den man miteinander eingeht. Wie ernst wir das Publikum nehmen, wie genau wir uns überlegen, was gefällt, womit man die Menschen konfrontieren kann, wie weit sie bereit sind auch Dinge anzuschauen, die sie sonst vielleicht nicht ankreuzen würden.

Bild Ursula Strauss_Viki_(c)www.photo-graphic-art.at.jpg
Die wunderbare Ursula Strauss im Interview (© photo-graphic-art.at)

Sie haben eine harte Zeit hinter sich (Ursula Strauss’ Vater starb, sie selbst hatte einen schweren Verkehrsunfall, Anm.). Wie konnten Sie das alles verarbeiten?

Durch die Menschen um mich herum, mich selber, die Arbeit, Zeit, die vergeht und das Bewusstsein darüber, dass ich sehr beschenkt bin. Und auch die Dankbarkeit darüber, dass ich am Leben sein darf und Dinge genießen darf, wie meinen Beruf. Ich nehme alles intensiver wahr. Ich bin dankbar für die Momente, die ich erleben darf und kann.

In die Öffentlichkeit möchten Sie mit ihrem Partner nicht treten, aber Sie haben vergangenes Jahr geheiratet. Hat sich etwas verändert?

Ich finde die Ehe, das Verheiratetsein ganz toll. Ich genieße das sehr. Ich finde, die Beziehung ist noch intensiver, noch inniger geworden. Noch besonderer. Dieses Gefühl hat mich aber überrascht, weil wir doch schon seit 15 Jahren ein Paar sind. Das flasht mich total. Manchmal reißt’s mich noch immer, wenn ich sage: „Das ist mein Mann.“ (lacht) Dann denk ich mir: Aja, ich bin jetzt eine verheiratete Frau. Und ich bin auch froh, dass wir nicht früher geheiratet haben. Das war genau richtig.

Welche Frauenrolle möchten Sie unbedingt einmal spielen?

Maria Stuart. Ich bin relativ offen und lasse mich gerne überraschen. Ich habe in meinen 20 Berufsjahren schon so geniale Rollen, so tolle Frauenfiguren gespielt, dass ich eigentlich gar keinen Grund hätte mich nach irgendetwas zu sehnen. Aber Maria Stuart wäre toll – am liebsten mit meiner Freundin Barbara Horvath.

Im Theater oder vor der Kamera: Wo stehen Sie lieber?

Ich bin momentan überall gerne. Ich genieße den Unterschied. Ich drehe gerade mit einem ganz tollen Regisseur, mit dem Nils Willbrandt ein Projekt namens „Pregau“. Ich habe heuer auch schon viele gute Filme gemacht: „Maikäfer flieg“ mit Mirjam Unger (Regie, Anm.), „Ein sicherer Ort“ mit dem Michael Ramsauer (Regie, Anm.) und auch „Schnell ermittelt“. Ich freue mich auf den Auftritt bei „Wachau in Echtzeit“, weil ich es liebe, mit dem Publikum direkt in Kontakt zu sein. Und ich freue mich aufs Singen. Das wird immer mehr; das hätte ich mich früher nicht getraut. Jetzt pfeif ich mir nix (lacht).

Wie sehen Sie die momentane Flüchtlingssituation?

Ich kann nur jeden bestärken, die Angst vor dem Fremden über Bord zu werfen. Ich finde es wunderschön, dass die syrischen Flüchtlinge in Wien zuletzt eine Demonstration gemacht haben, um zu zeigen, wie sie Tradition und Kultur unseres Landes ehren und respektieren und dass es ihnen nur darum geht, in Frieden leben zu dürfen. Wir können den Menschen zeigen, dass Europa für eine Haltung der Menschlichkeit, eine Verteidigung der Freiheit, des persönlichen Rechts der Meinungsfreiheit, das Recht darauf ein Leben in Frieden leben zu dürfen, steht.
Natürlich bringt die Situation Probleme mit sich. Es ist auch Schwachsinn, die Ängste der Menschen nicht ernst zu nehmen, die muss man respektieren. Aber ich verstehe unsere Politiker nicht, dass sie nicht in der Lage sind, zu versuchen den Menschen die Angst zu nehmen.
Ein kluger Mensch hat einmal gesagt: In jedem von uns steckt ein Flüchtling und hat das Potenzial zum Migranten. Das dürfen wir nie vergessen: wie man selbst behandelt werden möchte in so einer Situation.


Info: Wachau in Echtzeit

30. Oktober bis 28. November.

Neue Ermäßigungen für junge Leute:

Tickets (außer Schifffahrt) bis 18 Jahre € 9, bis 26 Jahre € 15,

Erwachsene € 20 bis € 35.

Karten, Programme, Übernachtungspackages im Detail:

www.wachauinechtzeit.at